27.02.2018 - 20:00 Uhr

Forstbetriebsgemeinschaft: Wetter wird "extremer und launischer" - Borkenkäferbefall im Sommer Kein leichtes Jahr für den Wald

Ob Kleinst- oder Großmenge: Das von den Mitgliedern der Forstbetriebsgemeinschaft Eschenbach (FBG) im Wirtschaftsjahr 2016/2017 angebotene Nutzholz summiert sich auf eine Vermarktungsmenge von 15 474 Festmeter. Da von den 749 Mitgliedern aber nur 148 als Lieferanten aufgetreten sind, nennt Geschäftsführer Reinhard Wiesent diese Zahl "noch ausbaufähig".

Johanna Zintl wird von März bis Oktober die Mannschaft der Forstbetriebsgemeinschaft verstärken. Bild: rn
von Walther HermannProfil

Eschenbach/Speinshart. Regelmäßige Informationen, Aus- und Fortbildungsmaßnahmen, Veranstaltungen und Holzvermarktungen prägten das Jahresgeschehen bei der FBG. In der Jahreshauptversammlung im Gemeindezentrum Speinshart sprach Wiesent von neun Rundschreiben und Informationsbriefen an die Mitglieder sowie von acht Fortbildungsangeboten mit Themen, die "die Zukunft unserer Wälder" betreffen. Als "sehr gut besucht" stufte er Informationsveranstaltungen etwa zu Pflanzung von Wuchshüllen, Waldkindergartenfest Grafenwöhr, Bauernmarkt Eschenbach und "Den Wald fit für die Zukunft machen" ein. In seinen Betrachtungen zum Witterungsverlauf und zu dessen Auswirkungen auf den Wald merkte Wiesent unter anderem an, dass das Wetter "extremer und launischer" werde.

Die "sehr schwierigen Witterungsverhältnisse" seit Anfang Dezember und die damit verbundene schlechte Befahrbarkeit der Waldflächen bedeuteten ein großes Problem für die Holzernte, sagte er. Ein weiteres Problem sah er im Verhalten von Sägewerken, die vermehrt Kleinmengen nicht mehr annehmen. "Das Bündeln zu Lieferungen und das nachträgliche Aufteilen der Erlöse bedeuten für unsere FBG erhöhten Zeit- und Kostenaufwand", resümierte der Geschäftsführer. Als eine Herausforderung betrachtete er die erfolgreiche Rodung des neuen Industriegebiets in Eschenbach.

Seine Ausführungen zur Preisentwicklung beinhalteten Rückgänge wegen Käfer- und Windwurfholz, aber auch die beruhigende Nachricht, dass sich das Preisniveau inzwischen wieder auf der Höhe des Vorjahres eingependelt habe. Mit Hinweis auf gute Preise rief Wiesent dazu auf: "Melden Sie uns Lärchenstämme für die Hopfenbauern und starke Eichen."

Platz für Pflanzen schaffen

Die Bestellungen von 45 360 Laubholz- und 9120 Nadelholzpflanzen kommentierte er mit dem Satz: "Unsere Waldbauern pflanzen sehr gut." Er rief jedoch dazu auf, vorher dafür Raum zu schaffen und nur so viel Laubholz wie nötig zu pflanzen. Der Weißtanne bescheinigte er ein solides Wachstum. Auch zeigte er sich überzeugt, dass die Fichte als Mischkultur weiterhin ihre Berechtigung haben werde.

Trockene Witterung nutzen

Zur Wahrung von Abnahmekontakten hat die FBG vertraglich bereits Lieferungen an Sägewerke zugesichert. Der Geschäftsführer appellierte daher an die Waldbauern, durch Bereitstellung von Stämmen diese für den Holzmarkt wichtige Vorgehensweise zu unterstützen und die derzeitige stabile und trockene Witterung für den Holzeinschlag zu nutzen. "Die Holzpreise haben sich seit dem jüngsten Rundschreiben nicht verändert und gelten zum Großteil bis Ende April", versicherte er seinen Zuhörern.

Bei Wipfelschaden oder Borkenkäferbefall wünschte sich Wiesent die Markierung der betroffenen Bäume. Dies erleichtere den Mitarbeitern der FBG das Auffinden. Wiederholte Unfälle nahm er zum Anlass, den richtigen Gebrauch der Motorsäge und die erforderliche Schutzkleidung anzumahnen. Für 21. Juli kündigte er eine Fahrt zur Messe "Interforst 2018" nach München an.

Als neue Mitarbeiterin stellte sich Johanna Zintl vor. Sie hat ihr Forstwirtschaftsstudium in Weihenstephan beendet und wird bis zum abschließenden Besuch der Forstschule Lohr von März bis Oktober in den Wäldern der Forstbetriebsgemeinschaft Praxiserfahrung sammeln.

Borkenkäfer: Jetzt Kontrolle und Aufarbeitung

"Kleine Tierchen gegen starken Baum": FBG-Geschäftsführer Reinhard Wiesent beklagte den Befall mit Borkenkäfern, der explosionsartig vom sturmgeschädigten Raum Passau bis in unsere Wälder erfolgte und im August besonders im Bereich Alt- und Neuzirkendorf Höchstmaße erreichte. Drei Käfergenerationen in einem Baum seien keine Seltenheit gewesen.

Sein Appell an die Waldbesitzer lautete deshalb: "Nutzen Sie jetzt die etwas ruhigere Zeit, um Ihre Wälder auf noch befallene Käferbäume zu kontrollieren, und betreiben Sie Waldhygiene!" Dazu zählte Wiesent das Aufarbeiten von Einzelwürfen, abgebrochenen Stämmen und Spitzen sowie das Verbrennen, Mulchen oder Häckseln von Reisig. (rn)

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