03.09.2017 - 20:00 Uhr
EslarnOberpfalz

Elternbeirat bietet Kindern Geschichten aus Böhmen Ausblick auf die Geschichte

Ein toller Ausblick vom Aussichtsturm und spannende Geschichten von ehemaligen Grenzbewohnern standen beim Elternbeirat der Grundschule auf dem Schulplan des Kinderferienprogramm. Bestens organisiert wurde das Unternehmen von Vorsitzender Roswitha Süß mit ihrem Team.

Verkleidet als ehemalige Bewohnerin des böhmischen Dorfes Bügellohe schilderte Maria Hammerer den Kindern und Erwachsenen einige Begebenheiten. Bild: gz
von Karl ZieglerProfil

Bei Friedrichshäng übernahm der erfahrene Wanderer Ernst Meindl die Führung zur Aussichtsplattform des Böhmerwaldturms. Der kurze Fußmarsch der 20 Kinder und 15 Erwachsenen wurde bei herrlichem Wetter mit einer tollen Aussicht auf den Oberpfälzer und Bayerischen Wald belohnt. "Hinter diesem Hügel liegt in einer Senke Eslarn", stellten Eltern fest.

Der Weg führte zum ehemals böhmischen Wenzeldorf, wo Meindl das Leben der ehemaligen Bewohner noch einmal erwachen ließ. Ans Dorf erinnern lediglich noch einige Grundmauern und zurück gelassene Haushaltsgegenstände wie Blechbehälter und Teller. Bevor es weiter zur verlassenen Siedlung Bügellohe ging, einem bügelähnlichem in das tschechische Nachbarland ragende Gelände, lud der Elternbeirat zu einer kostenlosen Brotzeit ein.

In Bügellohe schlüpfte die Laiendartstellerin Maria Hammer aus Schönsee in die Rolle einer ehemaligen Anwohnerin und erzählte anschaulich von einer bis zum Krieg friedlichen Zeit. Die Geschichte handelte von einer Bewohnerin von Wenzelsdorf und von der Vertreibung der böhmischen Bevölkerung im Jahre 1946. "Aus der Heimat durften wir nur das mitnehmen, was wir tragen konnten" erinnerte Hammer. Auf die Frage an die Kinder, was jeder mitnehmen würde, kamen reichlich Antworten. Einige hielten Kleidung, die anderen Essen und wieder andere Gebrauchsgegenstände für wichtig.

Die Sudetendeutschen bauten sich einige Kilometer südlich und rund 100 Höhenmeter über ihrer früheren Heimat Wenzelsdorf direkt im Wald einige Baracken. Die neue Siedlung wurde Bügellohe genannt und lag unmittelbar hinter der tschechischen Grenze auf bayerischer Seite. "Hier wollten sie der drohenden Vertreibung entgehen und später wieder in ihr Dorf zurückkehren." Da allerdings das frühere Wenzelsdorf von der tschechoslowakischen Regierung dem Erdboden gleichgemacht wurde und eine Rückkehr nicht mehr in Frage kam, entstanden mit der Zeit aus Feldsteinen feste Häuser und sogar ein Wirtshaus. Die Siedlung zählte 11 Familien mit 60 Personen.

Die Geschichten der Laiendarstellerin handelten vom kargen Leben ohne Strom, ohne fließendem Wasser und schlechten Straßen. Nach acht Jahren verließen die Bewohner ihre zweite Heimat und suchten zum dritten Mal ein neues Zuhause. Nach 1960 waren es noch acht und 1970 verließ der letzte Bewohner die Bügellohe. Inzwischen hat die Natur das Gelände wieder zurückerobert. Lediglich das steinerne Fleischhackerhaus, in dem ein Info-Zentrum eingerichtet wurde, und einzelne Grundmauern belegen als stumme Zeitzeugen das ehemalige Leben in Bügellohe.

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