13.10.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Taubnschuster: Drei Max'n stellen sich vor

Sie haben einen besonderen Bezug zum neugestalteten Kulturzentrum "Beim Taubnschuster": drei Männer mit dem Vornamen Max. Ihnen ist auch die Sonderausstellung gewidmet, die bis 10. Dezember im neuen Saal des Anwesens, der für besondere Veranstaltungen und Wechselausstellungen bestimmt ist, gezeigt wird. "3 x Max" porträtiert Max Wolfinger, Max Gradl und Max Habith.

Elektriker und Künstler: Das war Max Gradl, der "Beermaxn-Max". Zu seinem Lebenswerk zählen zahlreiche Aktskulpturen. Einige Exemplare sind in der Sonderausstellung "3 x Max" im "Taubnschusterhaus" zu sehen. Bild: rn
von Walther HermannProfil

Die Sonderausstellung beginnt mit Erinnerungen an Max Wolfinger, den "Taubnschuster- Max" (1907 bis 1987). Sein Vater Ferdinand war als Landwirt, Schuster und Postschaffner in mehreren Berufen tätig, was in der Oberpfalz durchaus üblich war. Nur eine Tätigkeit reichte oft nicht aus, um die Familie zu ernähren. Ein wichtiges Zubrot brachte auch das kommunale Brau- und Schankrecht, das in der Familie stets ausgeübt wurde.

Genauso hielt es sein Sohn Max, der das Anwesen 1931 übernahm. Mit Ausnahme des Schusterberufes behielt er alle Tätigkeiten des Vaters bei, nutzte auch sein Braurecht und war Zoiglwirt. Bis 1969 gehörte er zu den letzten Kommunbrauern Eschenbachs. Den Felsenkeller bei den Städeln in der Grafenwöhrer Straße, in dem das Familienbier den Gärvorgang durchlief und eingelagert wurde, hatte die Familie im Jahr 1866 gekauft.

Letzter "Taubnschuster"

Nach Zweitem Weltkrieg und englischer Kriegsgefangenschaft führte Max Wolfinger mit seinen Schwestern Anna und Maria die Landwirtschaft fort. Den Namen "Taubn-schuster" liebte er allerdings nicht besonders. Wurde er mit diesem angesprochen, entgegnete er stets: "Ich heiße Wolfinger!" Max Wolfinger, der unverheiratet blieb, engagierte sich auch im öffentlichen Leben: Von 1956 bis 1966 gehörte er dem Stadtrat an. Sein sachliches Urteil und sein hilfsbereites Wesen waren allseits geschätzt. 1987 verstarb der letzte "Taubnschuster" im Alter von 80 Jahren.

Max Gradl (1926 bis 2006), der "Beermaxn-Max", widmete viele Jahre seines Lebens der Kunst. Sein Vater Johann stammte aus der Hafnerfamilie Gradl ("Hofner") am oberen Stadtplatz. 1925 heiratete er Mathilde Wolfinger, eine Tochter des alten "Taubnschusters" Ferdinand Wolfinger. In dessen unmittelbarer Nachbarschaft besaßen Gradls Tante Therese und ihr Mann Johann Berr das "Beermaxn-Anwesen". Da das Paar kinderlos blieb, erbte Johann Gradl das Haus in der Ledergasse.

Fantastische Objekte

Sein ältester Sohn Max arbeitete nach seiner Heimkehr aus der Kriegsgefangenschaft als Elektriker. Angeregt durch Kurse mit dem Pressather Künstlerpaar Langhammer beim Volksbildungswerk beginnt er 1970, sich künstlerisch zu betätigen. In seinem Heim verfügt er über Zeit und Raum, seinen Neigungen freien Lauf zu lassen. Er beschäftigt sich zunächst mit dem Material Ton, ehe er sich als Autodidakt an weiteren künstlerischen Techniken versucht. Gestalterisch arbeitet er auch mit Holz, Bronze, Natur- und Kunststein, Beton, Draht und Glas. Er verwendet Schrott aus Maschinen, baut daraus fantastische Objekte und kombiniert sie mit seinen Skulpturen aus Naturmaterialien. Gradl fertigt zudem Holzschnitte, zeichnet und malt. Zudem entstehen Hinterglasbilder.

Bemalt wird bei Max Gradl alles, was der Haushalt hergibt: Papier, Pappe, Holzplatten, Spiegel, Möbelteile - wenn es sein muss, auch ein Backblech. Bilderrahmen fertigt er selbst. Bald widmet er sich daneben der Fotografie und will anfangs wohl nur dokumentieren. Später entstehen Bilder-Studien, mit denen er seine bildhauerischen Arbeiten vorbereitet, und Bildcollagen.

Seine Werke haben drei Themen: Heimatliches, Porträtkunst und Aktskulpturen, die für Diskussionen sorgen und in keiner seiner Ausstellungen fehlen dürfen. Trotz großer Freizügigkeit wirken Gradls Arbeiten niemals peinlich. Im Blickpunkt

Im Blickpunkt: Max Habith

Max Habith, der "Wirlpeter-Max", wird 1941 als Sohn des Landarbeiters Franz Habith und seiner Frau Wilhelmine in Eschenbach geboren. "Mina" ist ebenfalls eine Tochter des alten "Taubnschusters" Ferdinand Wolfinger. Vater Franz stammt aus der südlichen Steiermark und kommt als Soldat nach Eschenbach. Aus dem Krieg an der Ostfront kehrt er nicht zurück.

Max und seine Mutter leben auf dem "Taubnschusterhof" bei der Großmutter, ehe "Mina" 1950 den ebenfalls verwitweten Landwirt Josef Roder - Hausname "Wirlpeter" - aus der Nachbarschaft heiratet. Auch beim "Wirlpeter" wird Bier gebraut: Auf dem Haus liegt eine Brau- und Schankgerechtigkeit.

1963 wird Max Habith das Anwesen seines Stiefvaters übergeben. Damit wird er zum "Wirlpeter-Max". Er ist gerne Bauer, außerdem handwerklich geschickt. Wie viele Oberpfälzer Bauern hat er aber noch einen weiteren Broterwerb: Er verdingt sich als Waldarbeiter, fährt Milch für die Molkerei und übernimmt schließlich die Stelle als Klärwärter der Stadt.

Das "Taubnschuster"-Anwesen, das Habith nach dem Tod von Max Wolfinger geerbt hat, renoviert er mit seinem Schwiegersohn Matthias Haberberger und vermietet es an den Heimatverein, der 1994 darin ein kleines Kulturzentrum einrichtet. Bis heute hilft Max Habith als Mann für alles im Verein. (rn)

Dauerausstellung und Kuchen

Die Zoigl-Tradition der Rußweiherstadt ist ebenfalls Thema im neugestalteten Museum "Beim Taubn- schuster" in der Wassergasse. Die Dauerausstellung "Ackerbürger und Kommunbrauer" präsentiert Bilder und historische Objekte zur Stadtgeschichte und zum Kommunbrauwesen Eschenbachs. Morgen, Sonntag, ist das Museum von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Für die Besucher gibt es in den Stuben Kaffee und Kuchen oder ein Glas Eschenbacher Zoigl. (hev)

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