23.02.2018 - 20:00 Uhr

Ein Bonus, kein Malus Schulen: Sozialarbeit ist keine Schande

Sozialarbeit an der Schule? Das klingt nach Brennpunkt und Glasscherbenviertel. Völlig falsch, sagen Schulleiter der Region. Der Bedarf ist da - auch bei Einser-Schülern und Gymnasiasten.

"Das neue Angebot ist für uns kein Malus, es ist ein Bonus" Zitat: Wolfgang Bodensteiner, Schulleiter der Markus-Gottwalt-Schule Eschenbach
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Eschenbach/Pressath. Seit drei Wochen arbeitet Jugendsozialarbeiterin Maria Rübe-Hitzinger an der Markus-Gottwalt-Schule. Für Schulleiter Wolfgang Bodensteiner ist das kein Grund zur Besorgnis oder zur Scham - im Gegenteil: "Das neue Angebot ist für uns kein Malus, es ist ein Bonus", sagt Bodensteiner, die neue Kraft sei auch ein Werbeträger für die Schule.

Die Zeiten, in denen ein Sozialarbeiter an einer Schule sicheres Zeichen für einen sozialen Brennpunkt war, sind vorbei, das sagt auch Bodensteiners Kollegin Ulrike Neiser. Die Leiterin der Pressather Schule blickt derzeit beinahe etwas neidisch in die Nachbarstadt. Auch ihre Schule hatte sich beim Jugendamt um einen Sozialarbeiter beworben, muss aber noch etwas warten. Die vorgesehene Kraft hat sich kurzfristig für ein anderes Angebot entschieden. Die Stelle in Pressath ist inzwischen neu ausgeschrieben. "Wir hoffen, dass es in diesem Schuljahr noch klappt", sagt Neiser.

Der Bedarf sei auf jeden Fall da, derzeit übernehmen die Lehrer die Aufgabe so gut als möglich. Aber so nebenbei lasse sich das kaum erledigen, sagt Neiser. Es sei eben nicht so, dass nur ein oder zwei "Sorgenkinder" ein Fall für den Sozialarbeiter sind. "Auch Einser-Schüler können soziale Defizite aufweisen", sagt Neiser. Die Erfahrung zeige etwa, dass Einzelkinder sich manchmal schwer tun, sich in Gruppen einzufügen. Vereine verlieren ihre Anziehungskraft, was Kinder früher dort in Sachen Sozialverhalten mitbekamen, muss nun die Schule vermitteln. "Wir unterrichten nicht mehr nur, wir erziehen heute auch viel mehr", erklärt Neiser.

Zustimmung erhalten Neiser und Bodensteiner von Knut Thielsen. Auch der Leiter des Gymnasiums hätte gerne einen Sozialarbeiter an seiner Schule, bisher erhielt er bei seinen Vorstößen zur Antwort, dass der Bedarf an anderen Schulen größer ist. "Aber die Zeit ist längst vorbei, in der man arrogant behaupten konnte: 'Wir brauchen das nicht'"' erklärt der Schulleiter. Thielsen sieht unter anderem veränderte Familienstrukturen als Ursache, dass mehr Kinder Nachholbedarf beim Sozialverhalten haben. "Die Stressresistenz unserer Schüler nimmt ab." Sogenannte Helikopter-Eltern behüten ihre Kinder so sehr, dass der Nachwuchs Schwierigkeiten bekommt, wenn er auf sich gestellt ist. "Wir hören von Eltern, dass ihre Kinder vor Stress und Prüfungsangst nicht schlafen können." Schon heute arbeitet am Eschenbacher Gymnasium ein Schulpsychologe. Und der habe gut zu tun. Schüler wenden sich etwa wegen Prüfungsangst an die Fachkraft, andere können mit den Erwartungen der Eltern nicht umgehen.

Mit solchen Themen befasst sich auch die neue Sozialarbeiterin an der Markus-Gottwalt-Schule in Eschenbach. Obwohl sie dort erst drei Wochen aktiv ist, sei schon Entlastung zu spüren, findet Wolfgang Bodensteiner. Wie für den Experten am Gymnasium gilt auch für Maria Rübe-Hitzinger: Die Expertin arbeitet unter Schweigepflicht. Was ihr Schüler anvertrauen, erfährt kein Lehrer. Deshalb kann Bodensteiner nur allgemein sagen, dass Rübe-Hitzinger bereits genug Arbeit habe, das Thema Cyber-Mobbing spiele immer wieder eine Rolle. Der Schulleiter ist froh, für solche Themen nun einen Profi an der Schule zu haben, denn schon aus Zeitgründen könne er hier nur bedingt helfen: "Ich kann einen Verweis aussprechen, dem wahren Problem auf den Grund gehen, kann ich aber nicht."

Das neue Angebot ist für uns kein Malus, es ist ein BonusWolfgang Bodensteiner, Schulleiter der Markus-Gottwalt-Schule Eschenbach

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