02.06.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Sudetendeutsche und tschechische Nachbarn Völker-Freundschaft stärken

Was vor 70 Jahren für nicht möglich gehalten wurde, ist heute Realität: Sudetendeutsche und tschechische Nachbarn sind Freunde geworden und haben einen regen Austausch.

von Walther HermannProfil

Im Vorfeld des 68. Sudetendeutschen Tages, der zu Pfingsten in Augsburg stattfindet, hatte die Sudetendeutsche Landsmannschaft (SL) zu einer Mitgliederversammlung ins "Haus der Heimat" geladen. Kreisobmann Walther Hermann skizzierte die aktuelle Situation der SL und befasste sich mit Aktivitäten zum östlichen Nachbarland. Für die Sudetendeutsche und tschechische Freundschaft sei das Büro in Prag ein lebendiger Brückenpfeiler und Dienstleister. "Wir haben mit dem ,Heiligenhof' in Bad Kissingen eine florierende Bildungsstätte. Wir haben aber auch gute politische Kontakte", sagte Hermann weiter und zählte dazu die Schirmherrschaft des Freistaates Bayern und die Freundschaft des Landes Hessen."

Als zukunftsorientiert bezeichnete er die Besuche und Äußerungen tschechischer Politiker in der Vergangenheit. Dazu zählte er die Teilnahme der tschechischen Ministerin Michaela Marksova und Vizepremier Pavel Belobradek an der Gedenkfeier 2015 zum Wiesbadener Abkommen und deren anschließenden Besuch im Sudetendeutschen Haus in München.

"Natürliche Verbündete"

Hohen Stellenwert maß Hermann der Ansprache des tschechischen Kulturministers Daniel Hermann beim Sudetendeutschen Tag 2016 und einem Interview von Premier Bohuslav Sobotka mit der Zeitung "Pravo" bei, bei dem dieser erklärte: "Die Sudetendeutschen sind unsere natürlichen Verbündeten in Mitteleuropa". Eingehend befasste sich der Kreisobmann mit dem Deutsch- Tschechischen Kommunalkongress, bedeutend für die deutsch-sudetendeutsch-tschechischen Beziehungen. Beim ersten Kongress 2013 im Passauer Rathaus ging es darum, die "Volksdiplomatie" mit den tschechischen Nachbarn voranzutreiben. Schon beim zweiten Kommunalkongress im September 2016 in Pilsen ist dann deutlich geworden: "Tschechische Kommunen suchen verstärkt die Kooperation mit Deutschen und schätzen die Sudetendeutschen inzwischen als ortskundige Partner."

Mit Beispielen berichtete Hermann darüber, wie tschechische und deutsche Kommunalpolitiker, ihre sudetendeutschen Partner sowie Vertreter der deutschen Minderheit in Tschechien bei Fachvorträgen Erfahrungen austauschen und Anregungen für eine weitere Vertiefung ihrer Zusammenarbeit erhalten.

Interesse für Partnerschaft

Zentrales Ziel der Veranstaltung, zu der SL-Sprecher Bernd Posselt und der Vorsitzende des Sudetendeutschen Heimatrats, Franz Logins, geladen hatten, sei es, Interesse für neue Partnerschaften zu wecken und noch bestehende Hindernisse abzubauen. Die Kongressteilnehmern zitierten gerne Prinz Vladimir Lobkowicz, Vizebürgermeister von Pilsen-Krimitsch: "Ich freue mich, dass ich hier sprechen kann, weil ich auch der Meinung bin, dass das deutschsprachige Kulturerbe ein fester Bestandteil des Kulturerbes dieses Landes ist."

Die Journalistin Ludmila Rakusanova habe zur "großartigen Vorarbeit der Sudetendeutschen" deutlich gemacht: "Jetzt ist es an den Tschechen zu reagieren - nicht wegen Deutschen, sondern für sich selbst, denn sonst werden sie instrumentalisierbar für Populisten."

Ich bin auch der Meinung, dass das deutschsprachige Kulturerbe ein fester Bestandteil des Kulturerbes dieses Landes ist.Prinz Vladimir Lobkowicz,Vizebürgermeister von Pilsen-Krimitsch
Jetzt ist es an den Tschechen zu reagieren. Für sich selbst, sonst werden sie instrumentalisierbar für Populisten.Ludmila Rakusanovaabe über die Vorarbeit der Sudetendeutschen
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.