Nachruf
Ältester Eschenbacher verstorben

Der älteste Eschenbacher ist tot. Adolf Ertl starb wenige Wochen vor seinem 100. Geburtstag. Zum Lebenselixier des Verstorbenen gehörte auch seine Biker-Leidenschaft. Bild: do

"Zum 100. Geburtstag werd's scho wieder kumma", hieß es im Vorjahr. Adolf Ertl, der ältestes Bürger der Stadt, hatte seinen Gesangverein schon zur nächsten Fete im Jahr 2018 eingeladen. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen. Kurz vor seinem 100. Geburtstag am 7. Mai verstarb der Grandseigneur der Sangeskunst und Tüftler am 10. März.

Adolf Ertl gehörte zu den Urgesteinen der Eschenbacher Gesangsszene. Ob Männer- oder Kirchenchor, der 99-Jährige hatte den Ruf eines zweiten "Caruso". Längst hatte er sich aus dem aktiven Sängerleben zurückgezogen. Dennoch zeigte sich der ehemalige Werkstatt-Chef des Raiffeisenlagerhauses Eschenbach interessiert an allem Musikalischen und Handwerklichen. Viele Jahre gehörte er zu den Säulen der Liedertafel und des Katholischen Kirchenchores. Singen war für ihn Lebensfreude.

Doch so fröhlich sich Ertl immer gab, so einfach hatte er es in seinem Leben nicht. Kaum war die Kfz-Mechaniker-Lehre abgeschlossen, riefen ab 1937 Reichsarbeitsdienst und Wehrmacht zum Pflichtdienst. Fortan war der Einsatz für das Vaterland Lebensmittelpunkt. Der Krieg begann, die Jugendzeit fiel aus. Dem Wehrdienst folgten Kriegseinsätze in Tschechien, Polen, Frankreich, auf dem Balkan und in Russland. Das Kaukasus-Gebirge vor Augen geriet er beim Rückzug auf der Insel Krim in Gefangenschaft. Nach vierjähriger Kriegsgefangenschaft kam er 1948 in die Heimat zurück. Nach dem Kfz-Meister-Titel öffneten sich dem "Alt"-Neuhauser viele Türen.

Schließlich wählte er das Raiffeisen-Lagerhaus Eschenbach als beruflichen Mittelpunkt. Als Werkstattchef folgten viele erfüllte Berufsjahre. Ein glückliches Familienleben mit Ehefrau Maria und den Kindern Gerlinde, Ulrike und Lothar folgte. Und die Freizeit? Sie gehörte neben dem Singen im Chor der Tüftlerleidenschaft. Besonders die Biker-Begeisterung ließ ihn zu einer Berühmtheit werden. Motorrad-Cracks aus der Region gaben sich in seiner "Künstler-Werkstatt" ein Stelldichein. Ertl wurde mit seinem Biker-Gen zum exzellenten Fachmann für Oldtimer-Zweiräder. Ein weiteres Markenzeichen gehörte zum Verstorbenen. Ertl imponierte mit seiner Lebensfreude. Ansteckend waren Humor und Herzlichkeit. Als Optimist, dem das aus dem Herzen kommende Lachen zum Lebenselixier geriet, wird Ertl vielen Menschen in Erinnerung bleiben.

Das Requiem findet heute, Mittwoch, um 14 Uhr in der Stadtpfarrkirche statt. Die Urnenbeisetzung folgt im engsten Familienkreis.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.