13.02.2018 - 20:00 Uhr

"Heimat Eschenbach": 40. Auflage bietet Einblick in einen Tiefpunkt der Stadtgeschichte "Zügellosigkeit in dieser Stadt"

"Der Grund dieser Zügellosigkeit in dieser Stadt liegt wirklich im Mangel der Erziehung und des Schulunterrichts, wofür der Magistrat keinen Sinn zu haben scheint, da er selbst keinen Unterricht genossen." Das Urteil von Joseph von Destouches im Revisionsbericht 1802 über die Stadt Eschenbach fällt vernichtend aus.

Ein Obersee-Aquarell von Elke Schulz ziert die Titelseite. Repro: rn
von Walther HermannProfil

Nachzulesen ist es in der 40. Ausgabe der Publikation "Heimat Eschenbach". Auf 125 Seiten zeigt der Band, dass es zumindest heute sehr wohl Erziehung und Kultur in der Stadt gibt. Beim Jubiläumsabend im Taubnschustersaal (wir berichteten) warb Karlheinz Keck für das Werk, zu dem Hans Ott mehr als die Hälfte an Beiträgen beigesteuert hat.

Schwerpunkt der Ausgabe bilden vier Ott-Beiträge zu Eschenbachs Bächen und Weihern. Der erste handelt vom Eschenbach, dem Namensgeber der Stadt, seiner Geschichte und seinem heute zum Teil bedauernswerten Zustand und vom Weidlbach und dem beide verbindenden "Fuaschgrobm". Im zweiten Teil befasst sich Ott mit den Rußweihern, der Rußlohe und den weiteren städtischen Weihern. Nach der Behandlung der "Vogelfreistätte Großer Rußweiher" widmet sich der Autor im vierten Teil dem Torfstich in der Weiherkette.

Kritisch wird Ott mit seinem Beitrag "Zügellosigkeit in dieser Stadt". Der Revisionsbericht des Landesdirektionsrats von Destouches aus dem Jahr 1802 wirft kein gutes Licht auf Eschenbach. Ott hat ihn im Hauptstaatsarchiv München gefunden. Er beschreibt die zerrütteten Verhältnisse um 1800. Die Selbstverwaltung der Stadt stand unter keinem guten Stern. Der Bürgermeister war 87 Jahre alt, nahezu taub und umgeben von ebenfalls hochbetagten Räten, ohne eigene Meinung und Fähigkeiten. Entsprechend unfähig war die Administration der Stadt. Für Destouches ist die Stadt Eschenbach Beleg für die Notwendigkeit einer Gemeindereform in Bayern.

1917 hat der Eschenbacher Bezirksamtmann Anton Freiherr von Kreußer in der Zeitschrift "Bayerischer Heimatschutz" eine ausführliche Beschreibung seines Bezirksamtes veröffentlicht. Bernd Thurn hat dessen schön geschriebenen Artikel ausgegraben, für den Neudruck vorbereitet und mit Abbildungen versehen. Sie stellen ein Stück Landkreis-Eschenbach-Nostalgie dar.

Ausgehend von der Christopherus-Statue an der Außenseite der Pfarrkirche ist Thurn im Beitrag "Christopherus bewahrt vor einem plötzlichen Tod" der Bedeutung des Christusträgers als Beschützer der Reisenden nachgegangen. Er erzählt von der katholischen Tradition, wonach niemand an dem Tag sterben muss, an dem ihm ein Bild des Heiligen begegnet ist.

Mit einem Lebensbild "Aus Liebe zur Heimat" erinnert Karlheinz Keck an den langjährigen zweiten Vorsitzenden, Willi Trummer, der 2017 verstorben ist und dem die Heimatkunde viel zu verdanken hat. Im vergangenen Jahr begann für das Taubnschuster-Anwesen die neue Ära "Museum Kulturhof Zoigl". Keck stellt in Wort und Bild das Konzept dieses alten Ackerbürgerhauses vor. Der "Chronik des Heimatvereins 2017" widmet sich Gabi Förster in all ihren Facetten.

Mehr als 90 Bilder ergänzen die Beiträge der vier Autoren der neuen Publikation. Sie ist zum Preis von acht Euro in der Stadtapotheke und beim Taubnschuster (Mittwoch und Sonntag) erhältlich. 550 Exemplare sind für Mitglieder des Heimatvereins reserviert. Der Rest der Auflage geht deutschlandweit an Abonnenten, an staatliche und Universitätsbibliotheken und an Behörden und Organisationen, die sich mit heimatkundlichen, geschichtlichen und denkmalpflegerischen Belangen beschäftigen.

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