Vor 100 Jahren bekommt Eschenbach ein neues Gefängnis
Manchmal ging es lustig zu

Schwere Jungs und leichte Mädchen "wohnten" zeitweise in der Eschenbacher Fronveste. Bilder: rn (2)

Vor 100 Jahren erhielt die Stadt ein neues Gefängnisgebäude. Das alte war baufällig geworden. Heimatforscher Hans Ott hat interessante Details ermittelt.

Er blickt zurück auf die napoleonische Zeit, als Maximilian Graf von Montgelas mit einer "Gebietsreform" Maßnahmen durchsetzte, mit denen der Staat in die Moderne geführt werden sollte. In Eschenbach wurde 1803 als Nachfolge des Pflegamts ein Landgericht eröffnet. Dem Landrichteramt unterstanden nun die Gebiete der ehemaligen Ämter Grafenwöhr, Kirchenthumbach, Thurndorf, Speinshart, Michelfeld, der Markt Neuhaus und die Gemeinde Filchendorf. Das größere Gebiet und die größere Einwohnerzahl des neuen Landrichteramts waren wohl auch der Grund, einen Gefängnisneubau ins Auge zu fassen.

1817 errichtete der Staat die neue Fronveste in der heutigen Oberen Schlossgasse. Ganz glücklich scheint man mit ihr nicht gewesen zu sein. 1839 gab es die ersten Beschwerden, weil sie zwar hell und geräumig, aber unzweckmäßig gebaut worden sei. Es wurde beklagt, dass die "Verhafteten nicht nur unter sich, sondern auch nach außen ungehindert mit anderen sich unterhalten können".

Die Regierung forderte daraufhin einen Bericht an, wie dieser "Übelstand" am zweckmäßigsten zu beseitigen ist. Den Nachforschungen Otts ist zu entnehmen, dass es in der Fronveste anscheinend lustig zuging, denn die Bekannten und Verwandten konnten sich mit den Gefangenen unterhalten, ohne um Besuch gebeten zu haben.

Eine unrühmliche Rolle spielte das Gefängnis in den Jahren 1933 und 1934. Damals wurden Eschenbacher und auch andere Bürger, die nicht auf der Linie der NSDAP lagen, in "Schutzhaft" genommen. Anschließend scheint das Gefängnis wieder seine "normale" Aufgabe erfüllt zu haben. Es ist überliefert, dass am 13. Juli 1936 ein Arbeiter als Vilshofen wegen einer Rauferei verhaftet und auf dem Weg zum Gerichtsgefängnis von seinen mitangeklagten Familienmitgliedern befreit wurde.

Von 1942 bis 1945 war das Amtsgerichtsgefängnis geschlossen und diente dann einige Zeit den Weißrussen unter General Wlassow als Quartier. Auf Befehl der amerikanischen Militärregierung, sie hatte ihren Sitz im Amtsgerichtsgebäude am Marienplatz, wurde das Gefängnis nach Kriegsende wieder eröffnet. In der ersten Zeit fanden vor allem "leichte Mädchen", Alkoholschmuggler und Hamsterer befristete Aufnahme. Als die Liebesdienerinnen einsaßen, sollen im Gefängnis oft "wilde Partys" gefeiert worden sein. Nach Erzählungen von Anwohnern brachten Amerikaner Getränke mit.

1947 wurde das Gefängnis wieder von der Justiz übernommen. Am 30. April 1959 endet die Geschichte des Gefängnisses, es wurde aufgelöst. Das leerstehende Gebäude wurde in den Jahren 1986 bis 1989 als Asylbewerberheim genutzt.
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