Ringen, Schwingen, Steinstoßen

Das OK-Team mit Repräsentanten der drei Eschenbach: Sepp Blächinger, Sankt Gallen, (oben, Zweiter von links), Peter Lehr, Oberpfalz, (oben rechts), Guido Portmann, Luzern (zweite Reihe, Zweiter von links).
 
Ganz in weiß und mit einer Lederhose bekleidet stellten sich die Teilnehmer dem Schwingen. Bilder: rn (2)

Die Oberpfalz trifft Luzern: Vertreter aus Eschenbach erleben das Schweizer Nationalturnen in all seinen begeisternden Facetten.

Der Besuch der 21. Eidgenössischen Nationalturntage bot einer Delegation von Stadträten und Vereinsvertretern einen Einblick in eine typisch schweizerische Sportart, die nicht nur geistig und körperlich viel Beweglichkeit, Vielseitigkeit und Flexibilität erfordert. Nationalturnen stellt hohe Anforderungen an die Sportler, Anforderungen an Kraft, Schnelligkeit und Sprungkraft und es braucht - beim Bodenturnen - eine große Portion Ästhetik und Eleganz. Kurz: Nationalturnen ist ein vielseitiger Mehrkampf. Für die Delegation aus der Rußweiherstadt wurde der Aufenthalt in der Schweizer Partnergemeinde zu einem faszinierenden Sporterlebnis, verbunden mit großer Herzlichkeit und Gastfreundschaft.

Während sich am Haupttag die Aktiven bereits maßen, waren die Ehrengäste in der Arena vor dem Lindenfeldsaal zum Apéro mit heimischen Spezialitäten geladen. Eschenbacher aus der Oberpfalz und den Kantonen Luzern und Sankt Gallen führten einen regen Gedankenaustausch.

Sprungkraft gefordert

Erfahrene Nationalturner führten die Oberpfälzer in zwei Gruppen über das große Sportfeld. Besondere Aufmerksamkeit weckte zunächst das Bodenturnen mit Rollen, Überschlägen, Balanceteilen, Hand- und Kopfstand, Spagat und Drehbewegungen. Gleich daneben stemmten Athleten bis zu 22 Kilogramm schwere Steinquader in die Höhe. Nach jedem Stemmvorgang musste der Quader bei drehender Handbewegung bis unterhalb die Knie gesenkt werden. Die volle Punktzahl wurde erst nach 27-maligem Stemmen erreicht. Sprungkraft war gefordert beim Hochweitsprung. Die gleiche Anlaufbahn nutzten die Nationalturner vom Schüler- bis zum Erwachsenenalter für das Steinstoßen. Hier wogen die Quader bis zu 15 Kilogramm.

Unterbrochen wurde das Schauerlebnis durch ein Bankettessen für Ehrengäste im großen Festzelt. Das weitere Geschehen erlebten die Zuschauer von der Tribüne aus. Auf dem Programm standen Ringen und Schwingen. Unter den Ringern waren auch Teilnehmer der Olympischen Spiele. Ausgetragen wurden diese Wettbewerbe auf fünf kreisförmigen kleinen Wettkampffeldern mit Hackschnitzel. Beim Schwingen waren lange weiße Hosen, weiße Hemden und Turnschuhe vorgeschrieben. Darüber wurden Lederhosen (zum Zupacken) getragen. Spektakuläre Würfe der Zweikämpfer waren stets von spontanem Beifall begleitet. Gemäß einem Ehrenkodex wischten die Gewinner dem Unterlegenen die Hackschnitzel vom Rücken. Das Geschehen wurde begleitet von Alphornklängen und Fahnenschwingern. Die Zuschauer erlebten eine echt schweizerische, bodenständige und traditionsreiche Nationalsportart.

Ein besonderer Höhepunkt kündigte sich an, als vier Turner auf einem Holzgestell einen großen Stein vor die Tribüne trugen. Er wog 83,5 Kilogramm. Fünf "Muskelpakete", die sich nach Steinstoß-Qualifikationen die Teilnahme am "Revanche-Unspunnen-Steinstoßen" gesichert hatten, traten nun gegeneinander an. Sie wuchteten den Stein vor die Brust, stemmten ihn über den Kopf, nahmen zehn Meter Anlauf und stießen ihn an der Abwurflinie von sich. Die Stoßweiten - die weiteste betrug 3,63 Meter - lagen nur wenige Zentimeter auseinander.

Nächstes Treffen in Planung

Beim offiziellen Festakt mit besonderem Fahnenzeremoniell dankte Kurt Zemp, Präsident des Eschenbacher Organisationskomitees (OK), Aktiven und Helfern für deren Engagement und sprach von gesunder Einstellung und einem Sport der Vielfalt. Im nationalen Turnsport sah er eine "Königssportart mit Alleinstellungsmerkmal", die von Siegeswillen und Kameradschaft erfüllt ist. Festredner war Damian Müller vom Ständerat des Kantons Luzern. Der Wert der Lebend- und Sachpreise zur Rangverkündigung lag bei 100 000 Franken. Zum fantastischen "Gabentempel", durchwegs Spenden, gehörten ein Tausend Kilogramm schwerer Zuchtstier, ein trächtiges Holsteiner Rind, ein Jungrind und ein Hengstfohlen.

Den Gastgebern bekundete Peter Lehr im Namen der Oberpfälzer großen Respekt für Organisation und Gastfreundschaft. Seine beiden Schweizer Amtskollegen Guido Portmann und Sepp Blächinger freuten sich über Regenschirme "Mein Herz schlägt für Eschenbach", die Eschenbacher Gemeinderäte und das OK-Team über künstlerische Frühstückstassen der Rußweiherstadt. In den Festzelten herrschte am Abend ausgelassene Stimmung. Die "Äntlibuecher Giele" rissen mit drei Schwyzerörgeli und einem Bass mit einem virtuosen und lüpfigem Stil zum Schunkeln und Mitsingen ein, die Volks-Alpen-Rocker verwandelten ihr Zelt in einen Hexenkessel und das Trio "Vollgas" trumpfte mit rassiger Schwyzerörgelimusik auf.

Die dreitägige Begegnung im Luzerner Seetal setzte bereits die Weichen für die Zukunft: Portmann und Lehr dachten schon über bestimmte Anlässe nach, wie zum Beispiel "30 Jahre Städtepartnerschaft" im Jahr 2019.
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