09.02.2018 - 20:00 Uhr

40. Ausgabe von "Heimat Eschenbach": Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl hält Festrede beim ... Heimat ist groß in Mode

"Heimatpflege bedeutet bewahren, erhalten, erforschen und vermitteln." Ein Musterbeispiel an verdienstvollem Arbeiten in diesem Sinn sieht Tobias Appl im Heimatverein. Sein Großvater ist den Eschen-bachern noch als zweiter Bürgermeister und Leiter der Straßenmeisterei während der Amtszeit von Walter Ficker bekannt. Enkel Tobias kehrt als Bezirksheimatpfleger an dessen Wirkungsstätte zurück.

"Ein wunderbares Museum": Bezirksheimatpfleger Tobias Appl sprach "Taubnschuster" und Heimatverein großes Lob aus. Bild: rn
von Walther HermannProfil

Appl zeigte sich dabei begeistert vom neuen "Taubnschuster" als einer Stätte von "Museum, Kulturhof und Zoigl". Vor Repräsentanten von Kommunalpolitik, Heimatforschung und -gestaltung hielt er im Saal des Kulturzentrums die Festrede anlässlich der Präsentation der 40. Ausgabe der Publikation "Heimat Eschenbach".

"Der Begriff Heimat und alles Drumherum erlebt eine Renaissance und wurde geradezu zu einem Modebegriff", resümierte der Redner, der mit Ehefrau und Vater dem Haus die Ehre gab, in seinen Betrachtungen zur "Heimatpflege in der Oberpfalz". Der Gast aus Regensburg ging zunächst der Frage nach, woher dies kommt. Er sprach von einem zunehmenden weltweiten Vernetztsein, das ein Suchen nach den Wurzeln des näheren Umfeldes mit sich bringt. Dies führe zu einer regionalen Besinnung, erklärte Appl. "Heimat kann exklusiv sein und viele Menschen einen", räumte er ein. Die Ursache dafür erkannte der Bezirksheimatpfleger in prägenden Natur- und Kulturräumen, die als Ganzes betrachtet werden und um die man sich kümmert. Mit Blick auf Energiewende und Flächenfraß forderte er "Ausgeglichenheit und Engagement" mit dem Ziel, das kulturelle Erbe zu hegen und zu pflegen.

In Zeiten von Industrialisierung und Umstrukturierungen in der Landwirtschaft gebrauchte er den Begriff "Heimatschutz", der zur zunehmenden Übergabe alter Gegenstände an Museen geführt habe. Für ebenso wichtig hielt er jedoch das Dokumentieren und Beschreiben sowie das Vermitteln von Hintergrundwissen. Den Eschenbachern bescheinigte der Referent, mit der Serie "Heimat Eschenbach" ein Musterbeispiel historischer Bewusstseinspflege erbracht zu haben.

Der "manifestierte Begriff Bezirksheimatpfleger" ist für Appl ein bisheriges Alleinstellungsmerkmal für Bayern. Er befasste sich mit sensiblen Aufgabenbereichen wie Bräuche, Trachten, Orts- und Landeskunde, die massiv zur Identitätsentwicklung beitrügen und aus dem kulturellen Geschehen nicht wegzudenken seien. Zur Heimatpflege zählte er aber auch Dialekt und typische Bauwerke. Mit Hinweisen darauf, dass Heimatpflege auch die Möglichkeit zur Integration geben müsse, empfahl er, "nicht zu exklusiv" zu sein. "Kultur darf nicht nur in Metropolen stattfinden!" Mit dieser Forderung machte sich der Gast stark für ein kulturelles Leben auf Augenhöhe, das auch regionale Angebote machen müsse.

Mit dem Zeigen des ersten Heftes "Heimat Eschenbach" aus dem Jahr 1978 - zur 200-Jahr-Feier der Maria-Hilf-Bergkirche - wandte sich Tobias Appl dem Anlass der kleinen Festlichkeit zu. Damals sei der Begriff Heimat "noch nicht so hoch" angesetzt worden wie heute. "Aus gerade zaghaftem Beginn ist etwas Großes geworden", resümierte der Bezirksheimatpfleger. Er bescheinigte dem Heimatverein, "mit dem wunderbaren Museum Taubnschuster alle Facetten der Heimatpflege abzudecken". Diese sei der "Schlüssel für ein gelungenes Wir". Denn: "Wir brauchen solche Orte der Kommunikation."

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