17.12.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Boder, Knast und Donnerhall

Kein Donnerhall erschütterte die Grundfesten des Taubnschusters. Karlheinz Keck und Bern Thurn strapazierten nur die Lachmuskeln eines begeisterten Zuhörerkreises, als sie sich Eschenbacher G'schichten aus vergangenen Jahrhunderten widmeten.

Karlheinz Keck und Bernd Thurn boten eine heitere und begeisternde Lesung. Bild: rn
von Walther HermannProfil

Gesammelt sind sie in der neuesten Publikation des Heimatvereins. Sie trägt den vielversprechenden Namen "Boder, Knast und Donnerhall". Nach dem vor zwei Jahren erschienenen Werk "Plempl, Bist und Bockl" sind es erneut historische Persönlichkeiten, aber auch einfache Leute und natürlich echte Originale, von denen die neuen G'schichten handeln.

Allein Ankündigungen wie "Der Bierkrieg mit Pappenberg", "Wiederbelebungsversuche zwecklos", "Schnaps ist gut für Cholera", "Der verschlafene Fliegeralarm" oder "Die zwieg'schwanzte Sau - eine Spezialzüchtung" wecken das Interesse des Lesers.

Im Kultursaal des Taubnschusters hatte sich ein interessierter Kreis von Zuhörern eingefunden, die den beiden Autoren Aufmerksamkeit widmeten. Zustimmung fanden auch die "nostalgischen" Stühle des Saales, die bereits einen optischen Leckerbissen darstellen. Das Auditorium erfuhr von den "Furzgeräuschen" des Posaunenschülers Robert Dotzauer bei Fred Schuhmann, amüsierte sich über die humorvollen Zitate des Schulleiters, Schreiners und Musikers Leopold Kies und konnte ein Lachen nicht verkneifen über das nächtliche Weltverständnis des Fischmeisters Josef Mischke. Sie erfuhren auch, wie der Schreml-Boder durch Spiegel-Blinkzeichen aus dem Wirtshaus in sein Frisörgeschäft gerufen wurde und wie im 19. Jahrhundert auf dem Meierhof in Haselhof ausreichend Schnaps gegen die Cholera wirkte.

Geradezu menschliche Anflüge hatten die G'schichteln über einen Kaplan, der die Morgenmesse verschlief und zum Versehgang mit Hosenträgern erschien, oder über den "Richter Donnerhall", der sich bei heißen Sommertagen eine Schüssel mit kaltem Wasser unter den Richterstuhl stellen ließ. Schlagfertigkeit bewiesen Vorfahren, die nach dem Fall in einen Kellerschacht von der Wurstsuppn in der Milchkanne "nix verschütt" hatten oder wegen einer "Delln im Krouch" zum Eichamt wollten, um feststellen zu lassen, "um weiviel du mi scho im Laufe der Zeit b'schissn houst".

Die vielen G'schichten, die Keck und Thurn wohlakzentuiert vortrugen, ließen den Besuch beim Taubnschuster zu einem kurzweiligen, heiteren Abend werden. Die passende Begleitmusik dazu kam von Ernst Bitterer und Wolfgang Popp mit Akkordeon, Klarinette und Saxophon. Das mehr als 100-seitige reich bebilderte Buch ist als ideales Weihnachtsgeschenk zum Preis von 14,80 Euro in der Stadtapotheke und beim Taubnschuster erhältlich. Auch vom ersten Band "Plempl, Bist und Bockl" sind noch Restbestände vorhanden. Das Taubnschusterhaus ist in diesem Jahr nur noch am 27. Dezember von 15 bis 17 Uhr geöffnet.

Das neue Jahr beginnt der Heimatverein am 5. Januar mit dem "Stärk' antrinken". Einen kulturellen Leckerbissen kündigte Keck für den 3. März an. Im Kultursaal beim Taubnschuster gastieren die "Original Bauernsfünfer" mit ihrem Musikkabarett auf Oberpfälzisch. Eintrittskarten zu zwölf Euro gibt's in der Stadtapotheke.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.