17.08.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Die unerterschätzte Gefahr

Die Verkehrssicherheitsaktion "Bayern mobil - sicher ans Ziel" machte Station in Eschenbach. Der Leiter der Polizeiinspektion nahm den Aktionstag zum Anlass, um die "Ablenkung als unterschätzte Gefahr" zu thematisieren.

Polizeioberkommissar Christian Simon (von links), Wolfgang Busch, dritter Bürgermeister Klaus Lehl und Horst Rozinski von der Verkehrswacht sowie zweiter Bürgermeister Karl Lorenz (von rechts), PI-Chef Werner Stopfer, Roland Wiesent von der Stadt Eschenbach und Hans Bscherer von der Verkehrswacht klärten Passanten über Verkehrssicherheit auf. Bild: rn
von Walther HermannProfil

Mit einem Informationsstand an der Sparkasse wandte sich die Polizeiinspektion (PI) an die Öffentlichkeit, informierte Passanten und stellte sich deren Fragen. An der Eröffnungszeremonie beteiligten sich Vertreter der PI, der Stadt, der Sparkasse und der Gebietsverkehrswacht. Ihnen allen war es ein Bestreben, Bürgern im Zentrum der Stadt Risiken und Gefahren im Straßenverkehr aufzuzeigen und auf Verhaltensweisen zu drängen, die der persönlichen Sicherheit dienen.

Eine Sekunde gleich 15 Meter

PI-Chef Werner Stopfer befasste sich mit den unerfreulichen Ergebnissen einer Erhebung des Allianz-Zentrums für Technik. Demnach benutzt knapp die Hälfte aller Autofahrer ihr Mobiltelefon während der Fahrt, 15 Prozent der Smartphonenutzer schreiben und beziehungsweise 24 Prozent lesen Textnachrichten am Steuer, knapp 40 Prozent aller Fahrer bedienen ihr Navigationssystem beim Fahren und die Hälfte der Befragten sucht etwas oder bückt sich beim Fahren, um Gegenständen aufzuheben. Für nicht verantwortungsvoll hielt er es, dass die Hälfte der Fahrer auch beim Lenken isst oder trinkt und sich zwei Drittel beim Fahren mit der Wegesuche befassen. Die Nutzung des Mobiltelefons während des Fahrens war für ihn ein "großes Thema". Allein innerorts bedeute eine Verzögerung der Reaktion um eine Sekunde eine Fahrstrecke von 15 Meter. Nicht kalkulierbar seien Folgen, wenn in dieser Zeit Personen zwischen parkenden Autos hervortreten.

Deutlich wurde Stopfer mit Aussagen wie: "Am Steuer von Kraftfahrzeugen ist bereits der Griff zum Handy, auch zum Lesen oder Schreiben von Kurzmitteilungen, gesetzlich verboten. Kraftfahrer riskieren ein Bußgeld von 60 Euro sowie einen Punkt in Flensburg. Kommt es durch ein solches Fehlverhalten zu einem Unfall, kann die Kaskoversicherung die Übernahme der Schäden verweigern." Der PI-Chef verwies auch darauf, dass für telefonierende Radfahrer ein Bußgeld von 25 Euro vorgesehen ist.

Zufrieden zeigte er sich mit den Ergebnissen der Unfallstatistik 2016. In ihr sind im Vergleich zum Vorjahr die Verkehrsunfälle von 900 auf 841, die Verletzten von 146 auf 112, die Alkoholunfälle von 15 auf 9 und die Unfallfluchten von 114 auf 93 zurückgegangen. Fehlanzeige meldete er zu Verkehrstoten. Leider seien im laufenden Jahr bereits zwei Verkehrstote zu beklagen. Nähere Angaben waren aus der Gesamtstatistik 2016 zu entnehmen, die Polizeioberkommissar (POK) Christian Simon am Info-Stand anbrachte. Sie enthielt für Eschenbach 140 Verkehrsunfälle, davon 90 Kleinfälle, 40 schwerwiegende Unfälle, 2 Alkoholunfälle und 27 Fahrerfluchten. Während die Gurtverstöße in der Gesamtstatistik um 33,7 Prozent abgenommen haben, nahmen die Handy-Verstöße um 48 Prozent zu.

Den Info-Stand hatte die Stadt zur Verfügung gestellt. "Wir sind bei derartigen Aktionen gerne dabei", versicherte zweiter Bürgermeister Karl Lorenz. Er räumte ein, dass die Geschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde am Stadtplatz einen "gewissen Ärger" mit sich nbringt, sich jedoch die Vorgabe "bei der Bevölkerung allmählich verfestigt hat".

Sicher ans Ziel kommen

Ein Plädoyer in Sachen Sicherheit bei stets zunehmendem Verkehr kam von Hans Bscherer. Der Vorsitzende der Gebietsverkehrswacht erinnerte an die Vorarbeiten zur Geschwindigkeitsbegrenzung 80/60 Kilometern pro Stunde beim Rußweiher und bedankte sich bei Simon für dessen Unterstützung beim praktischen Teil der Radfahrausbildung für Schüler. Ohne dessen Mithilfe "hätten zwei Drittel der Schüler keine Radlerausbildung". Stark machte er sich für das "Fahren ab 17" und sah darin die Möglichkeit zur Verbesserung der Fahrpraxis junger Fahrzeuglenker.

"Alle Jahre präsentiert sich die Polizei vor unserer Sparkasse", freute sich Filialdirektor Wolfgang Busch. "Wir sind gerne dabei", versicherte er unter Hinweis auf das große Gewinnspiel zur Aktion "Bayern mobil - sicher ans Ziel", für das die Sparkassen unter anderem zehn Sparbücher mit einer Einlage von jeweils 1000 Euro zur Verfügung stellen. Auch er rief die Verkehrsteilnehmer dazu auf: "Bleiben Sie immer voll bei der Sache, damit Sie sicher an Ihr Ziel kommen." Keine Geschenke, aber Faltblätter zum Thema Verkehrssicherheit verteilte Christian Simon an Passanten.

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