05.02.2018 - 15:48 Uhr

Bauantrag bei zwei Gegenstimmen genehmigt - Längere Aussprache Ruhewald: Stadtrat stellt Weichen

Die Rußweiherstadt erhält einen Ruhewald. Der Stadtrat stimmt mehrheitlich dem Bauantrag der Verwaltung zu. Das "Ausraufen" in der Sitzung verläuft wenig spektakulär. Nach einer längeren Aussprache stimmen nur Marcus Gradl (CSU) und Ludwig Schneider (SPD) gegen die Anlage.

Auf einer etwa einen Hektar großen Fläche östlich der Tennisplätze soll der Ruhewald entstehen. In der Mitte ist ein Versammlungsplatz mit Bänken und Kreuzen geplant. Unter den bis zu 100 Jahre alten Eichen ist jeweils Platz für fünf bis sechs Urnen. Bild: exb/Fetsch-Landschaftsarchitekten
von Walther HermannProfil

Die Anlaufzeit für den neuen Bestattungsort dauerte damit nahezu fünf Jahre. Als es im April 2013 im Stadtrat um die Erweiterung der Urnenanlage im städtischen Friedhof ging, war kurz über den Vorschlag von Martin Gottsche debattiert worden, einen Friedwald anzulegen. Bei der Waldbegehung des Stadtrats im Oktober 2013 hatte dieser ein Waldstück östlich der Tennisplätze als geeignete Fläche vorgestellt. Im November 2014 nahmen die Räte die etwa ein Hektar große Fläche mit bis zu 100 Jahre alten Eichen genauer in Augenschein.

In der Sitzung am Donnerstag nahm Reinhard Sperber, der Geschäftsführer der Verwaltungsgemeinschaft, aus baurechtlicher Sicht zum Bauantrag Stellung. Der Ruhewald soll eine Zufahrt vom Bauhof aus, eine 1,2 Meter hohe Umzäunung aus Holz mit zwei Toren und ein Netz aus Split- und begrünten Erdwegen erhalten. Für den zentralen Versammlungsplatz sind im Halbkreis aufgestellte Bänke und ein etwa fünf Meter hohes Kreuz vorgesehen. Die Urnengräber sind um die Bestandsbäume anzulegen. Der Parkplatz soll einen Schotterrasen erhalten.

Die Betrachtungsweise der katholischen Kirche brachte Udo Müller ein. Er verwies auf eine Stellungnahme des Vatikans, der im Oktober 2016 in einer neuen Instruktion den Friedwald als Bestattungsort anerkannt habe. "Bestattungen im Friedwald lässt die katholische Kirche dann zu, wenn die Grabstätte nicht anonym ist und die Anlage mit Vertretern der Kirchen eröffnet wurde", berichtete Müller.

Projekt selbst realisieren

Martin Gottsche als Gastredner wandte sich gegen das finanziell überhöhte Angebot des Landschaftsarchitekten Wolfgang Fetsch und sprach sich für eine Eigenmaßnahme der Stadt aus. Der Holzbedarf werde aus dem Einschlag für das Gewerbegebiet "Am Stadtwald" gedeckt und die Waldjugend sei bereit, das Kreuz zu gestalten. Die Ruhebänke könnten zum Teil vom Bauhof angefertigt werden.

Eine Zeitspanne von etwa drei Monaten reiche aus, um nach dem Mulchen, dem Anlegen der Wege und der Beschilderung an den Bäumen den Ruhewald seiner Bestimmung zu übergeben. Der Forstbeamte erklärte, dass das Vorhaben "emotionell belastet" sei, und rief zu Toleranz auf. Er sah in der Beisetzungsstätte für Personen ohne Angehörige vor Ort eine "gute Lösung". Den Wunsch nach 100 Urnenplätzen hielt er für "relativ schnell umsetzbar".

Marcus Gradl wusste von kontrovers geführten Gesprächen und stellte Aufwand, Nachteile für Gewerbetreibende und erforderliche Maßnahmen zur Verkehrssicherung zur Diskussion. "Die Nachteile überwiegen", zeigte er sich überzeugt und hielt es für sinnvoller, die Gelder für Reparatur und Instandhaltung des Friedhofs zu verwenden. Auch Ludwig Schneider hielt nichts von einem Ruhewald und den dafür anfallenden Ausgaben. Die Urnenanlage im städtischen Friedhof sei ausreichend.

"Zunehmend Anfragen"

"Wir sind wegen zunehmender Anfragen in die Planung eingetreten", erklärte dagegen Klaus Lehl. "Wir erfüllen mit dieser Beisetzungsstelle das Bedürfnis von Interessenten eines weiten Umkreises." "Beim Einstieg auf Urnengräber gab's auch Widerspruch", erinnerte Fritz Betzl. Er hielt es für angebracht, sich dem Wandel nicht entgegenzustellen, und zeigte sich erfreut, dass das von Architekt Fetsch angesetzte Kostenvolumen um zwei Drittel auf unter 50 000 Euro "abgespeckt" wurde.

Einen "Familienbaum" im künftigen Ruhewald konnte sich Matthias Haberberger vorstellen. Martin Gottsche wies ergänzend auf Platz für fünf bis sechs Urnen pro Baum hin.

Weniger Strom, weniger Kosten, bessere Ausleuchtung

Die Umrüstung der Straßenbeleuchtung in der Kirchenthumbacher Straße auf LED-Technik steht bevor. Der Stadtrat gab in seiner Sitzung grünes Licht für die 12 800 Euro teure Maßnahme.

Bürgermeister Peter Lehr informierte über das aktuelle Angebot des Bayernwerks zur Umrüstung der Beleuchtung in der Kirchenthumbacher Straße, die die größte Fußgängerfrequenz außerhalb der örtlichen Bebauung aufweist. Den Stromverbrauch der bisher verbauten 23 Gelblichtlampen zu je 83 Watt bezifferte er mit 1909 Watt pro Stunde.

Bei Umrüstung auf LED-Technik vermindere sich der Verbrauch pro Lampe auf 27 Watt, in der Summe auf 621 Watt pro Stunde, rechnete der Bürgermeister vor. Daraus ergebe sich bei einer jährlichen Brenndauer von 4050 Stunden eine Einsparung von rund 1000 Euro.

Lehr kündigte zudem ein Zurückfahren der Beleuchtung um 50 Prozent in der Zeit von 1 bis 5 Uhr an. Neben der Stromersparnis nannte er einen weiteren Grund für die Umrüstung: die wesentliche Verbesserung der Ausleuchtung des Straßen- und Gehwegbereiches. (rn)

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