16.02.2018 - 17:30 Uhr

Disco-Serie: Erinnerung an "Pumpe" Eine Disco auf Reisen

Ein paar Kumpel, einen alten Bus und ein Plakat - mehr braucht es nicht, um ein Oberpfälzer Wirtshaus im Nordwesten Afrikas bekannt zu machen. Doch was hat den Rohrer-Saal und die spätere Disco "Pumpe" so besonders gemacht?

"The Charlie Daniels Band" besuchte die US-Streifkräfte in Grafenwöhr - und landete in der "Pumpe". Gemeinsam mit Fans machten sie ein Erinnerungsbild davon. Bild: exb
von Marion Espach Kontakt Profil

Karlheinz Keck muss da nicht lange überlegen. "Rockbands, die live auftraten", erklärt der 65-Jährige aus Eschenbach. Zur damaligen Zeit - er war gerade mal 20 - sei das eine Sensation gewesen. "Sonst hat es immer nur klassische Musik gegeben. Für uns Jugendliche war das nicht so prickelnd."

Dass junge Leute musikalisch auf ihre Kosten kamen, hatten sie Anne und Alfons Rohrer zu verdanken. Dem Paar gehörte das Gasthaus "Zum Scherm Karl". Oder, wie Keck es bezeichnet, die "Heimstätte des Rohrer-Saals". In den Jahren 1971 bis 1972 bauten die Wirtsleute an das Lokal einen Tanzsaal an.

Eine gute Entscheidung: War es vorher eine einfache Bierschenke, in der man sich zum Kartenspielen getroffen hatte, war es danach ein Besuchermagnet für Jugendliche aus der Umgebung. "In Eschenbach war ja sonst nichts geboten", so erklärt sich Keck den stets brechend vollen Saal. Jedes Wochenende verwandelte er sich zur Bühne für Bands wie "Going Sounds" und "Locomotion". Viele, aber nicht alle stammten aus Franken. "Rockmusik haben sie aber alle gespielt." Auch Kirchweihen und Faschingsfeiern zogen die Leute an. "Da war immer die Hölle los." Etwa 200 Leute passten in den Raum. Wenn es sein musste, auch mehr.

Alte und neue Freunde

So einfach das Wirtshaus und der Saal eingerichtet waren, so besonders war die Atmosphäre. "Es war immer schön, weil man immer jemanden gekannt hat", erinnert sich der Senior. Oder kennengelernt hat, so wie Keck seine Frau: "Davon reden wir heute noch oft." Was er ebenfalls erwähnenswert findet, sind die Eintrittspreis. "Die waren so niedrig. Für junge Menschen ist das ja wichtig." Genauso wichtig war es für ihn und seine Freunde, schnell zu einer Veranstaltung zu gelangen, ohne lange Fahrerei. "Da war ein Lokal mitten im Ort natürlich perfekt." Zu einer längeren Anfahrt ließen sie sich aber 1972 hinreißen. Abenteuerlustig und mit dem Abitur in der Tasche sollte es nach Marokko gehen. "In einem alten VW-Bus und mit einem Plakat vom Rohrer-Saal", erzählt er.

"Irgendwo in Marrakesch haben wir gehalten, jungen Einheimischen das Plakat in die Hand gedrückt und ein Foto davon gemacht." Nicht für sich, sondern für die Wirtsleute. "Denen haben wir das Bild per Post geschickt, damit sie es aufhängen konnten." Keck erinnert sich gern an die Abende zurück, die er in dem Tanzsaal verbracht hat. Die hat er auch nicht vergessen, als er in den 70er Jahren wegen seines Studiums kaum mehr Zeit dort verbringen konnte. "Es waren immer weniger bekannte Leute dort und auch die Livebands wurden weniger." Irgendwann spricht keiner mehr vom Rohrer-Saal, stattdessen ist der Saal als Disco "Pumpe" in aller Munde.

Die einfache Einrichtung und der Charme des Lokals blieben aber. "Die Stimmung war immer besonders, immer familiär", erinnert sich früherer "Pumpen"-Gänger Martin Schmid (39). Richtig was los war erst ab 12 Uhr nachts und wem die Musik nicht gefiel, war fehl am Platz. "Die war nicht so wie in anderen Discos. Die war besser - und immer eine Spur härter."

Die DJs - zu denen unter anderen Markus Schuller, Bruno Heindl und Dieter Ostermeier gehörten - seien "bewusst alternativ" unterwegs gewesen, "Prodigy" und "Rage against the machine" gehörten zu ihrem Repertoire. "Das hat die Disco ausgemacht", erklärt Schmid. So bunt gemischt wie die DJs war auch das Publikum, in der Regel sei es aber "eigen" gewesen. "So alternativ wie die Musik eben." Was es ebenfalls nur in der Eschenbacher Disco gab: Fränkischen Wein mit 0,2- statt 0,7 Liter-Flaschen.

Ein Ort, zwei Namen

Schmid war etwa 21 Jahre alt, als die Disco schloss. An seinen ersten "Pumpen"-Besuch erinnert er sich aber noch heute. "Das war der Tag unseres Abschlussballs." Seine Schulkameraden und er hätten damit eine Tradition fortgesetzt, die am Eschenbacher Gymnasium üblich war: Nach dem offiziellen Teil des Balls ging es in die Disco, um den Anlass dann noch richtig zu feiern. "So haben das die Klassen vor uns auch gemacht."

Die einen kennen den Kultort als Rohrer-Saal, andere als Disco "Pumpe". Doch egal, wie er geheißen hat, eins verbindet alle, die zu den Gästen gehört haben: eine besondere Stimmung, prägende Begegnungen und durchgefeierte Nächte. Kein Wunder, dass das Oberpfälzer Wirtshaus sogar in Afrika bekannt ist.

Alte Zeiten leben auf

Manches will man nicht gehen lassen. Für manche gehören auch Erinnerungen an durchgefeierte Nächte in der "Pumpe" dazu. Nachdem die Disco im Jahr 2000 geschlossen wurde, startete die Oberbibracher Dorfjugend eine Gegenbewegung: Den "Pumpen-Jam".

"Das ist eine Art Gedenkfeier für das Lokal", erklärt Martin Schmid. Jeweils am Osterstonntag und am ersten Weihnachtsfeiertag - Tage, die das Lokal prägten - luden die Organisatoren zu einer "Pumpen"-Nacht wie früher ein. Das heißt: einige frühere Djs legten auf, es gab 0,2-Liter-Flaschen Wein und ein typisch roter Vorhang zierte den Raum. "Zuerst fand die Jam in der alten Disco statt, später beispielsweise in der SCE-Halle."

Die Veranstaltung schien gut anzukommen, zehn Jahre Erfolgs-Geschichte lügen nicht. Viele Leute zog es an, sowohl die, die im Rohrersaal feierten als auch die "Pumpen"-Gänger. Das macht die Disco nach Schmids Ansicht aus: "Jede Generation findet sich in ihr wieder." (esm)

Rohrersaal und "Pumpe" in Zahlen

1908/09: Die Gastwirtschaft "Zum Scherm Karl" eröffnet.

1951: Alfons Rohrer übernimmt die Wirtschaft von seinem Vater.

1959: Das Lokal wird umgebaut.

1971/72: Die Wirtsleute bauen den Rohrer-Saal an.

Mitte der 70er Jahre: Die Disco "Pumpe" entsteht.

2000: Der Discobetrieb wurde eingestellt.

Ende 2001: Die Oberbibracher Dorfjugend rief zum Gedenken an die Disco den "Pumpen-Jam" ins Leben.

Etwa 60 Personen passten in die Gaststätte, in den Saal rund 200 . (esm)

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.