12.04.2018 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Kompost, Totholz, Florfliege: Arnold Kimmerl gibt Tipps zum "Biologischen Gartenbau" Blumenduft lenkt von Gemüse ab

Wo die Vogelmiere wächst, ist der Boden in Ordnung. Gegen Blattläuse hilft dreimaliges Besprühen mit 24 Stunden alter Brennnesseltunke. Diese und weitere Informationen und Tipps gab Arnold Kimmerl einer großen Zahl von Gartenfreunden. Der Obst- und Gartenbauverein hatte zum Vortrag "Biologischer Gartenbau" in den Gasthof "Weißes Roß" geladen.

Mit Appetitanregern für die Pause im Gartenstuhl dankte Hans Rupprecht (links), der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins, Referent Arnold Kimmerl für seine Hinweise zum biologischen Gartenbau. Bild: rn
von Walther HermannProfil

Der stellvertretende Landrat von Schwandorf und ehemalige Angehörige der Bayerischen Forstverwaltung nahm seine Zuhörer mit auf einen Spaziergang durch die Lebensräume seines Gartens und machte dabei Station bei Kompost und Mischkultur. Auch Düngung und Pflanzenschutz ohne Chemie sprach er an. Dabei warb er dafür, im Hausgarten nicht nach dem Höchstertrag zu streben. "Wichtigstes Werkzeug" ist seiner Ansicht nach der Gartenstuhl.

Eine saubere Windschutzscheibe bei Abend- und Nachtfahrten wertete der Referent als Beweis für den Rückgang der Insekten um bereits 70 Prozent, was wiederum die Abnahme des Vogelbestandes um 50 Prozent nach sich gezogen habe. Er rief zu einer naturnahen Gestaltung des eigenen Umfeldes auf und sah in den Hausgärten 60 Prozent aller Naturschutzanlagen. Ein vernichtendes Urteil fällte er über das Herbizid "Glyphosat", das als Antibiotikum entwickelt wurde, jedoch bei Mensch und Tier die Fruchtbarkeit störe.

Komposthaufen bilden für Kimmerl die Grundlage für die Düngung. Wichtig sei, stabile Humuskomplexe in den Boden zu bringen. So seien Häckselprodukte kohlenstoffreiche Zugaben für den Kompost. Zu den weiteren möglichen Einträgen mit positiver Auswirkung zählte er Gartenerde, etwas Basaltmehl, Magnesiumkalk, Knochenmehl und Hornspäne. Hinweise erhielten die Gartler auch zur Herbstsaat von Gelbsenf und Wintergetreide als Düngefaktor, aber auch zur Stickstoffwirkung von Rotklee. Der Referent begleitete seine Ausführungen mit einer Bilderserie, die auch Beispiele für prächtige Mischkulturen lieferten. Er empfahl Blumenstauden in die Gemüsebeete zu integrieren: "Deren Duft lenkt Insekten vom Gemüse ab." Nicht viel hielt er von einem allzu "sauberen Garten": "Ein Gartenbeet muss nicht wie ein Wohnzimmer sein."

Gegen Chemie wandte sich der Hobbygärtner bei der Abwehr von Blattläusen, die vor allem bei zu hohen Stickstoffwerten aufträten. Als Blattlausjäger benannte er die Raupe der Florfliege und Ohrwürmer. Als Faustregel gab er seinen Zuhörern mit auf den Weg: "Ein großes Blütenangebot ergibt ein hohes Nahrungsangebot, das wiederum für ein biologisches Gleichgewicht sorgt."

Als wichtige Lebensräume bezeichnete der Gast aus Pfreimd zudem Insektenhotels und Totholz. Er erkannte in blühenden alten Bäumen einen wichtigen Lebensraum und warb für robuste Staudengewächse wie Pfingstrose, Phlox, Rittersporn und Narzissen.

Vorsitzender Hans Rupprecht, warb für die Fahrt zur Landesgartenschau am 21. April und kündigte für 28. April die Pflanzentauschbörse bei der Firma Zehrer (Gossenstraße) an. Auch Pflanzenschutzvlies und Langzeitdünger werden dort angeboten. In die fränkische Weinregion soll im Spätsommer der Vereinsausflug führen.

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