18.08.2017 - 17:00 Uhr
Oberpfalz

Selbstversuch: Stand Up Paddling am Rußweiher [Video] Steh auf - und paddle

Immer mehr Wassersportbegeisterte stehen drauf: Stand Up Paddling. Scheinbar schwerelos gleiten sie mit Surfbrett und Paddel über das Wasser. Anstrengung? Keine Spur. Doch ist der neue Trendsport wirklich so leicht, wie er aussieht? Ein wackeliger Selbstversuch auf dem Rußweiher in Eschenbach.

Das erste Mal auf einem Stand-Up-Brett - allerdings nicht, ohne einen unfreiwilligen Abstecher in den Rußweiher. Bilder: wüw (2)
von Julia Hammer Kontakt Profil

Vor und hinter mir ist es dunkel. Einen kurzen Moment bin ich orientierungslos, dann spüre ich kalten Sand unter meinen Füßen. Ich stoße mich ab und tauche kurze Zeit später aus dem Rußweiher auf. Dort, wo ich mit meinem Kollegen Wolfgang Würth das erste Mal Stand Up Paddling testen möchte. Seit einigen Wochen bietet die Stadt an dem Weiher die neue Sportart an.

Das weiß-rote Brett treibt einige Meter vor mit. Das Paddel halte ich immer noch in meiner rechten Hand. Wohl eine Art Reflex. Vor wenigen Minuten haben wir uns das erste Mal auf das rund drei Meter lange Brett gewagt. Surferfahrung hat niemand von uns. Viel Sinn für Gleichgewicht auch nicht. Umso neugieriger sind wir, wie schwer es wirklich ist, sich auf dem Brett zu halten.

Wackeliger Anfang

Am Ufer erklärt uns Bademeister Florian Burkhardt, worauf wir achten müssen. "Die ersten Meter kniend paddeln. Wenn ihr euch sicher fühlt, dann steht langsam auf." Inzwischen stehe ich einen halben Meter tief im Wasser. Langsam schiebe ich mein rechtes Knie aufs schwimmende Brett und ziehe das linke hinterher. Es wackelt mehr als erwartet.

"Du hältst das Paddel falsch herum", ruft mir Burkhardt zu, während ich versuche, die ersten Züge zu machen. Nach einigen Minuten fühle ich mich sicherer. Meinem Kollegen geht es genauso. Zeit, aufzustehen. Das etwa zwei Meter lange Paddel platziere ich auf meinem Brett, stütze mich ab und setzte vorsichtig einen Fuß nach dem anderen auf. Ich kippe zur Seite, fange mich aber im letzten Moment wieder und stehe. Ein gutes Gefühl. Das Paddel ziehe ich erst links, dann rechts an meinem Brett vorbei und bin überrascht, wie schnell ich beschleunige. Etwas entfernt versucht mein Kollege, seinen Rhythmus zu finden. Ich will zu ihm paddeln - und stehe vor einem Problem. Wie wende ich? "Dagegenlenken" funktioniert nicht. Mein Gewicht verlagern auch nicht.

Schwerelos über Rußweiher

"Rückwärts paddeln", ruft mir mein Kollege zu. Ein guter Tipp, es klappt. Nebeneinander gleiten wir auf dem Rußweiher entlang. Kein Schwanken, kein Kippen, kein Taumeln. Wir kommen gut voran, müssen uns kaum noch auf die Bewegungen konzentrieren. Allerdings spüre ich meine Beine. Ich merke, dass ich meine Knie leicht gebeugt halte, um stabiler zu stehen. Meine Muskeln brennen. Doch es lohnt sich. Der Ausblick auf den weitläufigen Weiher und das Gefühl, beinahe schwerelos über das Wasser zu gleiten, sind es wert. Unfallfrei schaffen wir es nicht ans Ufer. Ich möchte wissen, ob wir Bretter tauschen können, während wir noch auf dem Wasser sind. "Auf keinen Fall", ist sich mein Kollege sicher. Er soll Recht behalten. Wir versuchen es trotzdem.

Immer wieder stoßen unsere Bretter zusammen, als wir sie parallel zueinander stellen wollen. Ich wackle, stütze mich mit dem Paddel auf dem Brett ab, um nicht zu fallen. "Wir wechseln bei drei. Einen großen Schritt zur Seite, dann ziehen wir das andere Bein nach." Er schafft es. Ich zögere. Und lande im Wasser. Ich erinnere mich an einen Satz, der im Infozettel für Stand Up Paddeler steht. "Nasswerden gehört dazu." Also - wieder rauf aufs Brett.

Nach einer Stunde erreichen wir das Ufer, ziehen die Bretter aus dem Wasser und legen die Paddel ab. Wir sind sicher: Stand Up Paddeln kann jeder, der keine Angst hat, das eine oder andere Mal im See zu landen.

Balance und Körpergefühl: Tipps für richtiges Stand Up Paddling

Beim Stand Up Paddling kommt es auf Balance und Körpergefühl an. Doch wie genau kommt man auf das Brett? Und was passiert, wenn man doch das Gleichgewicht verliert? Eine Bedienunganleitung, die am Rußweiher aushängt, soll den Badegästen die erste Begegnung mit dem Stand Up Paddling erleichtern. Die Ausrüstung ist schnell beschrieben. Ein Surfbrett, ein Paddel. Das Brett ist rund drei Meter lang und dicker als gewöhnliche Surfboards.

"Wir bieten zwei verschiedene Größen an. Eines für Kinder, zwei für Erwachsene. Jede angebrochene Stunde kostet vier Euro", erklärt Rettungsschwimmer Florian Burkhardt. Es selbst hat die neue Trendsportart noch nicht getestet, freut sich aber über die große Nachfrage. Bevor es auf das Wasser geht, muss das Paddel richtig eingestellt werden. Dazu stellt sich der Sportler gerade hin und streckt einen Arm nach oben. Das Paddel sollte so hoch wie der ausgestreckte Arm sein. Bevor sich der Sportler auf das Brett stellt, sollte er erst einmal im Wasser darauf knien.

"Das ist wichtig, um ein Gefühl dafür zu bekommen und die Balance zu halten", betont Burkhardt. Fühlt sich der Badegast sicher, kann er langsam aufstehen. Dabei sollten die Füße parallel nebeneinander stehen - im Idealfall direkt hinter dem Griff in der Mitte. "Die beste Balance hat man, wenn die Beine breit auseinanderstehen."

Sofort nach dem Aufstehen ist das Paddel gefragt, das zusätzliche Stabilität bringen soll. Es muss seitlich vorne ins Wasser stechen und nahe am Brett nach hinten gezogen werden. "Sobald man am Fuß ist, soll das Paddel aus dem Wasser genommen, wieder nach vorne gebracht und erneut eingetaucht werden." Nach drei bis vier Schlägen wird die Seite gewechselt, um eine gerade Bahn zu erreichen. Zum Anhalten wird das Paddel senkrecht ins Wasser gehalten. Auch zum Lenken wird es benutzt. Verliert man doch das Gleichgewicht? Kein Problem, heißt es auf dem Infozettel, der Tipps für Standfestigkeit gibt.

"Sobald man merkt, dass es wackelig wird, kann man in die Hocke oder in die Knie gehen. Durch den tieferen Schwerpunkt gewinnt man Stabilität." Auch das Paddel einsetzen ist erlaubt - als eine Art drittes Bein. Aber dennoch: "Nasswerden gehört dazu." Wichtig ist nur, das Paddel festzuhalten. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.eschenbach-opf.de. (juh)

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