Marktrat Eslarn
Brandschutz allein reicht nicht

Das ehemalige Eslarner Schulhaus steht vor einer Generalsanierung. Anlass ist der fehlende Brandschutz. Bild: fjo
Politik
Eslarn
11.10.2017
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Die Bezeichnung der Eslarner Schulhausstraße geht zurück auf das ehemalige Schulgebäude, das hier noch steht und längst ein Gästehaus ist. Nun steht das historische Gebäude vor einem erneuten Wandel.

Eslarn. Hellhörig sei Bürgermeister Reiner Gäbl bei einer Begehung vor rund einem Jahr durch die Baubehörde des Landratsamts geworden. Nach der mündlichen Auskunft, wonach das Haus wegen Brandschutz und der Fluchtwegsituation nicht für eine Personennutzung geeignet sei, habe er schnellstens erste Schritte unternommen. Er wollte unbedingt einer entsprechenden schriftlichen Anordnung vorgreifen und betraute Architekt Markus Rösch, eine Planung unter Berücksichtigung entsprechender Förderprogramme zu entwerfen.

Weiter gab der Rathauschef die Ergebnisse einer Besprechung mit der Regierung der Oberpfalz in Regensburg bekannt. Im ersten und Obergeschoss könnten auf insgesamt 420 Quadratmetern sechs Wohnungen mit einer Größe zwischen 42 und 72 Quadratmetern entstehen. Im Erdgeschoss ließe sich durch eine Förderung aus Mitteln des Städtebauprogramms mit einem Zuschuss von 60 Prozent eine Nutzung für kommunale Belange integrieren.

Gäbl für Generalsanierung

Zudem habe der Architekt zu erneuten Verhandlungen mit der örtlichen Genehmigungsbehörde wegen der Ausprägung des Brandschutzes mit einem zweiten Rettungsweg geraten, da er diese Hürde als "sehr hoch" beurteile. Auch ein Abriss und die anschließende Errichtung eines Ersatzbaus sei durch den Planer bei der Diskussion zur Sprache gekommen.

"Dann gibt es aber keine Förderung", erklärte Gäbl, und der Gemeinde entstünden geschätzte Kosten von 200 000 Euro brutto. Als Alternative bestehe die Möglichkeit, für rund eine halbe Million Euro nur brandschutztechnische Maßnahmen durchzuführen. Gäbl plädierte jedoch für eine Generalsanierung, um den Anforderungen an gesunde Wohn- und Lebensverhältnisse gerecht zu werden.

Die Kosten hierfür kämen mit Berücksichtigung einer Gemeindebedarfseinrichtung im Erdgeschoss auf 1,16 Millionen Euro. 700 000 Euro davon ließen sich über Mieten wieder vereinnahmen und für die Sanierung des Erdgeschosses könnten 252 000 Euro als Zuschuss erwartet werden. Somit blieben 368 000 Euro an der Kommune hängen. Der Bürgermeister sah dieses Angebot "also günstiger als Variante B".

Als Gesamtprognose für das Projekt rechne der Architekt mit Kosten von 1,7 Millionen Euro (inklusive nicht förderfähiger Kosten). Gäbl hielt die sanierten und barrierefreie Wohnungen für "einen guten Standard", der auch in Eslarn gesucht werde. Trotzdem habe der Architekt geraten, einen Teil des Gebäudes weiterhin gemeindlich zu nutzen. Bislang geschehe dies durch die Musikschule und zwei Fanclubs. Die Einrichtung werde auch von AWO und VHS genutzt sowie für die Mutter-Kind-Gruppe.

Voit spricht von "Witz"

Wolfgang Voit beurteilte die finanzielle Seite als "sehr optimistisch dargestellt vom Architekten", denn die Kosten für die Gemeinde lägen zunächst einmal bei rund 1,7 Millionen Euro: "Das ist doch ein Witz." Deshalb fragte er den Bürgermeister: "Warum machen wir nicht ein ganzes Projekt über die Städtebauförderung daraus mit 60 Prozent Förderung?" Das vom Planer favorisierte Programm beurteilte er als "nicht gerade etwas Besonderes."

Auch brachte Voit die damit verbundene Mehrung der Kredite zur Sprache. Geschäftsleiter Georg Würfl gab hingegen zu bedenken, dass zu erwartende Mieteinnahmen bei einer Förderung gegengerechnet würden. Wegen des Bedarfes an Wohnung bat Gäbl, auf weitere Änderungen zu verzichten oder das Projekt gar umzuplanen. Ebenso sah er einer reine Erneuerung des Brandschutzes als eine "hinausgeworfene halbe Million." Für Georg Zierer sei das Haus eine Aufwertung für Eslarn. Auch Eduard Forster bekräftigte das.

Derweil hatten verschiedene Markträte nachgerechnet, und präsentierten einen Quadratmeterpreis nicht von 4, sondern von 6,80 Euro für die Mieter. Voit bat deshalb zu bedenken: "Dann stimmt die Prognose nicht, sondern wir bleiben nach 20 Jahren auf mindestens weiteren 200 000 Euro sitzen." Sein Fraktionskollege Josef Illing bat jedoch zu bedenken, dass weitere Ausgaben allein für die Heizkosten auch eine derartige Summe ergeben würde.

Nachdem sich eine Mehrheit für eine Generalsanierung abzeichnete, bat Voit zumindest um Prüfung, ob die Kommune über eine Rechtschutzversicherung für Mietstreitigkeiten verfüge. Gäbl sprach noch das bereits sanierte Dach an und meinte, die darauf angebrachte Solaranlage der Bürger müsse erhalten werden. Gegen die Stimmen von Kurt Baumann, Voit und Albin Meckl sprach sich die Mehrheit der Markträte für eine Generalsanierung.
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