02.03.2018 - 15:10 Uhr

Stille statt Vergnügen Kein Eislauf am Rußweiher

Trotz Dauerfrosts: Für Eschenbachs Bürgermeister Peter Lehr ist die Eisdecke am Rußweiher nicht dick genug, die Tore bleiben zu. Das gefällt nicht allen, andere zeigen Verständnis.

Still und starr: Auf dem Rußweiher ist Eislaufen nicht erlaubt, weil das Eis noch nicht dick genug ist. Nicht allen gefällt diese Entscheidung. Bild: do
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Während die Hüttener sich auf ihr Gaudi-Eisstockturnier am Sonntag freuen und kälteresistente Weiherhammerer schon seit Mitte der Woche über ihren Beckenweiher gleiten, ist es am Rußweiher ruhig, nur hin und wieder kommt ein Bauhofmitarbeiter und misst die Eisdicke. Das Ergebnis wird Schlittschuhläufer und Eisstockschützen nicht freuen: Die Tore am Eingang zum Naturfreibad bleiben auch am Wochenende geschlossen.

"Wie auch in den Radiosendern immer zu hören ist, muss die Eisstärke mindestens 15 Zentimeter betragen, um ein Gewässer zum Schlittschuhlaufen freizugeben. Die Eisdecke am Rußweiher beträgt derzeit 11 Zentimeter, so dass wir den Bereich am Wochenende leider nicht freigeben können", schreibt Bürgermeister Peter Lehr auf Anfrage. Auf ungeteilte Zustimmung seiner Eschenbacher darf das Stadtoberhaupt nicht hoffen. Manch Eschenbacher äußert Unmut über die Vorsicht des Bürgermeisters. "Früher ist es doch auch gegangen." Tatsächlich hatte das Eisvergnügen am Rußweiher Tradition, bis Peter Lehr und die Stadtratsmehrheit im Herbst 2016 beschlossen, den Zugang zum Freibad aus versicherungsrechtlichen Gründen zu schließen, wenn keine Aufsicht gewährleistet ist. Ein Verweis, dass die Gäste den Rußweiher auf eigene Gefahr nutzen, reiche nicht aus, so die Mehrheitsmeinung.

Verständnis zeigt Josef Ott - und zwar für beide Seiten. "Ich bin selbst gerne auf dem Eis", sagt der Vorsitzende der Wasserwacht Eschenbach. Andererseits sei es eben problematisch, wenn die Eisdicke nicht den empfohlenen Wert erreicht. Maßgeblich sind für Ott aber nicht "die Radiosender", sondern das Merkblatt Nummer 2.0/3 des Bayerischen Landesamtes für Umwelt. Im Schreiben aus dem Jahr 2012 befasst sich das Amt mit der "Beurteilung der Tragfähigkeit von Eisdecken".

Das Merkblatt beschreibt detailliert, von welchen physikalischen Faktoren die Belastbarkeit einer Eisfläche abhängt - das Ergebnis ließe sich aber auch anders auslegen, als es Lehr tut: "Bei anhaltender Frostlage können Eisdecken, falls sie auf dem Wasser aufliegen, ab einer Kerneisstärke von ca. 10 Zentimetern für die allgemeine Benutzung durch die Bevölkerung freigegeben werden", schreibt das Landesamt. Allerdings ergänzt das Merkblatt: "Sofern Menschenansammlungen an einzelnen Stellen z. B. bei Getränkebuden oder Imbissstuben zu erwarten sind, sollte die Eisfläche erst dann freigegeben werden, wenn das Kerneis eine Stärke von 15 Zentimetern erreicht hat." Eine Beispielrechnung des Amts zeigt, dass bei einer Eisdicke von 15 Zentimetern auf einer Fläche von 100 mal 500 Metern sich 8300 Menschen gefahrlos aufhalten können. Bei einer Dicke von 10 Zentimetern wären es demnach 5500 Menschen.

Dass Lehr auf Nummer sicher geht, ist für Josef Ott kein Grund zur Kritik. Auch, dass in anderen Orten schon seit Tagen Betrieb auf dem Eis herrscht, ist für den Experten von der Wasserwacht nur bedingt ein Argument. Selbst am Rußweiher sei das Eis nicht überall gleich. Im seichten hinteren Bereich ist die Decke laut Ott dünner, das könne an der Wärme des Bodens liegen. Man müsse sich eben damit abfinden, dass es in Eschenbach in diesem Winter wohl nichts mehr wird mit dem Eislaufen. Am Sonntag sollen bis zu zehn Grad plus den Frühling einläuten.

Die Eisdecke am Rußweiher beträgt derzeit elf Zentimeter, so dass wir den Bereich am Wochenende leider nicht freigeben können.Bürgermeister Peter Lehr

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