Blick von außen
Ein Syrer und seine Eschenbacher Facebook-Foto-Seite

Eiad Kherit am Rußweiher

"Eschenbach Fotografie" heißt die Facebook-Seite, sie zeigt Bilder der Rußweiherstadt, knapp 200 Nutzer haben sie mit "Gefällt mir" markiert. Besonders macht das Projekt der Kopf dahinter. Ein Flüchtling aus Syrien zeigt dort, wie er die neue Heimat sieht.

Bilder vom Rußweiher, von Kaffee, Zigaretten und immer wieder vom Stadtberg zeigt "Eschenbach Fotografie". Nicht bei allen Aufnahmen erschließt sich einem Oberpfälzer sofort, wieso sie den Weg auf die Plattform geschafft haben. Das mag daran liegen, dass der Fotograf mit anderen Augen auf Eschenbach blickt: Die Seite betreibt Eiad Kherit. Der Syrer kam vor zwei Jahren in die Oberpfalz.

Eine Ausrüstung habe er nie besessen, fotografieren war aber schon Teil seines alten Lebens, sagt Kherit. Dieses spielte in Deir ez-Zor, einer 300 000-Einwohner-Stadt im Osten Syriens. Nach der Schule arbeitete er dort für eine Öl-Firma und als Gas-Wasser-Installateur. Von 2013 bis 2015 lebte Kherit in Jordanien, verdiente sein Geld als Verkäufer bei H&M. Im März 2015 verließ er endgültig die Heimat, in der damals der Islamische Staat das Sagen hatte. Über die Balkanroute gelangte Kherit nach Deutschland, über Amberg nach Eschenbach.

Schon aus der Zeit der Flucht finden sich auf Kherits privatem Facebook-Profil Bilder. Die Handy-Fotos sagen mehr über diese Zeit als er selbst. Die Helfer vom Arbeitskreis Asyl bescheinigen ihm ein ruhiges Wesen, zurückhaltend, fast schüchtern sei er. Auf seinen Bildern sind selten Menschen zu sehen, er spricht ungern Fremde an. Und ohne Einverständnis wolle er niemand fotografieren. "Eiad ist sehr höflich", benennt Flüchtlingshelfer Fritz Betzl einen weiteren Charakterzug.

Menschen kennenlernen möchte Eiad Kherit schon. Deshalb freut er sich über Reaktionen auf seine Bilder. Tatsächlich gebe es regelmäßig Rückmeldungen von Bekannten, aber auch Unbekannten aus Eschenbach und der Region. Vor allem fotografiere er, weil ihm Stadt und Gegend wegen ihrer Ruhe und Ordnung gefallen. Obwohl in einer Großstadt aufgewachsen, wolle er in Eschenbach bleiben. Sein Traum: Wohnung und Arbeit finden. Danach sucht er seit seiner Anerkennung als Flüchtling vor einem Jahr.

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Weitere Bilder:

www.facebook.com/Eschenbach.Fotografie
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