05.03.2018 - 20:00 Uhr

Notarin Eva-Maria Bernauer informiert bei der VHS über Vorsorgevollmacht Nie zu früh, für vorletzten Willen

Das Thema Krankheit und Sterben ist ein Tabu. Nur langsam ändert sich das. Auf Vermittlung der Volkshochschule informierte im Hotel Rußweiher Notarin Eva-Maria Bernauer über die Möglichkeiten der Selbstbestimmung bis zuletzt. Sie empfahl, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und seinen Willen deutlich zu machen: in einer Vorsorgevollmacht in Kombination mit einer Betreuungsverfügung und eine Patientenverfügung. Dabei gelte es, die Entscheidungen zum "vorletzten Willen" sorgfältig vorzubereiten. Als Ansprechpartner seien der Arzt des Vertrauens, die betroffenen Angehörigen und ein Notar empfehlenswert.

Eva-Maria Bernauer. Bild: do
von Robert DotzauerProfil

Bernauer differenzierte Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und Betreuungsverfügung. Die Vorsorgevollmacht sei eine Generalvollmacht, die festlegt, welche Angelegenheiten im Bedarfsfall von wem zu regeln sind. "Bestimmen, wer entscheiden darf", lautete die Zusammenfassung. Das Ändern eines Testaments falle allerdings nicht unter die Generalvollmacht, stellte Bernauer klar.

Unter dem Leitgedanken "Vertrauen statt Bevormundung" standen Ratschläge zur Betreuungsverfügung. Ohne rechtswirksame Vorsorgevollmacht schreibe das Gesetz im Bedarfsfall einen Betreuer vor, der vom Gericht ausgewählt wird. Die Betreuungsverfügung ermögliche es, den Betreuer, etwa für medizinische, rechtliche oder behördliche Angelegenheiten, selbst vorzuschlagen. Die Betreuung beziehe sich auf die Lebensbereiche, für die Handlungsbedarf bestehe, zum Beispiel bei finanziellen Entscheidungen, bei einer etwaigen Heimunterbringung und bei Gesundheitsfragen. Der Betreuer sei gesetzlich verpflichtet, sich an den Wünschen des Betroffenen zu orientieren. Sein Handeln werde durch das Gericht kontrolliert.

Schließlich beleuchtete Eva-Maria Bernauer die Patientenverfügung. Es gehe um eine vorsorgliche Verfügung für die medizinische Versorgung, die an den Arzt gerichtet sei. Man könne zum Beispiel festlegen, wer im Falle einer Handlungsunfähigkeit einer Operation zustimme. Es könne auch festgelegt werden, welche lebenserhaltende Maßnahmen bei Entscheidungsunfähigkeit des Patienten zu treffen seien.

In der Diskussion hatte die Juristin viele Detailfragen zu beantworten. VHS-Geschäftsführerin Angelika Denk dankte für den "superstrukturierten" Vortrag und lud zum nächsten Termin mit der Notarin: Am Montag, 23. April, geht es ums Schenken und Vererben.

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