28.12.2017 - 20:00 Uhr
EslarnOberpfalz

Eslarner Brauereigeschichte Seit 495 Jahren Kommunbier

In Braugeschichte in Eslarn ist fast so alt wie das Reinheitsgebot. Untergäriges braunes Bier wurde mindestens vor 495 Jahren, wenn nicht schön früher, in einem Malz- und Brauhaus am "Ratschin" hergestellt.

Die historische Aufnahme zeigt das gemeindeeigene Kommunbrauhaus vor dem Zweiten Weltkrieg. Repro: gz
von Karl ZieglerProfil

Seit 120 Jahren kommt der Gerstensaft aus dem gemeindeeigenen Kommunbrauhaus an den "Hofweiherwiesen" . Seit 1897 stellen die Brauer um Michaeli (29. September) und Georgi (23. April) das kostbare Lebensmittel her. Das Deutsche Patent- und Markenamt München hat im Juli 2004 der Marktgemeinde auf Antrag die Markenrechte für "Kommunbier" gesichert.

Bis 1998 gab es außerdem die Schlaffer-Brauerei. Seit 1874 bis heute produziert die Brauerei Bauriedl- Bier. Der erste aktenkundige Genuss von untergärigem braunen Bier geht auf das Jahr 1529 zurück und beschreibt die illegale Herstellung durch den damaligen Pfarrer Matthias Holzprobst. Der Geistliche wurde zu einer Strafe von drei Schilling verurteilt. Mit der 1516 am Georgi-Tag durch die bayerischen Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. in Ingolstadt erlassenen und von Leonhard von Eck verfassten neuen Landesverordnung durfte Bier nur die Inhaltsstoffe Gerstenmalz, Hopfen, Wasser und Hefe beinhalten und die Mass Bier nur einen Pfennig und darüber hinaus zwei Pfennig kosten.

Nach Recherchen der beiden Heimatforscher, Lehrer Hans Schlemmer und Pfarrer Josef Hanauer, soll das erste Malz- und Brauhaus vor 495 Jahren am "Ratschin" gestanden und den Hofmarksherren gehört haben. Nach einer urkundlichen Erwähnung von 1583 befand sich in der Nähe der heutigen Pfarrer-Bayer-Straße das Herrenhaus und eine "Taferne" mit Namen "Wirtshaus auf dem Ratschin". 1567 brannten das Schloss und das Brauhaus ab. Der damalige Schlossherr Ritter Hieronymus Stöckl von Rottach zu Eslarn ließ 1567 auf dem "Wenzelsberg", dem heute bezeichneten Schlossberg, ein neues Herrenhaus errichten. Außerdem baute er für 500 Gulden unterhalb des Herrenhauses am Südrand der "Hofweiherwiesen" ein neues Malz- und Brauhaus. Während des Dreißigjährigen Kriegs fehlte das nötige Getreide, so dass auf den Biergenuss verzichtet werden musste.

In einem Bericht um 1777 heißt es: "Nach altem Herkommen ist in Eslarn ein jeder Bürger berechtigt, Bier zu brauen und bei Haus auszuschenken oder in Fässern abzugeben." 1844 gab es im Markt 166 Bürger, die braunes Bier produzierten. Das "herrschaftliche" Brauhaus wies im Laufe der Zeit immer größere Bauschäden auf und wurde vom Markt Eslarn samt Grund für 150 Gulden erworben. 1897 wurde daraus ein dreigeschossiges bürgerliches Brauhaus. Der Antrieb der Motoren folgte noch mit Dampf und gebraut wurde mit alter Technik. Erst nach 1928 nahm die Elektrizität ihren Einzug.

Die Schankwirte gaben ihre Öffnungszeiten mit einem ausgehängten Zoiglstern oder Reiserbesen zu erkennen. In den Jahren nach 1946 gab es in Eslarn 15 Zoiglwirte. Nach der Betriebsaufgabe zahlreicher Kleinlandwirte verringerte sich auch die Zahl der Hausbrauer.

Nach einer umfassenden Sanierung des Brauhauses entstand 2015 das Museum "Biererlebnis Kommunbrauhaus", in dem die 500-jährige Geschichte der Kommunbrauerei und der Werbeschlager "Kommunbier" und "Rebhuhnzoigl" auch für die Nachwelt erlebbar bleibt. Noch heute wird im Kommunbrauhaus nach alter Tradition mit Holz und Kohle geheizt und im Frühjahr und Herbst für rund 70 Brauberechtigte etwa 32 Sud (1120 Liter) gebraut.

Eine wichtige Voraussetzung für den Gärvorgang sind die mit 7 bis 8 Grad konstant kalten Keller, wie beispielsweise die Felsenkeller am Schlossberg. Garant für Kommunbier und Rebhuhnzoigl ist seit 20. Januar 1951 der 90-jährige Kommunbrauer Georg Zierer senior. Das Brauchtum wird vor allem beim Ausschank in den Zoiglwirtschaften "Beim Strehern" am Tillyplatz und "Zepferten" in Bruckhof, sowie von den Privatbrauern alljährlich mit Leben erfüllt und für die Nachwelt erhalten.

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