02.02.2018 - 20:50 Uhr
Eslarn

Fachleute überzeugt von Fotoaufnahmen Wolf spaziert über Landesgrenze

Zu einem Grenzübertritt der besonderen Art kommt es Ende Januar bei Eslarn: Unweit der Tillyschanze schlendert ein Wolf von Tschechien nach Bayern. Die Aufnahmen einer stationären Funk-Kamera schließen bei den Beteiligten jeden Zweifel aus.

Am frühen Morgen des 26. Januar wanderte ein (vermutlich junger) Wolf von Westböhmen in den östlichen Landkreis Neustadt/WN. Bild: Privat
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Eslarn/Moosbach. Der Jagdpächter des Staatsreviers, Tierarzt Dr. Hubert Reindl aus Moosbach (Kreis Neustadt/WN), ist ebenso felsenfest überzeugt wie der zuständige Forstdirektor Stefan Bösl: "Diesmal handelt es sich tatsächlich um einen Wolf." Eigentlich saß Dr. Reindl am 26. Januar auf eine Wildsau an, als ihm wenig später die Funk-Kamera im Revier Heubach - in unmittelbarer Grenznähe - spektakuläre Bilder auf das Handy spielte.

Wie der bekannte Veterinär gegenüber den Oberpfalzmedien erläutert, sind der "weiße Fang, die weiße Halspartie und die ebenfalls weißen Beine typisch für den Wolf". Der 50-Jährige geht seit nahezu 30 Jahren passioniert dem Waidhandwerk nach und hat seit 9 Jahren das Staatsrevier gepachtet.

Auf Wanderschaft?

Dr. Reindl vermutet in dem Wolf einen "jungen Einzelgänger", der sich offenbar am nahen Luderplatz bediente. Schon mehrere Wochen vorher beobachtete er das Tier in etwa 10 Meter Entfernung: "Ich hielt mich jedoch mit Mutmaßungen zurück, weil bei Sicht-Beobachtungen immer Vorsicht geboten ist." Die aussagekräftigen Fotoaufnahmen brachten schließlich endgültige Gewissheit.

Emotionen kochen hoch

"So schaut ein Wolf aus: Vom Habitus her bin ich mir mit Dr. Reindl einig, dass es sich tatsächlich um einen Wolf handelt. Wie gesagt, es ist nur eine Frage der Zeit, bis er zu uns kommt", erklärt Stefan Bösl, Leiter des Forstbetriebs der Bayerischen Staatsforsten in Flossenbürg. Er habe in dieser Gegend noch nie solch authentische Bilder von einem Wolf gesehen. Ob sich lediglich ein "durchziehendes Einzeltier" auf Wanderschaft befindet, darauf wollte sich der Forstdirektor nicht festlegen. Bösl mailte die Aufnahmen umgehend an das Landesamt für Umwelt zur weiteren Begutachtung für das flächendeckende Wolf-Monitoring im gesamten Freistaat.

Erst Anfang Dezember hatten unscharfe Fotos einer bei Pleystein in der Gemarkung Fuchsenberg installierten Wildkamera für erregte Diskussionen gesorgt (wir berichteten "Bilder einer Wildkamera geben Rätsel auf: Wolf in der Winternacht?"). Die Spekulationen - auch innerhalb der Jägerschaft - fanden damals im Internet ein großes Echo. Die Meinungen gehen noch heute weit auseinander, ob es sich dabei wegen des "massigen Kopfs" und der (vermuteten) "Hängeohren" um einen Wolfsmischling oder schlicht um eine Bernhardiner-Kreuzung handelte.

Jedenfalls ist die öffentliche Diskussion um das Für und Wider der Rückkehr dieses "großen Beutegreifers" voll im Gange, die Emotionen schlagen hoch. Fachleute raten eindringlich zu mehr Gelassenheit.

So schaut ein Wolf aus.Forstdirektor Stefan Bösl

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.