18.04.2018 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Dr. Hans Losert erläutert regionale Siedlungsgeschichte Reise in Vergangenheit

Keramik, Waffen, Schmuck und auch eine Bratpfanne - alles älter als 1000 Jahre - bereicherten für einen Abend das Museum "Beim Taubnschuster": zum Leidwesen von Karlheinz Keck, dem Vorsitzenden des Heimatvereins, jedoch nur auf Bildern.

Einen spannenden Blick zurück auf die einzelnen Besiedelungsphasen der nördlichen Oberpfalz bot Archäologe Dr. Hans Losert im Museum "Beim Taubnschuster" den Zuhörern. Dabei ging er auch auf die zahlreichen Funde auf den Gräberfeldern im Bereich der Flednitz und am Rauhen Kulm ein. Bild: rn
von Walther HermannProfil

Ins Thüringer Reich, zu Karolingern, Slawen und Ungarn entführte Archäologe Dr. Hans Losert in seinem Vortrag "Siedlungsgeschichte vom frühen bis zum hohen Mittelalter in der nördlichen Oberpfalz" einen großen Kreis von geschichtlich Interessierten.

Er nahm sie mit auf eine Reise zu den einstigen Bewohnern der Oberpfalz, die vor rund 1500 Jahren zum Reich der Thüringer gehörte, aber bald "von den Franken kassiert wurde". Der Referent bedauerte, dass aus dieser Zeit keine Funde vorliegen.

Erst ab Mitte des 6. Jahrhunderts, als Regensburg Sitz bayerischer Herrscher wurde, seien Brandgräberfelder nachgewiesen. Erhaltene Bärenkrallen deuteten darauf hin, dass die Bestattung auf Bärenfellen erfolgte. Waffenfunde in Regensburg-Großprüfening ordnete der Archäologe dem slawischen Kulturbereich zu. Mitte des 7. Jahrhunderts wurde der fränkische Kaufmann Samo erster König der Slawen in Böhmen und Mähren.

Weitere Zeugnisse im Regensburger Raum brachte Losert in Verbindung mit der Gründung der Bistümer Regensburg (739), Würzburg (741) und Eichstätt (745) und der damit verbundenen Missionierung. Slawischen Ursprungs waren für ihn auch die Iffelsdorfer Kapellenäcker mit deponierter Bratpfanne für sogenannte Erinnerungsmahlzeiten.

Die slawischen Siedlungsnamen in Nordbayern wertete der Referent als Beweis für die "stark prägende Wirkung" der Bevölkerung des 7. und 8. Jahrhunderts. Dann konzentrierte er sich auf die nördliche Oberpfalz mit ihren slawischen Gräberfeldern des 8. bis 10. Jahrhunderts bei Wirbenz, Mockersdorf, Barbaraberg und Eichelberg. Die Zuhörer erfuhren von Schmuckringen, die Mädchen beigegeben wurden, und von Schwertern als vornehmste Waffe, die bei Männern gefunden wurde.

Eingehend widmete sich der Archäologe den slawischen Siedlungen im Bereich der Flednitz mit dem Mittelpunkt Rauher Kulm und den dortigen Funden: Perlen, Ringe, Nadeln, Keramik und Glasperlen, die vermutlich aus Byzanz stammen. Auch ein Bleikreuz, eine ungarische Pfeilspitze, eine wikingische Gussform aus Speckstein und Schmuck ungarischen Ursprungs, "den ersten Fund im außer-ungarischen Raum", wurden bei den Ausgrabungen am Rauhen Kulm entdeckt.

Dr. Hans Losert ließ in seinen Vortrag nicht zuletzt Vermutungen über eine große Siedlung in der Flur "Miega" einfließen. Mit einer heimischen Spezialität bedankte sich Karlheinz Keck für den "aufregenden Gang durch mehrere Jahrhunderte".

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