06.09.2017 - 17:12 Uhr
Oberpfalz

Sprachbarrieren beheben Absprache mit Asylbegleitern

Der Helferkreis Asyl steht vor einem großen Problem. Die Flüchtlinge aus Eritrea sprechen weder Englisch, Französisch noch Arabisch. Ein Gespräch mit der Integrationslotsin des Landkreises soll helfen.

Zu einem Gespräch mit Integrationslotsin Hanen Ennacoeur (von links) trafen sich Bürgermeister Peter Lehr, Fritz Betzl und Alexandra Adam. Bild: rn
von Walther HermannProfil

Mit dieser Situation konfrontierten Alexandra Adam, Beauftragte der Regierung für die Gemeinschaftsunterkunft, und Stadtrat Fritz Betzl die seit einem Monat beim Landratsamt angesiedelte Integrationslotsin Hanen Ennacoeur. Beim Vorstellungsgespräch bei Bürgermeister Peter Lehr wurde sie mit den Problemen, die sich mit den zugeteilten Asylbewerbern aus dem nordöstlichen Teil Afrikas ergeben, "bombardiert". Während der längeren Gesprächsrunde wurde erkennbar, dass ihre bisherige Zusammenarbeit mit Ennacoeur mangelhaft war.

Ennacoeur stellte sich als ehrenamtliche Koordinatorin vor, die Asylbetreuer begleiten und unterstützen soll. Dazu gehöre auch, Fehlbelegungen in der Gemeinschaftsunterkunft durch die Vermittlung anerkannter Flüchtlinge in Privatwohnungen abzubauen. Sie räumte ein, dass der Wohnungsmarkt zur Zeit "leergefegt" und es fast unmöglich sei, "für einen Single eine Wohnung zu finden". Positive Gespräche mit dem Landkreissiedlungswerk seien ihre letzte Hoffnung. Sie sprach von einem Info-Blatt zum "Interessenbekundungsverfahren", das in Vorbereitung ist. Als Grundlage für eine Wohnungszuteilung kündigte Ennacoeur eine Warteliste an.

In Kenntnis örtlicher Gegebenheiten hakten Adam und Betzl nach. "Wie sollen Bewerbungen ohne Sprachkenntnisse ablaufen?", wollte Betzl wissen. Er verwies auf Fahrten zum Landratsamt, die ohne das Engagement der örtlichen Helfer ohnehin nicht möglich wären. "Schon für Einheimische ist es ein Problem, sich im Landratsamt zurecht zu finden", merkte er hintergründig an. Als nicht nachvollziehbar wertete er die Situation der in Neustadt am Kulm untergebrachten Eritreer, die zur Zeit mit Fahrrädern, die der Arbeitskreis Asyl zur Verfügung stellt, zum Unterricht nach Eschenbach fahren. "Was soll mit ihnen im Winter werden?", wollte er wissen. Als sich die Integrationslotsin nach Möglichkeiten im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) erkundigte, meldete Betzl Fehlanzeige. Eine "großartige Leistung" vor Ort bescheinigte er Sabine Drechsler, die in den Bereichen Wohnung, Job-Center und Arbeitsamt tätig ist.

Einen anderen Umstand prangerte Adam an: "Uns werden Flüchtlinge zugeteilt, aber wegen der Probleme zur Größe der Geldzuweisung fließen die Mittel für sie erst nach zwei Monaten." Um umständliche und zum Teil schwer realisierbare Fahrten nach Neustadt zu vermeiden, hielt sie "Sprechstunden von zuständigen Mitarbeitern des Landratsamtes in der Gemeinschaftsunterkunft für sinnvoll und erforderlich". Ein positives Beispiel war für Adam Sulzbach-Rosenberg, wo für Einzelpersonen eine größere Baumaßnahme läuft. Sie berichtete von 15 Eritreern, die Eschenbach zugewiesen wurden.

"Es ist nicht Aufgabe der Kommune, Wohnungsbau für Flüchtlinge und Asylbewerber zu betreiben", warf Peter Lehr ein und verheimlichte nicht: "Wir machen in Eschenbach wenig Probleme und erfahren vom Landkreis wenig." Der Bürgermeister hielt es für erforderlich, dass sich "Integrationslotsen mit Ehrenamtlichen vor Ort zusammensetzen, um Lösungen zu finden". Es gehe nicht an, sprachunkundige Eritreer zuzuweisen und Kommune und Ehrenamtliche vor Ort auf sich gestellt zu lassen. "Es gilt, Aufgabenfelder abzugrenzen", lautete seine Forderung.

Auf Nachfrage berichtete Hanen Ennacoeur von sechs Asylbegleitern im Landkreis. "Sie sollten mit den Ehrenamtlichen vor Ort Besuche und Termine bei Flüchtlingen und Asylanten absprechen", war der Wunsch Adams.

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