Elektrisierende Stadtratssitzung
E-Zapfsäulen beim Rathaus?

Am 7. Dezember 2011 wurden die Photovoltaikanlagen auf den Dächern von Bauhof und Kläranlage in Betrieb genommen. Bild: rn

"Gut, dass der Dieselskandal gekommen ist." Mit dieser Aussage belebte Hans Urban die jüngste Sitzung des Stadtrats. Er lieferte Hintergrundinformationen zum Antrag der CSU/ÜCW-Fraktion vom 10. September: "Beratung auf Schaffung von E-Tankstellen im Stadtgebiet Eschenbach."

CSU/ÜCW-Fraktionssprecher Marcus Gradl sah in E-Tankstellen nicht nur einen Beitrag zum Umweltschutz, sondern auch eine Möglichkeiten, die Innenstadt attraktiver zu gestalten. Er argumentierte: "Wer auf dem Stadtplatz eine Stunde lang Strom tankt, bleibt zum Nutzen der Geschäftswelt im Stadtzentrum." Ergänzend verwies er auf jüngste Medienmeldungen, wonach die Autoindustrie im Umbruch ist und die deutschen Autohersteller den gemeinsamen Bau von Schnellladestationen für E-Autos planen.

Hans Urban war auf Vermittlung des Pfaffenreuthers Martin Götz aus Oberbayern in die Rußweiherstadt gekommen und sparte nicht mit Komplimenten wie: "Ihr habt einen wunderbaren Stadtplatz, den man hegen sollte." Er warf die Frage auf, ob E-Mobilität gebraucht werde und ließ Schlagworte fallen zu Reichweite von E-Fahrzeugen, höheren Fahrzeugpreisen, intelligenteren Konzepten und wenigen "universellen" Autos. Als Befürworter der E-Mobilität betrachte er deren Auswirkung auf Klimaerwärmung und Wertschätzung in der Region und folgerte: "E-Mobilität ist die einzige Chance, den Verkehrssektor in erneuerbare Energien zu überführen." Als Beispiel nannte und zeigte der Diplomingenieur die Photovoltaikanlage im oberbayerischen Haar, deren Ladekraft dazu ausreicht, ein Auto siebenmal um den Globus zu schicken.

In Elektromobilität und Lade-Infrastruktur sah der Fachmann für Energiesäulen und Ladestationen eine Chance für Kommunen. Er begründete dies mit verbliebener Wertschöpfung in der Region, positiver Auswirkung auf den Fremdenverkehr und Anziehungskraft für hochqualifizierte Arbeitskräfte. Darüber hinaus könne sie optimal mit Regionalmarketing kombiniert werden. Die Photovoltaikanlage mit angeschlossener Ladestelle pries Urban als Zukunftsmodell für Privathaushalte an. Er stellte zunehmende moderne Fahrzeugtechniken vor, berichtete von Vorbestellungen an E-Modellen im sechsstelligen Bereich und stellte Ladeverfahren vor. Dazu unterschied er Bereitschaftsladung, beschleunigtes Laden und Schnellladung.

Auch bei den Hinweisen zur Zahlung durch Abrechnungssysteme oder Münzeinwurf fand er aufmerksame Zuhörer, unter denen sich Repräsentanten der Neue Energien West (NEW) befanden. Bürgermeister Peter Lehr stellte dem Referenten die NEW als "deutschlandweites Vorzeigeprojekt" mit mehr als 1300 Einzel- und 17 kommunalen Mitgliedern vor und gab Hinweise zu örtlichen erneuerbaren Energieanlagen.

"Wenn jeder in seinem privaten Bereich den Anfang macht und die Autoindustrie mitzieht, stehen wir am Beginn umweltschonender Elektromobilität", zeigte sich SPD- Sprecher Fritz Betzl überzeugt. Er rief dazu auf, mit E-Zapfsäulen beim Rathaus zu beginnen und die heimischen Unternehmen mitzunehmen. Vom Erfolg der Sitzung angetan dankte Marcus Gradl für die Aufnahme des Themas E-Mobilität in die Tagesordnung und für die Einladung des Referenten.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.