22.06.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Umgehungsgegner informieren vor der Abstimmung Gegen die Spange Ost

(do) "Wir haben die besseren Argumente." Marcus Gradl gab sich bei der Abschlusskundgebung der Bürgerinitiative "Pro Eschenbach" selbstbewusst. Die meisten Besucher dankten mit Beifall, als er feststellte: "Die Weiterentwicklung der Stadt hängt nicht von der Spange Ost ab".

Das Thema der "Spange Ost" bewegt. Bei der Kundgebung des Aktionsbündnisses "Pro Eschenbach" mit Sprecher Marcus Gradl (recht) gab es im Gasthof Burger ein volles Haus und Applaus. Bild: do
von Robert DotzauerProfil

Erwartungsgemäß lehnte das Aktionsbündnis "Pro Eschenbach" in seiner Versammlung am Mittwochabend im Gasthof Burger den Straßenbau kategorisch ab. Zwar zeigte Gradl für die Anlieger der Grafenwöhrer Straße Verständnis. "Wer sich belästigt fühlt, ist für die Straße. Aber objektiv ist die Umgehung ein Unding". In der sachlichen Veranstaltung ließ der Redner Emotionen nicht zu. Beginnende "Hitzewallungen" konterte er mit dem Appell: "Ruhe bewahren, das kriegen wir hin". Wir wollen keine Polterer sein, sondern die Interessen der Eschenbacher vertreten.

Auf über 40 Power-Point-Folien präsentierte der CSU-Stadtrat seine Argumentationslinie. Im Stadtrat durfte er den Vortrag nicht abhalten, weil sich die Mehrheit der Ratsmitglieder dagegen ausgesprochen hatte. Gradl bedauerte mit einem Blick auf die Anfänge der Bürgerbewegung die mangelnde Dialogbereitschaft des Bürgermeisters und widersprüchliche Aussagen. "Unerträglich" nannte er "taktische Manöver" und "Irreführungen aus dem Rathaus". Erst die Präsentation durch die Vertreter des Staatlichen Bauamtes vor einigen Tagen habe die Tragweite aufgezeigt. Dazu zählte Gradl den massiven Eingriffen in die Landschaft und den Finanzierungsanteil von bis zu drei Millionen Euro für die Stadt. "Bei der verhältnismäßig geringen Entlastungsfunktion ist diese Ost-Umgehung verkehrstechnisch wie finanziell nicht gerechtfertigt."

Gradl verwies zudem auf den Lärm und neue Ausgaben für Lärmschutz, die Vernichtung stadtnaher Natur, die umständliche Anbindung der landwirtschaftlichen Flächen, sinkende Einwohnerzahlen und deshalb falsche Verkehrsprognosen. Auch das Argument von Neuansiedlung an der Umgehung ließ Gradl nicht gelten. Derzeit weise die Stadt ein neues Zehn-Hektar-Gewerbegebiet in Fortsetzung des Industriegebiets aus, Erweiterung nicht ausgeschlossen. Auch künftige Verkehrsströme zog Gradl in Zweifel. Tatsache sei, dass die Pressather Straße mit einer Zunahme des Verkehrs in und aus Speinshart/Kemnath rechnen müsse.

"Unehrlich" seien "taktische Manöver" aus dem Rathaus. Von Bürgermeister Peter Lehr zunächst ohne Beschlüsse des Stadtrates auf Eis gelegt, sei das Projekt plötzlich wieder auf die Agenda gelangt, mit einer Verdreifachung der Kosten. Bis zur Baureife in fünf Jahren sei bei den galoppierenden Baupreisen mit einem Eigenanteil der Stadt von drei Millionen Euro auszugehen, rechnete Gradl vor. Geld, das für die Sanierung maroder Straßen, für soziale Projekte, zur Verbesserung der Verhältnisse an der B-470-Ortsdurchfahrt und in weiche Infrastrukturprojekte besser angelegt sei.

In diesem Zusammenhang gab es aus der Versammlung Forderungen nach Kreisverkehren an "Schloderer-" und an Rußweiher-Kreuzung der B 470 mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung zwischen den Knotenpunkten. Neben Schallschutzforderungen auch ein Anliegen der SPD, wie Stadtrat Udo Müller unter Hinweis auf einen Ortstermin mit Martin Burkert, Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Bundestages, bemerkte. Müller wies auch darauf hin, dass das Staatliche Bauamt gegen Kreisverkehre und weitere Geschwindigkeitsbeschränkungen auf der Bundesstraße ist.

Ein Anliegen war dem BI-Sprecher auch die Sorge um eine Verödung der Innenstadt. "Es leidet der Einzelhandel", urteilte Gradl. Damit verbunden sei eine dramatische Entwicklung der Leerstände. Von diesem Problem berichtete auch Franz Koppe. "Wir haben für den Diska-Markt trotz intensiver Bemühungen keinen Interessenten." Mit Blick auf Handel, Gewerbe und demografische Entwicklung rückte ein weiteres Thema in den Fokus: Gerhard Prösl bezeichnete die Stadtentwicklung als besorgniserregend. "Mit Eschenbach geht es schleichend abwärts." Das beweise die Einwohnerentwicklung, ergänzte Gradl und wies auf die Einwohnerzahlen. Nur die gute Belegung der Seniorenzentren schöne die Statistik. Die Jugend ziehe in attraktive Nachbargemeinden.

Kein gutes Haar an der Spange Ost ließ auch Reinhard Wiesent. Der Landwirt, Stadtrat und Co-Sprecher des Aktionsbündnisses kritisierte Drohungen der Trassenbefürworter, notfalls die Grundstückseigentümer zu enteignen. Zudem warnte er vor noch nicht angesprochenen Problemen. Deshalb plädierte er für "intelligentere Lösungsansätze zur Stadtentwicklung". Die Verwirklichung der Ostumgehung verschwende Ressourcen. Deshalb erfülle das wenig durchdachte Projekt alle Merkmale einer Fehlplanung und führe ins "Guinnessbuch kommunaler Schildbürgerstreiche". Gradl schloss die Versammlung mit einem Appell; Die Eschenbacher sollen "Ja" ankreuzen und sich für eine zukunftsgewandte Stadtentwicklung entscheiden.

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