10.08.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Stammtischgespräch der CSU/ÜCW Auf dem Trockenen

Der Einzelhandel auf dem Land ist im radikalen Wandel. Auch in Eschenbach machen Traditionsgeschäfte zu. Meist sind es Familienbetriebe, die mit dem Konkurrenzkampf der Discounter nicht mithalten können. Auch der Online-Einkauf macht den Geschäften zu schaffen. Was tun?

Weitere Spielgeräte im Rußweiher-Freibad aber unzureichende Öffnungszeiten, kein Wasser für den Duschpilz, den roten Rutschelefanten und die Fontäne: Im Freibad fehlt die Balance, meinten die Versammlungsteilnehmer einer CSU/ÜCW-Diskussionsrunde. Die Wassernot im Rußweiher sei auf ein Organisationsdefizit zurückzuführen, hieß es, nachdem es auch in den vergangenen Jahren am Rußweiher immer wieder mehr heiße Luft als Wasser gab. Bild: do
von Robert DotzauerProfil

Für die CSU/ÜCW-Stadtratsfraktion ein Teufelskreis. Mit der Konkurrenz, die alles unter einem Dach bietet, können wir nicht mithalten, sagen die einen mit Blick auf die Supermarktketten. Die Anderen stöhnen über die Angebotsvielfalt im Online-Handel. "Im Geschäft vor Ort erklären lassen und dann im Internet bestellen."

Im Stammtischgespräch der CSU/ÜCW-Fraktion, das sich in der überfüllten Kegelbahn Porsch im Pfarrheim zu einer starken Diskussionsrunde über die Zukunft des Einzelhandels ausweitete, hieß das Rezept, verbunden mit einem Appell an die Bevölkerung: "Kauft am Ort ein". "Oft weiß der Kunde gar nicht, was es in der Stadt so alles gibt", bemerkte Fraktionssprecher Marcus Gradl.

"Tote Hose im Zentrum"

Einig war sich die Versammlung, nicht nur über Geschäftsschließungen und Umsatzrückgänge zu jammern. "Viele potenzielle Kunden stöhnen über die tote Hose im Zentrum und kaufen dann auswärts ein." Reinhard Wiesent fasste diese Entwicklung in die alte Bauernweisheit: "Wennst merkst, dass du auf einem toten Pferd sitzt, musst du absteigen." Neue Wege in der Innenstadtentwicklung seien deshalb erforderlich. Schnell war der Slogan geboren: "Kauf daham - dann wachs ma zam."

Diese Überzeugung vertrat auch Hans Ziegler. Der Unternehmer hält mit seinem Elektrogeschäft auf dem Marienplatz die Stellung. Oft sei es nur die Bequemlichkeit, vor dem Computer eine Bestellung aufzugeben. Dabei biete sich wenige Hundert Meter weiter oft die Möglichkeit, fachkundig beraten zu werden und sogar noch preisgünstiger einzukaufen. Der Elektrohändler bezog sich auf einen Bericht in der Fernsehsendung "Quer", in der ein regionaler Internethandel der Weltfirma Amazon die Stirn biete. Hans Ziegler schlug vor, diese Möglichkeit doch einmal im Vierstädtedreieck auszuloten. In der Diskussionsrunde sorgte auch ein weiterer Vorschlag für allgemeine Zustimmung. Überlegenswert seien verminderte Steuersätze für Geschäfte in kriselnden Ortszentren, um damit gegenüber dem Großhandel konkurrenzfähig zu bleiben.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand danach die Frage der verkehrlichen Stadtentwicklung nach der klaren Bürgerentscheidung zur Spange Ost. Notwendig hielten alle Versammlungsteilnehmer Kreisverkehre an der B 470 im Bereich des Industriegebietes und an der Rußweiher-Kreuzung. Zu diesem Sicherheitsaspekt kam auch die Forderung nach einer durchgehenden Geschwindigkeitsbegrenzung und dem Einbau von Flüsterasphalt im Bereich der B470-Ortsdurchfahrt, um den Verkehrslärm zu reduzieren.

Die Stadtratsfraktion forderte in diesem Zusammenhang mehr Aktivitäten aus dem Rathaus. Nach dem Bürgerentscheid die beleidigte Leberwurst zu spielen, bringe die Stadt kein Stückchen weiter. "Das Volk hat entschieden, jetzt gilt es an der Zukunft der Stadt zu arbeiten, statt sich als schlechte Verlierer zu zeigen", appellierte Korbinian Dunzer an die "Regierenden". Als ersten Schritt schlug die Fraktion einen runden Tisch mit Vertretern des Staatlichen Bauamtes und der Politik vor. Bei diesem Gespräch wünscht sich die CSU/ÜCW-Fraktion auch eine Thematisierung von Querungshilfen in der Speinsharter Straße.

Diskussionsbedarf gab es auch zum künftigen Baugebiet östlich des Friedhofes. Nach vielen Jahren des Nichtstuns bestehe nun die Hoffnung, wenigstens im kleinen Umfang Bauland anbieten zu können. Die Berücksichtigung einer Friedhofserweiterung im Bauleitverfahren kritisierten Versammlungsteilnehmer als unsinnig. Im Friedhof gibt es freie Grabplätze für hundert Jahre, hieß es. Zudem favorisiere die Stadt Urnengräber und die zweifelhafte Ausweisung eines Friedwaldes. Deshalb genüge entlang der östlichen Friedhofsmauer ein grüner Sichtschutzstreifen.

Wiederholtes Dilemma

Als Lachnummer wurde in der Debatte der weitere Ankauf von Spielgeräten für das Rußweiher-Freibad betrachtet. 95 Prozent im Jahr sei das Gelände verschlossen. Da sei der Vorschlag von Reinhard Wiesent, die Spielgeräte im ganzjährig nutzbaren Mehrgenerationenpark zu installieren, praktischer.

Im Focus der Kritik stand auch der Wassermangel im Freibad. Weder der Duschpilz, noch die rote Elefantenrutsche seien nutzbar. Die Versammlung vermutete ein Organisationsdefizit, nachdem dieses Dilemma in den vergangenen Jahren wiederholt aufgetreten sei und stufte die unbefriedigende Entwicklung im Freibad als Rathauspolitik der "Pleiten, Pech und Pannen" ein. Spiltter

Splitter

Jahnstraße, Veranstaltungshalle

Eschenbach. (do) Unzufrieden war die Diskussionsrunde auch mit der späten, längst überfälligen Sanierung der Jahnstraße. Die hätte schon vor fast 10 Jahren beginnen können. Nun würden sich die Baukosten und Anliegerbeiträge mehr als verdoppeln, befürchten Anlieger. Zudem wisse die Stadt schon seit einer Kanaluntersuchung, dass wegen des stark beschädigten Hauptkanales viele häusliche Abwässer das Grundwasser gefährden, verwies ein Experte auf untragbare Zustände.

Eine Zwischeninformation gab Korbinian Dunzer zu den Wünschen nach einer neuen Veranstaltungshalle. Derzeit laufe bei der Eschenbacher Vereinswelt eine schriftliche Anfrage über deren Meinungen zu Nutzungswünschen, gab der ÜCW-Stadtrat bekannt. "Wir Initiatoren setzen uns ein realistisches Zeitfenster von drei Jahren zur Verwirklichung des Projekts." Als mögliche Standorte nannte er das ehemalige Bahnhofsgelände und das Gelände zwischen dem neuen Feuerwehrhaus und der B 470.

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