Konzept zu Ruhewald in Eschenbach
Im Wald die Ruhe finden

Hier wird der Eschenbacher Ruhewald entstehen. 10 000 Quadratmeter stehen zur Verfügung.
 

Äste knacken, Vögel zwitschern, der Wind weht durch die Bäume: Es ist ein idyllischer Fleck im Eschenbacher Stadtwald, an dem ein Ruhewald entstehen soll. Martin Gottsche ist nicht nur deshalb vom Konzept überzeugt.

Mit Blick auf den Netzaberg, in der Nähe von Witzlhof, soll er entstehen: der Ruhewald. Das ist der Plan, dem der Stadtrat mit zwei Gegenstimmen zugestimmt hat. Keiner kennt sich im Stadtwald besser aus als Förster Martin Gottsche. "Wir nutzen den Stadtwald aktiv und der Ruhewald wird ein weiterer Baustein sein. Das komplette Leben ist dann mit dem Wald möglich. Vom Waldkindergarten bis zum Ruhewald", erklärt er das Konzept hinter den Planungen. Der Bauantrag für die 10 000 Quadratmeter ist gestellt, die Behörden sind an der Reihe. "Die Idee ist vier oder fünf Jahre alt. Wir haben das oft diskutiert", sagt Gottsche. Pro Baum ist Platz für bis zu sechs Urnen. Bis zu 100 sollen in den Boden eingelassen werden. Sie bestehen aus Zellulose oder Holz und sind biologisch abbaubar. Nur eine kleine Tafel am Baum soll an den Verstorbenen erinnern. Die Bäume sind bereits nummeriert. Die Stadt stellt zum Schutz vor Tieren einen Holzzaun auf, legt Wege an und richtet einen zentralen Versammlungsort mit Holzkreuz ein. Der Plan fußt auf dem Konzept des Landschaftsarchitekten Wolfgang Fetsch. "Wir haben uns entschlossen, manche Arbeit selbst zu erledigen. Die Waldjugend gestaltet das Holzkreuz, das Holz für den Zaun kommt aus dem eigenen Bestand."

"Die Bestattungskultur hat sich in den letzten zehn Jahren verändert. Weg vom klassischen Grab und hin zur Urne. Natürlich spielt der Preis eine Rolle. Oft ist aber einfach keiner mehr da, der sich um das Grab kümmert, ein Ruhewald bietet hier eine gute Alternative", erklärt Gottsche. Denn Blumen oder Kerzen sind nicht erlaubt. Die Stadt kümmert sich um die Instandhaltung. "Tote Äste müssen von den Bäumen entfernt, Wege geräumt und die Zufahrtsstraßen gesichert werden", sagt der Förster. "Der Aufwand wird sich im Vergleich zum normalen Friedhof in Grenzen halten", ist er sich sicher. Nicht nur Alleinstehende, sondern auch Familien soll das Konzept ansprechen. Gottsche hat bereits viele Anfragen, eine Reservierung ist aber noch nicht möglich.

"Ich bekomme dauernd Anrufe. Wir haben Interessenten, die aus Bayreuth oder Marktredwitz kommen. Auch Familienbäume und das Pflanzen von eigenen Bäumen sind denkbar." Ihn verwundert das nicht, der nächste Ruhewald liegt bei Ebermannstadt. "Hier werden sicher nicht nur Eschenbacher liegen. Aber vielleicht ist das auch nicht schlecht, denn dann kommen mehr Leute nach Eschenbach und vielleicht stärkt das die lokale Wirtschaft."

Das ist sein Argument gegen die Kritik, ein Ruhewald nehme Blumenhändlern und Steinmetzen die Kunden weg. Außerdem sei das mit Urnenbegräbnissen schon teilweise passiert. Dass manche es als Problem sehen könnten, dass Menschen im Eschenbacher Ruhewald begraben sind, die mit der Stadt keine Verbindung haben, schließt er nicht aus. Gottsche wünscht sich etwas Verständnis.

Die genauen Kosten sind noch nicht absehbar. "Das Ziel ist am Ende natürlich die schwarze Null", sagt Gottsche. Nicht jeder ist vom Konzept "Ruhewald" überzeugt, weiß der Förster: "Viele sind bei diesem Thema traditionell und emotional. Aber ich rufe zur Toleranz auf. Es ist ja kein Muss, sondern eine Alternative zum normalen Friedhof." Übrigens sieht weder die evangelische noch die katholische Kirche diese Form der Bestattung problematisch. "Im besten Fall sind die Arbeiten bereits an Allerheiligen abgeschlossen, spätestens aber im Frühjahr 2019", gibt Gottsche einen Einblick in den Bauplan. Auch er hat sich schon Gedanken über einen Baum gemacht. Die Nummer 13 soll es werden.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.