08.02.2018 - 16:52 Uhr

Entweder falsch oder nicht richtig SPD-Genossen vor Ort hadern mit sich und dem Groko-Kompromiss

Die SPD-Spitze hat sich mit CDU und CSU auf einen Kompromiss geeinigt, nun sollen die SPD-Mitglieder entscheiden, ob die Große Koalition weiter geht. Sicher ist sich aber nur einer der befragten Ortsvorsitzenden.

"Wir können es doch nur so oder so falsch machen." Zitat: Silvia Szydlik, Vorsitzende im SPD-Ortsverein Neustadt am Kulm/Vorbach
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Wird es im März eine Neuauflage der Großen Koalition geben? Von drei befragten SPD-Ortsvorsitzenden ist sich lediglich Thomas Weiß sicher: "Ja", sagt der Grafenwöhrer . Unter den 94 Mitgliedern des Ortsvereins sei das Verlangen nach einer neuen Groko nach der Wahl eher klein gewesen." Diese habe sich geändert. "Was wäre denn die Alternative?", fragt Weiß. Und nachdem nun der Kompromissvorschlag auf dem Tisch liegt, könne er auch aus Überzeugung zustimmen. Der größte Verhandlungserfolg sei, dass die SPD das Finanzministerium besetzt. Weiß ist von einem Finanzminister Olaf Scholz überzeugt. "Die SPD gewinnt Einfluss auf Investitionen für Bildung und Wohnungsbau. Das sind für uns wichtige Punkte." Besser anstellen müsse die SPD sich danach beim Verkauf eigener Erfolge, die habe es auch in den vergangenen vier Jahren gegeben. "Wir haben das nur zu wenig herausgestellt."

Weniger sicher ist Jan Wiltsch: "Natürlich sind in dem Papier viele unserer Forderungen erfüllt, aber viele andere eben auch nicht." Deshalb weiß der Vorsitzende des Ortsvereins Kirchenthumbach nicht, wie die Abstimmung laufen wird, weder für sich persönlich, noch im Ortsverein. 20 Mitglieder hat die SPD in Kirchenthumbach, etwa die Hälfte sei aktiv. "Wir werden uns noch einmal zusammensetzen und den Kompromissvorschlag durchsprechen." Nicht um die Meinung zu lenken, wie Wiltsch sagt. Es geht darum zu klären, was der Kompromiss tatsächlich beinhaltet. "Nicht jede Formulierung ist einfach zu verstehen." Zudem habe die SPD-Führung den Mitgliedern bereits im Laufe des Mittwochs "eine E-Mail-Flut" beschert, es werde massiv um Zustimmung geworben. "Die Argumente werden wir uns gemeinsam anschauen und dann soll jeder seine Schlüsse ziehen."

Ähnlich wird es im Ortsverein Neustadt am Kulm/Vorbach laufen, sagt die Vorsitzende Silvia Szydlik. "Natürlich werden wir das Ergebnis nochmals durchsprechen." Auch sie weiß noch nicht sicher, wie ihre persönliche Entscheidung ausfällt. Dass eine Wahl aus voller Überzeugung wird, glaubt sie nicht. "Wir können es doch nur so oder so falsch machen." Die Große Koalition sei abgewählt, besonders die SPD habe der Wähler im September für ihre Regierungsrolle abgestraft. "Aber wenn die Groko platzt wird es auch uns angelastet", sagt Szydlik. Man kann fast hören, wie Für und Wider in ihr arbeiten. "Letztlich können wir nicht anders, als mitzumachen."

Sieht das aber auch die Mehrheit der Mitglieder so? Für Unsicherheit sorgt die Eintrittswelle, von der die Partei in den vergangen Wochen berichtet. Szydlik hat diese wie auch Kirchenthumbachs Vorsitzender Jan Wiltsch nur in den Medien erlebt. In den Ortsvereinen ist die Mitgliederzahl unverändert, in Neustadt am Kulm liegt sie bei 28. "Ich glaube, es sind vor allem Menschen eingetrten, die die Große Koalition verhinden wollen." Dennoch verteidigt die Ortsvorsitzende die Mitgliederabstimmung: Diese halte die Partei zusammen, weil eben niemand sagen kann, er wäre nicht gefragt worden.

Wir können es doch nur so oder so falsch machen.Silvia Szydlik, Vorsitzende im SPD-Ortsverein Neustadt am Kulm/Vorbach
Was wäre denn die Alternative?Grafenwöhrs SPD-Vorsitzender Thomas Weiß zur Großen Koalition
Natürlich sind in dem Papier viele unserer Forderungen erfüllt, aber viele andere eben auch nicht.Kirchenthumbachs Ortsvorsitzender Jan Wiltsch zum Groko-Kompromiss
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