02.03.2018 - 20:00 Uhr

Forstbetriebsgemeinschaft: "Es muss Verändderungen geben" - Zusammenarbeit oder Fusion Nachdenken, wie es weitergeht

"Die Fusion mit mehreren Forstbetriebsgemeinschaften wäre ein Sicherheitsnetz." Dem Urteil von Michael Lutze schließt sich Markus Heining, der scheidende Vorsitzende der FBG Eschenbach, an: "Es muss Veränderungen geben", fordert er.

Michael Lutze von der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft analysierte die Lage der Forstbetriebsgemeinschaft Eschenbach. Bild: rn
von Walther HermannProfil

Eschenbach/Speinshart. Zu ihrer Jahreshauptversammlung hatte die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) einen kompetenten Referenten geladen. Michael Lutze von der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft informierte über Organisation und Entwicklung der Forstbetriebsgemeinschaften in Bayern und leitete daraus Optionen für die FBG Eschenbach ab.

In einem Zahlenvergleich sprach er von landesweit 165 540 Mitgliedern, woraus sich ein Mittelwert von 1245 pro FBG ergebe. Eschenbach verfüge nicht nur über eine relativ geringe Zahl von 749 Mitgliedern, sondern betreue auch nur eine Waldfläche von 5112 Hektar (bayerischer Durchschnitt: 9797 Hektar). Dies schlage sich auch in der Vermarktungsmenge von 15 454 Festmeter pro Jahr (25 083) nieder.

Die Haupt- und Unterstützungsprozesse der Forstbetriebsgemeinschaften in Bayern sah der Referent in Hackschnitzel-Bereitstellung, Holzvermarktung und Waldpflegeverträgen, begleitet von 338 forstlich ausgebildeten Mitarbeitern. "Ihr Reinhard Wiesent ist ein Einzelkämpfer in diesem Aufgabengebiet; hoffentlich passiert ihm nichts", merkte Lutze an. Denn einer Muster-FBG ordnete er Vorstand, Geschäftsführer, forstliche Mitarbeiter und Verwaltungsangestellte zu.

Den Ist-Zustand der Eschenbacher FBG beschrieb er so: nachhaltig und zukunftsfähig ausgestattetes Büro und Außendienst, kein Vertreter, kein Angebot an Betriebsleitung und -ausführung im Kommunalwald, Abschluss von umfassenden Waldpflegeverträgen nicht möglich. Erforderlich sei daher ein forstlich ausgebildeter Mitarbeiter. Als Ideallösung und Zukunftsoption regte der Redner daher an: "Zusammenarbeit oder Fusion mit mehreren Forstbetriebsgemeinschaften." Als Vorteile einer Neuordnung nannte er: Kostensenkung bei Büro, EDV und Verwaltung, Vertretungssicherheit bei Krankheit und Urlaub sowie Erfahrungsaustausch. Lutze rief die Waldbesitzer zum Nachdenken darüber auf.

FBG-Geschäftsführer Reinhard Wiesent hielt es für wichtig, sich rechtzeitig mit der Frage "Wie gehen wir vernünftig weiter?" zu beschäftigen. "Lutze hat uns aufgezeichnet, wo wir uns befinden", resümierte Markus Heining und dankte dem Referenten mit einem guten regionalen Tropfen. Albert Nickl sah in der FBG Eschenbach eine "kleine, feine und gut aufgestellte Forstbetriebsgemeinschaft", der Reinhart Wiesent mit Herz und Leidenschaft Leben gebe. Der Bürgermeister, der auch für seine Amtskollegen aus Eschenbach und Kirchenthumbach sprach, rief dazu auf, die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen.

"Einschlag-Zurückhaltung im Privatwald bringt Nachteile", meinte Josef Liegl. Der Vorsitzende der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberpfalz sparte nicht mit der Kritik an einem angestrebten dritten Naturpark in Bayern: "Wir brauchen keine Käseglocke über unseren Wäldern; wir tun trotz der Nutzung etwas Gutes für den Wald."

Jörg von Krieglstein von der Berufsgenossenschaft beleuchtete das Unfallgeschehen 2017 mit 25 Toten in bayerischen Wäldern. Für Schutzausrüstung bei Waldarbeiten machte sich auch Josef Fütterer stark. Mit Blick auf eine Fusion sprach der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes von einer Überforderung Wiesents und forderte, "frühzeitig zukunftsorientiert zu handeln".

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