14.09.2017 - 17:32 Uhr
Oberpfalz

"Frohsinn" in Feierlaune

Zur "Förderung geselligen Beisammenseins" haben junge Burschen vor 137 Jahren die "Gesellschaft Frohsinn" gegründet. Am Sonntag wird mit einem großen Familienfest ihre Wiedergründung vor 70 Jahren - zugleich ihr dritter Geburtstag - gefeiert.

1978, als die Gesellschaft "Frohsinn" noch eine reine "Männersache" war, entstand diese Aufnahme. Vorne mit der Präsidentenkette Karl Reiß, der von 1948 bis 1987 den Verein führte. Daneben der Gründungsvorsitzende Josef Decker, Bürgermeister Walter Ficker und ganz rechts der langjährige Schriftführer Ludwig Singhäuser. Repro: gpa
von Georg PaulusProfil

Spannend ist die Geschichte des Traditionsvereins. Voll Sehnsucht erwarteten Ende des 19. Jahrhunderts junge Burschen den 18. Geburtstag, um Mitglied zu werden. Ersten glücklichen Jahren folgte mit dem Ersten Weltkrieg ein Rückschlag, viele der Mitglieder wurden Soldaten und das Vereinsleben endete. Acht "Frohsinnler" bezahlten den Kriegseinsatz mit ihrem Leben, blieben laut Protokollbuch "auf dem Felde der Ehre". Am 14. November 1918 hat man einen Neuanfang gewagt und im Gasthaus "Zum Löwen" Auferstehung gefeiert. Jahre mit wöchentlichen Treffen, Ausflügen, Gartenfesten und Theateraufführungen folgten, Mitgliederzahlen stiegen. 1935 schockte die NSDAP, der "Frohsinn" wurde verboten. Auch der Zweite Weltkrieg ging nicht spurlos an der Gesellschaft vorbei, viele Mitglieder mussten an die Front, manche von ihnen waren unter den Opfern dieses Wahnsinns.

Nach Jahren des Hitler-Regimes kam es mit Erlaubnis der US-Behörde am 2. Februar 1947 zur Neugründung, Josef Decker wurde Vorsitzender, Karl Reiß Stellvertreter. Als Decker nach einem Jahr Bürgermeister wurde, folgte ihm Reiß als Vorsitzender. Bis zu seinem Tod 1987 übte er dieses Amt aus. Baptist Groß war sein Nachfolger. Aus Altersgründen verzichtete er 1999 auf eine Wiederwahl, die Mitglieder wählten Martin Schusser zum Vorsitzenden. In seiner Amtszeit wurde die Öffnung des bisherigen "Männerclubs" für Frauen Wirklichkeit. 2011 ließ sich Schusser nicht wiederwählen, Erwin Dromann wurde sein Nachfolger. Mit ihm feiert der "Frohsnn" am Sonntag zur 70. Wiederkehr des dritten Geburtstags ein Familienfest. Einem Gottesdienst um 9 Uhr in der Pfarrkirche folgt um 10.15 Uhr in der Kleintierzüchterhalle ein Vortrag des Historikers Johann Ott zum Thema "Die Wiedergründung der Gesellschaft Frohsinn vor 70 Jahren". (Hintergrund)

Hintergrund

Speisen zu Preisen wie einst

Eschenbach. (gpa) Ab 12 Uhr wird für die gemeldeten Besucher das Mittagessen serviert, zur Kaffeezeit steht ein Kuchenbüfett bereit. Zur Unterhaltung spielt die Stadtkapelle Eschenbach, in der Pause gibt es ein Kurzreferat von Erwin Dromann. "Mit fünf Euro sind Sie dabei" könnte das Motto des Tages lauten, da für Mittagessen, Kaffee und Kuchen die Besucher den historischen Preis von fünf Euro zu zahlen haben.

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