16.04.2018 - 20:10 Uhr
Oberpfalz

Vor 150 Jahren: Großbrände in Eschenbach

150 Jahre ist es her, dass zwei schwere Brände in Eschenbach wüten und die Stadt fast gänzlich einäschern. Doch das ist auch der Anfang von etwas Neuem: Die Feuerwehr Eschenbach entsteht.

Alten Aufzeichnungen ist zu entnehmen, wann und wo Großbrände in der Stadt wüteten. Archivbild: exb
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Die Stadt Eschenbach brannte zu 90 Prozent nieder. Die zwei großen Brände in den Jahren 1867 und 1868 veränderten das Stadtbild völlig: Die Häuser am Marktplatz, die durchwegs mit einem Giebel den Ort charakterisierten, mussten aus feuerpolizeilichen Gründen nun traufständig gebaut werden. Für die Dächer schrieb das Innenministerium Schiefer vor, um den notleidenden Menschen im Frankenwald zu helfen.

Die Gassen wurden zudem verbreitet und manche Familien mussten vor die Stadt umgesiedelt. Neue, gerade Baulinien ergänzten den Eingriff. Misthaufen, die vor den Häusern am Marktplatz lagen, kamen weg. Bis dahin hatte es noch keine organisierte Feuerwehr in Eschenbach gegeben. Beim ersten Brand "vergaß" die Stadt das Löschen, da es wichtiger war, die Menschen und das Hab und Gut vor den Flammen zu retten.

Straßen zu eng

Obwohl es eine Bürgerwehr gab, die auf solche Fälle vorbereitet wurde, versagte sie bei den Großbränden. Zwar gab es eine Feuerspritze, doch die Gassen waren zu eng, um sie einzusetzen. Organisiertes Löschen gab es nicht. Wasser musste vom Stadtweiher geholt werden. Ob die Eimer-Kette funktionierte, verschweigt der Bericht zu dem Bränden. Es gab zwar zwölf Pumpbrunnen in der Stadt, bei Brand aber versiegten sie. Nur der Kettenbrunnen beim Pfarrhof blieb aktiv.

Der Landgerichtssassesor Plasi ergriff infolgedessen die Initiative: Er folgte dem Aufruf des Bezirksamtmanns Zethner vom 4. Juli 1868 - und die Freiwillige Feuerwehr Eschenbach wurde am 10. Oktober 1868 gegründet. Im Juni 2018 begeht sie ihr 150-jähriges Gründungsfest. Beim verheerenden Brand in Auerbach am 27. Juni 1868, durch den 107 Hauptgebäude und 111 Nebengebäude vernichtet wurden, waren Eschenbacher zum Löschen da, obwohl es noch keine Feuerwehr gab. Am 24. Juni 1867 zerstörte ein Feuer 56 Wohngebäude und nahezu 130 Nebengebäude. Der südwestliche Teil der Stadt brannte ab. Eine Frau erstickte in den Flammen. Nur ein Rind und drei Schweine wurden als Verlust gemeldet, da sich der andere Teil auf der Weide befand.

Das Amberger Tagblatt schrieb: "(...) Der riesige Forschritt hatte seinen Grund darin, dass das Feuer, welches in der ganz engen Hintergasse aufgegangen war, von einem heftigen Winde nordostwärts gegen die Hauptstraße geworfen wurde, woselbst in den meist hölzernen, zum großen Theil mit Futtervorräthen angefüllten Hintergebäuden dem wüthendem Elemente reiche Nahrung sich bot, so daß in einem Zeitlauf von zwei Stunden der größte Theil der nunmehr 52 Wohnhäuser in Flammen stand." Bewohner kamen mit Löschmaschinen aus Grafenwöhr, Pressath, Neustadt/Kulm, Kemnath Vilseck, Auerbach, Kirchenthumbach und Pappenberg, um die Flammen zu ersticken. Die Eschenbacher waren laut dem Artikel mit der Rettung der geringen Habseligkeiten beschäftigt. "Der Brand soll durch zwei Kinder verursacht worden sein, welche, von ihrer schwerkranken Mutter nicht überwacht, auf dem Dachboden Johannisfeuer schürten." Der Vater widersprach zwar heftig dieser Zeitungsdarstellung, eine richtige Untersuchung aber gab es nicht. 102 Familien waren erst einmal obdachlos.

400 Obdachlose

Am 10. Mai 1868 brannte es in Grafenwöhr, kurz darauf in Eschenbach. Dort brach auch am 18. Mai und am 16. September ein Feuer aus. Die Flammen äscherte im Mai 63 Wohn- und 93 Nebengebäude ein, 400 Menschen wurden obdachlos. Der Teil des Kaufhauses Max Scherm bis hin zur Fronfeste brannte aus. Derzeit wird sie als Nebengebäude für die Polizei saniert. Der Septemberbrand vernichtete sechs Anwesen. Diesmal betraf es den nördlichen Teil der Stadt. Verschont blieben die Amtsgebäude: das Bezirksamt, das Malz- und Brauhaus, aber auch der Bereich um die Kirche. Möglicherweise wurde hier besonders gelöscht. Die Fronfeste brannte komplett aus. Derzeit wird sie äußerlich so renoviert, wie sie einmal ausgesehen hat.

Die Feuerwehren kamen von weit her: Von Auerbach, Kemnath und sogar aus Weiden waren sie angerückt. Hier gab es seit 1861 eine Freiwillige Feuerwehr. Wie sie informiert wurden - vielleicht über eine Telegrafenleitung - und wie lange sie mit zwei Pferden auf den nur geschotterten Straßen nach Eschenbach brauchten, ist nicht mehr herauszufinden.

Es wurde erzählt, dass ein Blitz in das Haus des Metzgers Joseph Burger (heute Druckerei Stock) eingeschlagen habe. Die Gerüchte um eine Brandstiftung verstummten dennoch nicht. Überregionale Zeitungen berichteten, dass die "diesjährigen Abbrändler" den Wunsch nach "gleich schönen Häusern" hätten, wie solche ihre Schicksalsgenossen vom Vorjahr besitzen". Beweisen ließ sich aber nichts. Einen Brand gab es auch vor der Heuernte. Der Bezirksamtmann nannte einen "unbemerkt gebliebenen Bauschaden" als Ursache.

Gerüchte um Brandstiftung

Vergleicht man den gemeldeten Schaden mit der Summe der Pflichtbrandversicherung, so deckte diese den Schaden nur zur Hälfte. Aber bei den vielen Bränden in der Oberpfalz gab es reichlich Spenden. So überwies König Ludwig II. im Jahr 1867 rund 1000 Gulden an Eschenbach, in vielen anderen Städten wurden Geld und Naturalien gesammelt. Damit kam Geld in die Stadt und Handwerker konnten beschäftigt werden.

Fremdarbeiter führten währenddessen zu Sicherheitsproblemen. Man könnte fast die Ansicht vertreten, dass ein Stadtbrand ein Konjunkturprogramm darstellte. Die Kammer des Inneren stellte 1887 fest, dass in dem Augenblick, in dem von Regierungsseite aus die Sammlungen in anderen Orten verboten wurden, die Brände in der Oberpfalz abnahmen. Von Eschenbach blieb im wesentlichen nur der Teil westlich der Pfarrkirche verschont. Doch dieser brannte am 25. Juni 1901 ab. Auch da gab es Gerüchte um Brandstiftung.

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