02.03.2018 - 13:31 Uhr

Disco-Serie: Erinnerung an Disco "Fledermühle" in Eschenbach Dorfkind-Momente

Einmal in einem Sarg liegen – das wäre was! Zumindest für Elisabeth Neubauer. Sie wünscht sich nichts mehr, als endlich mal Faschingsleiche sein zu dürfen. Und wenn sich der Wunsch nicht in der Disco „Fledermühle“ erfüllt, wo dann?

von Marion Espach Kontakt Profil

Es war Neubauers größter Traum, beim Faschingseingraben selbst mal in der Totenkiste liegen zu können. „Das hab’ ich der damaligen Besitzerin oft gesagt“, erinnert sich die heute 49-Jährige. Anscheinend oft genug, dass es nicht in Vergessenheit geriet: Beim letzten Fasching, der in der alten Kneipe gefeiert wurde, durfte sie endlich hineinsteigen. Für die Kirchenthumbacherin war es ein unvergessliches und gleichzeitig schlimmes Erlebnis. „Es war grausam und eklig. Jeder hat mir seine Bier- und Schnapsreste ins Gesicht geschüttet“, erzählt Neubauer. Ob sie das vorher nicht wusste? „Doch. Aber mei, so war ich damals halt drauf“, sagt sie und lacht.

Mit 15 Jahren durfte sie zum ersten Mal mit ihren Freunden in die Eschenbacher Disco. Zuerst nur nachmittags, später auch am Wochenende. „Unsere Eltern haben uns immer hingefahren.“ Oder besser gesagt, sie mussten. Ein Wochenende ohne „Fledermühle“ wäre für die Jugendlichen nicht in Frage gekommen. „Wir waren wie eine große Familie. Jeder kannte jeden“, erinnert sich die 49-Jährige. Klar, dass sie da nicht fehlen durfte. Wer sich noch nicht kannte, lernte sich eben kennen. So wie Neubauer und ihr damaliger Ehemann. „Auch viele andere sind dort zusammengekommen.“ Schon nach dem Zweiten Weltkrieg war das Lokal ein beliebter Treffpunkt für Eschenbacher und Gäste aus der Umgebung. Das hat sich auch Jahre später nicht geändert. Im Gegenteil: „In der ,Fledermühle’ war es immer voll“, bestätigt Heinz List, der in den 90er Jahren dort hinterm Tresen stand.

Bananen-Weizen-Gemisch

Während manche nur ein paar vergnügliche Abende in der „Fledermühle“ verbrachten, erlebte Neubauer hier „die beste Zeit ihres Lebens“. An die sechs Jahre, in denen sie zu „We will rock you“ tanzte, bei Dreher und Disco-Foxx über die Tanzfläche wirbelte und unzählige Partys mit Freunden feierte, erinnert sie sich heute noch gern. Was sie ebenfalls nie vergessen wird: Bananen-Bulls, die es nur in der Eschenbacher Kneipe gab. „Das war einfach unser Getränk“, schwärmt sie. Die Mischung hatte es in sich: Weizen, gemischt mit Bananensaft und „noch irgendeinem Zeug“, erinnert sie sich. Giftig grün war es, aber: „Geschmeckt hat’s, und nach einem Glas hast du nichts mehr gebraucht.“

Auch für Margit Stangl aus Trabitz war die „Fledermühle“ wie ein großes Wohnzimmer, die Gäste wie eine Familie. Und genauso wie Elisabeth Neubauer war Stangl noch ein junges Mädchen – 13 oder 14 Jahre alt – als sie zum ersten Mal das Lokal besuchte. Es war ein Sonntagnachmittag und Aufregung pur: „Wir sind heimlich mit dem Rad hingefahren, unsere Eltern wussten nichts davon. Wir waren so aufgeregt!“ Von Haselbrunn aus ging es über einen Feldweg den Fledermühlenberg hinunter – und hinein in etwas Neues. „Ich habe gefühlt, dass eine aufregende Zeit bevorsteht.“ Recht hatte die heute 51-Jährige: Sie erlebte dort ihre erste große Liebe, ihren ersten Kuss, aber auch den ersten Liebeskummer. Dinge, die zum Teenager-Leben gehören.

Wie daheim

In der Kult-Kneipe herrschte eine besondere Atmosphäre. „Familiär, freundschaftlich, einfach wie zu Hause“, erklärt Stangl. Und das wichtigste: Es war immer was los. „Sonntag war immer Bingo-Tag. Das war eine schöne Abwechslung zum Tanzen“, schwärmt die Trabitzerin. Langeweile gab es dank der Schwarz-Weiß-Bälle, Grillpartys und Lagerfeuer-Runden nie.
Aus der Zeit von damals hat Stangl viel mitgenommen. Nicht nur Erinnerungen, sondern auch Freundschaften. „Leute, mit denen ich früher Spaß hatte, kenne ich zum Teil noch heute.“ Eine große Familie, die ein ganzes Leben bleibt. „Das gibt es nur auf dem Land.“ Und nur in der „Fledermühle.“ Genauso, wie einmal im Leben eine Leiche sein zu dürfen.

"Fledermühle" in Zahlen

Schon nach dem Zweiten Weltkrieg war das Gebäude ein beliebter Treffpunkt in Eschenbach, sowohl für Einheimische als auch für Gäste aus der Umgebung.

1975 bis 1980: Türkische Gastarbeiter werden in der späteren „Fledermühle“ untergebracht. April 1980: Der Gaststättenbetrieb wird aufgenommen.

Oktober 1993: Nachdem das Lokal schließt, steht das Gebäude leer und wird schließlich abgemeldet.

2007: Immer mal wieder finden in der „Fledermühle“ Veranstaltungen mit verschiedenen DJs statt.

Dezember 2015: Dem Eschenbacher Stadtrat liegt ein Antrag von Michael Wolfram auf Erweiterung des Edeka-Marktes vor. Die ehemalige Gaststätte muss deshalb neuen Parkplätzen weichen.

Juni 2016: Das Gebäude wird schließlich abgerissen. (esm)

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