Vortrag von Archäologe Dr. Mathias Hensch im Malzhaus
Relikte aus dem Mittelalter

1999 erreichte Dr. Mathias Hensch ein Anruf, dass in Thurndorf nach Abriss eines bäuerlichen Anwesens ein mittelalterliches Mauerwerk zum Vorschein gekommen war. Ein drei bis vier Meter hoher Turmstumpf ragte plötzlich aus der Erde. Welche Überraschungen die Ausgrabungen noch ans Tageslicht brachten, verriet Hensch nun bei einem Vortrag.

(jma) Bis zu diesem zufälligen Fund im Jahr 1999 war dieser Turm der mittelalterlichen Burg Thurndorf völlig unbekannt, wusste der Archäologe. Deshalb sei das Bauwerk auch nicht in der Denkmalliste des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege aufgeführt. Nur noch vereinzelte Thurndorfer kannten den Stumpf als Reste eines Wehrturmes aus dem Mittelalter. Nach ersten Untersuchungen sei schnell klar gewesen, dass man hier auf etwas Besonderes gestoßen sei - Relikte aus dem Mittelalter. So wurde nun Anfang August 2002 mit den Grabungen begonnen.

Drei hohe Türme

Dabei kamen gut erhaltene Reste der Burgruine zum Vorschein, so dass für das Jahr 2004 weitere flächendeckende Grabungen geplant wurden. Diese kamen jedoch nicht mehr zustande. Fest stand aber, dass die Herren von Thurndorf im 11. Jahrhundert eine wichtige Rolle im Komplex der Grafen von Sulzbach hatten. In mehreren Schriften sei immer wieder die Rede von den Herren von Thurndorf. Es muss sich bei der Burg um eine wehrhafte, großflächige Anlage gehandelt haben, die in Thurndorf stand, meinte Hensch. Drei hohe Türme soll es gegeben haben: Einer sei der Kirchturm gewesen, der zweite Turm dürfte der gefundene Stumpf gewesen sein. Aber es gab anscheinend noch einen dritten Turm.

"Die Ausdehnung der Anlage dürfte so um die 100 Meter gewesen sein", informierte Hensch. Auch rund um die Burg war im Mittelalter großer Betrieb. So sind aus dem 14. Jahrhundert 32 selbstständige Bauernhöfe überliefert. Bereits im 10. Jahrhundert konnten die Archäologen Holzbauten nachweisen. "Aber es könnte sogar noch früher sein."

Diese Holzbebauung dürfte im 11. Jahrhundert aufgegeben worden sein. Deswegen rechnen die Archäologen mit einem Siedlungsbeginn im späten 10. Jahrhundert. Wobei das Ausgrabungsteam einen Ohrring in einem Graben gefunden hatte, der aus dem 9. Jahrhundert stammt. Das deute auf einen Siedlungsbeginn im 9. Jahrhundert hin, "was man aber schwer beweisen kann".

Erhalt der Ruinen schwierig

Die Schwierigkeit liege heutzutage in der Erhaltung der Ruinen, betonte Kirchenpfleger Franz Eller. Zur kalten Jahreszeit müsse die Anlagen abgedeckt werden. Schmelzwasser greife die Steine an. Zum Schluss betonte Dr. Hensch nochmals, dass er gerne bereit wäre, mit den Ausgrabungen fortzufahren, da er denke, noch mehr archäologische Funde in Thurndorf zu machen. Dies sei aber zurzeit nicht möglich, bedauerte er.
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