04.01.2018 - 15:08 Uhr
Oberpfalz

Interview mit Islamexperte Andreas Wilde - Vortrag am 1. Februar im Eschenbacher Malzhaus VHS macht den Iran zum Thema

Die VHS beweist ein gutes Händchen: Ursprünglich hatten die Verantwortlichen den Islamwissenschaftler Dr. Andreas Wilde zu einem Vortrag über Afghanistan eingeladen. "Erst per Mail erhielt ich dann die Anfrage, ob ich auch über den Iran sprechen kann", erklärt der 41-Jährige, der an der Uni Bamberg beschäftigt ist. Weil er zusagte und sich im Iran zum Jahreswechsel eine Protestbewegung formierte, bietet die Volkshochschule am 1. Februar nun einen Vortrag mit viel weltpolitischer Aktualität. Was die Besucher an diesem Abend ab 19 Uhr im Malzhaus erwartet, und wie er die Geschehnisse im Iran bewertet, erzählt Wilde im Interview.

Andreas Wilde spricht am 1. Februar im Eschenbacher Malzhaus über Fluchtursachen im Iran. Bild: exb
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Herr Wilde, waren Sie über die jüngsten Proteste im Iran überrascht?

Wilde: Ich war sogar sehr überrascht, die Proteste kamen für mich aus heiterem Himmel. Die Gründe, die für die Demonstrationen angeführt werden, sind ja nicht neu. Hohe Preise, schlechte wirtschaftliche Lage, damit leben viele Menschen dort seit Jahren, ohne zu protestieren.

Gibt es aus Ihrer Sicht andere Gründe für die Proteste?

Es gibt viele Gerüchte. Eines besagt zum Beispiel, dass einige Konservative innerhalb der iranischen Führung die Aufstände anheizen, um den Reformern um Präsident Hassan Rohani zu schaden. Ein anderes Gerücht besagt sogar, dass eine konservative Stiftung die Proteste mitfinanziert.

Was halten Sie von solchen Erklärungen?

Ich kann mir das nicht wirklich vorstellen. Vermutlich ist es wahrscheinlicher, dass der andauernde Ärger über die wirtschaftliche Lage die Proteste auslöste.

Wie informieren Sie sich derzeit über die Geschehnisse im Land?

Ich war zuletzt vor anderthalb Jahren dort, betrachte das Land also eher von außen. Ich tausche mich mit iranischen Freunden und Kollegen aus. Dazu kommen iranische Radiosender und die persischen Angebote der großen Rundfunkanstalten wie BBC Persian oder die Deutsche Welle. Auch die ARD-Korrespondentin Natalie Amiri liefert gute Beiträge.

Glauben Sie, dass die Proteste dem Regime gefährlich werden können?

Eine Prognose ist schwer, aber ich kann es mir nicht vorstellen, dass die Proteste das Potenzial haben, etwas zu ändern. Es gibt zwar auch innerhalb des Machtapparats Dissens, zum Beispiel über das Atomabkommen. Das ist auch im Iran umstritten. Insgesamt ist das System aber in sich sehr gefestigt.

Wird sich Ihr Vortrag in Eschenbach durch die Vorgänge ändern?

Man muss sehen, was sich entwickelt. Vermutlich werde ich die Vorgänge ansprechen, aber das grundsätzliche Thema ändert sich nicht. Es geht um die Frage, weshalb Menschen aus dem Land fliehen.

Können Sie kurz sagen, welche Gründe es hierfür gibt?

Es gibt vor allem zwei Gruppen, dies es im Land schwer haben: Regimegegner und religiöse Minderheiten wie die Bahai. Allerdings habe ich etwas Bauchschmerzen, wenn der Iran auf das unterdrückende "Mullah-Regime" reduziert wird.

Was meinen Sie damit?

Das Land ist vielschichtig. Bei meinen Reisen habe ich zum Beispiel nur gute Erfahrungen gemacht. Ich musste nie über Religion sprechen, nie wollte mich jemand bekehren. Das ist in arabischen Ländern anders. Das gilt auch für Kritik an der Regierung. Die Menschen sprechen die wirtschaftlichen Probleme offen an, ohne Angst vor dem Geheimdienst. Auch das Engagement in Syrien wird offen kritisiert. Frauen sind sicher benachteiligt, aber doch besser integriert als in arabischen Ländern. Es ist normal, dass sie zum Beispiel als Ingenieur arbeiten. In Saudi Arabien ist so etwas undenkbar.

Zum Schluss: Wie kamen Sie dazu, Iranistik und Arabistik zu studieren?

Ich war als Kind schon total versessen auf fremde Länder. Um ehrlich zu sein, habe ich mein Studium so gewählt, dass ich viel reisen konnte. Schon als Student war ich vier Monate in Syrien, je ein halbes Jahr in Afghanistan und im Iran.

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