18.08.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Gabriele und Manfred Gabriel erzählen von ihrer neuen Heimat Japan Als Europäer im Land des "Tenno"

Dass man Neues nur mit einem "Tapetenwechsel" erleben kann, beweisen Gabriele und Manfred Gabriel. Vor einem Jahr verließen sie Europa. Sie arbeitet in Japans Hauptstadt im Kirchendienst, er übernahm den "Küchendienst". Mit Freunden plauderten sie bei ihrem ersten Heimaturlaub über ihr Leben in Fernost.

Dass es in Japan auch bayerisches Bier gibt, beweist dieses Bild von einem Ausflug zum Frühlingsfest in Yokohama. Es zeigt Dr. Manfred Gabriel und Ehefrau Gabriele mit Enkelsohn Elias vor dem Stand des "Lang-Bräu", Wunsiedel- Schönbrunn. Bild: gpa
von Georg PaulusProfil

Ihren Wagemut hat Gabriele Gabriel schon immer bewiesen: Als Ehemann Manfred als Lehrer an der Deutschen Schule in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba unterrichtete, war Ehefrau Gabriele als Hausfrau und Mutter der vier Kinder dabei. Nach acht Jahren folgten fünf Jahre Hongkong, auch die Familie kam mit.

Als 2006 der Auslandseinsatz endete, kehrte Familie Gabriel nach Deutschland zurück, Dr. Manfred Gabriel wurde wieder Lehrer am Gymnasium in Wunsiedel und seine Frau begann Theologie zu studieren. Nach Prüfung und Praktikum war Gabriele Gabriel ab 2013 Pfarrge-meindereferentin in Eschenbach, 2016 wechselte sie als kirchliche Mitarbeiterin und Lehrerin an der deutschsprachigen Schule in die Pfarrei St. Michael, ihr Ehemann begleitet sie als "Hausmann".

"Heimat auf Zeit"

"Höflichkeit, Sauberkeit, Pünktlichkeit" seien Eigenschaften, die in Japan sehr viel bedeuten. So beschreiben die Gabriels das Land, ihre "Heimat auf Zeit". Begrüßungszeremonien wie bei uns, Umarmungen, "Bussi links, Bussi rechts", Händeschütteln? Für Japaner "out". "Grüßen, Ehrerbietung bezeugen, geschieht mit einer angedeuteten Verbeugung, 'Höhergestellte' werden mit tiefen Verbeugungen gegrüßt." Obwohl es in der Millionenstadt Tokio keine Abfallkörbe gibt, ist die Stadt blitzsauber. "Japaner sind es gewohnt, ihren Abfall zu Hause ordentlich zu entsorgen."

Trotz des ungeheueren Andrangs an den U-Bahnhaltestellen verläuft der Betrieb reibungslos. Weil die Bahnen pünktlich im Drei-Minuten-Takt verkehren, gibt es weder ein Schubsen noch Drängeln. "Wenn Rüpelhafte auffallen, sind es in der Regel Chinesen." Viel Lob der Gabriels ernten auch die sehr freundlichen und hilfsbereiten Schaffner. Toll finden sie auch die "körperbetonten" Sitzschalen in den Zügen, die viel mehr Intimsphäre bedeuten.

Teure Lebensmittel

Gewöhnungsbedürftig sei das Ein- kaufen: Jede Scheibe Wurst, jede Erdbeere kommt einzeln in Folie, das ganze noch einmal in Plastik, an der Kasse in eine Plastiktüte. Da Japaner kleinere Wohnungen und keine Gärten haben, verbringen sie viel Zeit in der Natur. "Wenn zum Picknicken viele Familien das Ufer des Tamagawa, unseres Hausflusses, bevölkerten, war am späten Abend, wenn das lustige Volk abgezogen war, der ganz Strand so sauber, als wäre niemand da gewesen. Man ist es einfach gewohnt, Abfall daheim zu entsorgen."

Lebensmittel in Japan seien wegen des Einfuhrverbots teuer. Das ge-samte Obst und Gemüse stammt aus japanischer Erzeugung, sagt Manfred Gabriel, als "Küchenchef" Verantwortlicher für den Einkauf. Es gibt alles - aber einfach etwas teurer. Einen Liter Milch gibt es im Supermarkt nicht unter drei Euro, fünf Euro kosten vier Scheiben Wurst oder 250 Gramm Butter. Auch für die Kartoffeln müsse man mehr bezahlen als bei uns daheim.

"Es gibt sogar fränkisches Bier, der Genuss ist allerdings ein teuerer Spaß. Ein Schoppen kostet fast genauso so viel wie eine Maß auf dem Münchner Oktoberfest." "Andere Länder, andere Sitten" trifft auch auf das Speisen in Lokalen zu. Große Teller, kleine Portionen, man isst dort weniger als bei uns. Eine Stange Spargel ist die Normalportion, zwei Stangen die doppelte, acht Gnocchis auf dem Teller sind als Hauptgericht schon sehr viel.

Hintergrund

Obwohl die Pfarrei St. Michael, zuständig für die deutschsprachigen Katholiken, in die Erzdiözese Tokio eingegliedert wurde, änderte dies nichts an der Arbeit in der Kirchengemeinde sowie an der deutschen Schule, sagt Gabriele Gabriel. Die Arbeit mache nach wie vor viel Freude. In der Pfarrei lässt es sich dank des Pfarrers sehr gut arbeiten. "Er ist ein weltoffener und kluger Jesuitenpater, mit dem man gut diskutieren kann, der mir Freiheiten gibt, mich auch gerne für Predigten einteilt."

Es gibt manchmal auch Probleme: Weil für Christen der Karfreitag einer der höchsten Feiertage ist, in Japan aber Werktag, ist das Feiern der Liturgie erst abends möglich. Auch die Zahlen der Gottesdienstbesucher wechseln. Neben vielen Deutschen, die schon seit Jahren hier leben, gibt es Angestellte von Firmen, die nur wenige Monate in Japan bleiben, aber auch welche, deren Auslandseinsatz endet. "Aber alle freuen sich, hier Heimat zu finden, wenn auch nur auf Zeit, deutsch sprechen zu können und wie daheim Gottesdienst zu feiern." Wenn der Urlaub der Gabriels zu Ende geht, müssen sie wegen der momentanen politischen Lage bezüglich Nordkorea auch für den Rückflug 30 Minuten mehr einkalkulieren. (gpa)

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp