21.03.2018 - 20:00 Uhr

Kreistagsfraktion der Freien Wähler in Klausur Auf zur Energiewende

In Klausur begab sich die Kreistagsfraktion der Freien Wähler. Geistige Nahrung reichten ihnen ein Landtagskandidat, eine Professorin der Universität Bayreuth und ein Kreisbaumeister. Als Gasthörer hieß Fraktionsvorsitzender Manfred Plößner in der Freizeitanlage Rußweiher FW-Ortsvorsitzende und Kollegen aus dem Landkreis Tirschenreuth willkommen. "Zwei Genossenschaften - ein Ziel, eine Region auf dem Weg in die Zukunft" stellte Bernhard Schmidt vor. Er informierte über die "NEW - Neue Energien West eG" und die "Bürger-Energiegenossenschaft West eG" und beklagte, dass die bayerische Staatsregierung die Windkraft im Land zum Erliegen gebracht hat.

Zu einer Klausur kamen die Freien Wähler zusammen: Fraktionsvorsitzender Manfred Plößner (von rechts), Prof. Dr. Ruth Freystadt, Bernhard Schmidt und die Kreisräte Karl Lorenz (Eschenbach) und Karl Meier (Neustadt). Bild: rn
von Walther HermannProfil

Der NEW, einer 2009 gegründeten interkommunalen Genossenschaft, schrieb der Landtagskandidat das Ziel der Energiewende bis 2030 zu, verbunden mit der Beendigung der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. Er stellte den Höhenflug der NEW vor, der bisher 19 kommunale Mitglieder mit 154 Anteilen im Gesamtwert von 770 000 Euro und die Bürger-Energiegenossenschaft mit 1416 Mitgliedern und 17 Millionen Einlagenkapital angehören. "Die Bürger finanzieren die Projekte mit regionalem Kapital und halten so Wertschöpfung und Erträge in der Region", versicherte Schmidt. Zu den gemeinsamen Projekten auf NEW-Initiative zählte er unter anderem ein von der OTH Amberg-Weiden erstelltes integriertes Klimaschutzkonzept für elf Kommunen, die Einstellung eines Klimaschutz-Managers und den beabsichtigten Rückerwerb der örtlichen Stromverteilungsnetze, um eigenerzeugten "grünen" Strom direkt vermarkten zu können.

38 Millionen Euro investiert

Schmidt sagte: "NEW und Bürger eG sind unter den bundesweit drei größten Genossenschafts-Neugründungen seit 2006 und die am schnellsten wachsende Genossenschaft." Er rühmte die flexible und schnelle Entscheidungsfindung, die individuelle Leistungsfähigkeit und die überdurchschnittliche Rendite (2,0 Prozent) der Genossenschaft und warb mit Leistungen wie Energieberatung, Energieausweisen und eigenem Stromtarif "Regionalstrom Nordoberpfalz" mit einem Arbeitspreis von 26,49 Cent.

In einer Auflistung der bisherigen Projekte der NEW sprach Schmidt von einer Investitionssumme von 38 Millionen Euro für Photovoltaik- und Windkraftanlagen. Einen Skandal nannte er es, dass die Überproduktion deutscher Stromriesen nach Österreich verschenkt und bei Bedarf von dort teuer zurückgekauft wird. Er rief dazu auf, die Energiewende zu unterstützen. Kritisch äußerte er sich zur geplanten Nord-Süd-Stromtrasse, "ein Verdienst des niederländischen Staatsunternehmens Tennet", und stellte die Frage nach dem Woher der erforderlichen 500 000-Volt-Gleichstromkabel.

Als Beitrag zur dezentralen Energiewende verstand Prof. Dr. Ruth Freystadt ihren Vortrag zur Energiegewinnung aus organischen Abfällen. Die Lehrstuhlinhaberin für Bioprozesstechnik an der Uni Bayreuth befasste sich mit einer Machbarkeitsstudie für Abfallvergärung von Bio- und Grüngut. Gesucht dafür werde ein geeigneter Standort für eine Kompostieranlage zur Aufnahme "fester Gärreste zur Nachrotte".

Nötige Technik möglich

In ihren Überlegungen zur Anlagetechnik widmete sie sich den Kriterien Gas, feste und flüssige Gärreste, kam auf eine jährlich erzeugte Strommenge von 3,5 Millionen Kilowattstunden und regte zur Vermarktung der Produkte an, Biogas zu Biomethan zu veredeln und in das Erdgasnetz einzuspeisen. Wirtschaftlich interessant für den Standort Bayreuth hielt sie die Variante "Vergärung-Verstromung-Wärmenutzung-Kompostierung". Auf Basis des derzeitigen Standes von Forschung und Technik hielt es die Referentin für möglich, die benötigte technische Komponente zu entwickeln. Sie forderte ein Umdenken, verbunden mit dem Entwickeln eines "technischen Konzepts zur Nutzung erneuerbarer Energien aus organischen Abfällen im kommunalen Maßstab". Den Fokus richtete sie dabei auf ein Gesamtsystem "mit Simulation, Eingabe realer Daten und Implementierung realer Umgebungsbedingungen mit Kopplung von elektrischen, thermischen und stofflichen Energieflüssen".

Die Nutzung der Gärreste favorisierte Freystadt als Dünger und Bodenverbesserer und sah darin ein innovatives, dezentrales, bezahlbares und umweltverträgliches Energie- und Abfallkonzept. Eine rege Aussprache schloss sich an. Erheblich praktischerer Natur war das Vorstellen der Planung zur Sanierung des Landratsamtsgebäudes durch Kreisbaumeister Kraus mit anschließender Besichtigung des Gebäudes.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.