Taubnschuster steht vor Öffnung

   
Neu gestaltet wurde der Garten hinter der alten Stadtmauer. Er wird noch mit Heilpflanzen bestückt und als Lehrgarten für Schulklassen dienen. Arbeitsblätter dafür sind bereits in Vorbereitung. Bilder: rn (2)

Der "Taubnschuster" erwacht zu neuem Leben. Der "Zoiglkirwa" am Freitag, 22. September, folgt am Sonntag, 1. Oktober, die feierliche Wiedereröffnung bei einem Tag der offenen Tür.

Vorbei sind damit die mühevollen Arbeiten zur Renovierung und teilweisen Neugestaltung des Kulturzentrums, das sogar noch einen sehr kleinen Teil der historischen Stadtmauer zeigt. Seit 2015 befindet sich das Ackerbürgerhaus im Besitz der Stadt. Die Maßnahmen zur Neugestaltung des Anwesens wurden aus städtischen Mitteln finanziert, jedoch erheblich gefördert durch die Regierung der Oberpfalz und der Landesstelle für nichtstaatliche Museen.

"Bei der Feinplanung und Umsetzung des Ausstellungskonzepts waren Museumsprofis am Werk", versichert Karlheinz Keck. Der Vorsitzende des Heimatvereins verweist auf ein Konzept des Vereins, nach dem in den beiden bisherigen Ausstellungsräumen eine Dauerausstellung zur Stadtgeschichte und zum Kommunbrauwesen eingerichtet wird. Er gibt dem Museumsbereich im Obergeschoss den Beinamen "Ackerbürger und Kommunbrauer".

Ehrenamtliches Engagement

Die jetzt städtische Einrichtung "Beim Taubnschuster - Museum Kulturhof Zoigl" wird weiterhin vom Heimatverein als ehemaligen Pächter in Zusammenarbeit mit der Stadt Eschenbach betrieben. Neben einer finanziellen Beteiligung haben die Aktiven des 1885 gegründeten Traditionsvereins in den vergangenen Monaten mit Aus- und Einräumen, Inventarisierung der Sammlungen, Ausstellungsvorbereitungen, Pflege der Neuanpflanzungen im Außenbereich und vielem anderen mehr in ehrenamtlichem Engagement Schwerarbeit geleistet, um für die Stadt Eschenbach und deren Bürger ein Vorzeigeobjekt zu schaffen.

Zum Schmuckstück des Anwesens hat eine Fachfirma den ehemaligen Kuhstall werden lassen. Dazu musste das einsturzgefährdete Gewölbe zum Teil wieder bis um 20 Zentimeter gehoben und die Decke mit Beton verfestigt werden. Ausgestattet wurde der Raum mit alten Möbeln. Die Zugangstüre vom Hof aus schmücken alte Tafeln und Scheiben mit Aufdrucken wie "Bitte Schuhe reinigen" oder "Staatlich anerkannter tuberkulosefreier Bestand". Im neu gestalteten Hofraum wachsen bereits die ersten aus der Holledau "importierten" Hopfentriebe. Die Wagenremise erhielt eine beleuchtete Bühne. Neben ihr erinnern Requisiten an das ehemalige Handwerk der Wagner und Binner. In der ehemaligen Scheunenzufahrt befinden sich nun großzügige neue Toilettenanlagen. Neu gestaltet wurde der Garten hinter der alten Stadtmauer.

Über der Remise sind großzügige Lagerräume für die heimatgeschichtlichen Sammlungen des Vereins eingerichtet. Im Obergeschoss des Stadelbereichs steht ein neuer etwa 90 Quadratmeter großer Saal für Sonderausstellungen und weitere Veranstaltungen zur Verfügung. Vom 1. Oktober bis 10. Dezember nimmt er Exponate zum Thema "3 x Max - Geschichten vom Taubnschuster" auf. Den unterhaltsamen Hintergrund liefern "augenzwinkernd" Max Wolfinger, Max Gradl und Max Habith, die eng mit dem alten Anwesen und seiner Hausgeschichte verbunden sind. "Es gibt viele alte Fotos und Gegenstände zu bewundern", kündigt Keck an.

Als Glanzpunkt des Museums wird sich den Besuchern ein vom Eschenbacher Designer Carl-Peter Fricke geschaffenes Stadtmodell nach dem Gebäudemodell der Erstaufnahme von 1839 zeigen. Es wird ergänzt durch eine Computerstation, an der die Besucher zu jedem Wohngebäude die Hausgeschichte und weitere interessante Informationen erfahren können. Über digital gesteuerte Beleuchtungseffekte ist das Programm direkt mit dem Stadtmodell verbunden. Der örtliche Programmierer Andreas Pelzer hat hierzu wertvolle Beiträge geleistet, mit deren Hilfe Stadtgeschichte optisch erlebbar wird. Zwei Videostationen und eine Audiostation zeigen vom Filmemacher Robert Neuber gedrehte Kurzfilme zur Stadtgeschichte und liefern einen Mundartbeitrag zum Anhören. Eschenbach wird lebendig als landesherrlicher Verwaltungssitz. In einer Dauerausstellung wird mit vielen Kleinteilen und viel Liebe zum Detail das örtliche Kommunbrauwesen gezeigt. Ein Randbereich dazu ist die Zinngießerei vom "Schreiner-Hansl". Er lieferte die Schmuckdeckel für die Bierkrüge.

Viel Programm

Die neue Ära beim Taubnschuster beginnt am Freitag, 22. September. Für alle Zoiglfreunde gibt es zur Eschenbacher Kirchweih ab 18 Uhr eine "Voraböffnung" mit original Zoiglbier und Kirchweihschmankerln in allen Erdgeschossstuben. Am 1. Oktober bietet der Heimatverein ein reichhaltiges Programm. Der Tag beginnt um 10 Uhr mit einem Weißwurstfrühschoppen. Um 13 Uhr folgt die feierliche Eröffnung mit Ansprachen der Ehrengäste und der kirchlichen Segnung. Ab 14 Uhr sind bei einem Tag der offenen Tür alle Räume und Einrichtungen des Zentrums zu besichtigen. Ein Kulturprogramm mit Musik verschiedener Stilrichtungen, szenische Einlagen und Darbietungen prägen den Nachmittag. Es gibt Kaffee, Kuchen, Schmankerln vom Rost und Zoiglbier: bei gutem Wetter im Hof, bei Regen im Haus.

Helfer gesuchtFür die Öffnungszeiten des Museums- und Ausstellungsbereichs sucht der Heimatverein Aufsichten. Gesucht werden auch Stühle, die in die historischen Gemäuer des Taubnschusters passen. (rn)


HistorieIn seinem Häuser- und Familienbuch verfolgt Albert Furtner die Besitzverhältnisse des Anwesens Wassergasse 21 (ehemals Hausnummer 128) ab dem Jahr 1644. Besitzer waren damals Conradt und Barbara Fiechtl, Leineweber von Thomasreuth. Nach der Herdstättenbeschreibung wird das Haus am 29.12.1721 als "zweigädig" und mit einer Herdstätte versehen geführt. Für das Jahr 1764 ist nachzulesen: "Alles gut gewölbt sauber aufgemauert und der Gefahr entfernt. Doch soll dessen Schlott um 3 Ziegl höher aufgeführt werden." Mit Rechten befasst sich ein Eintrag aus dem Jahr 1808: "Wohnhaus ganz gemauert und mit einem angebautem Stadel so in der Vierung gemauert. Auf dem Haus: Weberprofession wie auch Bierbrau- und Schankgerechtigkeit (wird aber nicht betrieben)."

Die Stadtbrände des 19. Jahrhunderts verschonten auch die Wassergasse im tiefer liegenden nördlichsten Teil der Stadt nicht. Am 29. Dezember 1825 wurden Wohnhaus und Stadel eingeäschert. In seiner Chronologie nennt Furtner für das Jahr 1861 erstmals den Namen Wolfinger: "Wolfinger Johann und Theresa, geb. Diepl, erwerben das Anwesen um 400 fl." Den "Wiederaufbau des abgebrannten Anwesens" datiert er auf das Jahr 1868.

Es folgen 1898 der Neubau landwirtschaftlicher Gebäude, im Juni 1906 der Aufbau von zwei Dienstbotenkammern und einem Kamin und 1930 die Instandsetzung der baufälligen Scheune. Am 24.3.1931 übernimmt Max Wolfinger das Anwesen. (rn)
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