19.04.2017 - 11:54 Uhr
EslarnOberpfalz

Friedhofskirche in Eslarn Zeichen der Gastfreundschaft

Die Friedhofskapelle in Eslarn wurde im 16. Jahrhundert erbaut. Sie wird von der katholischen als auch der evangelischen Kirche genutzt. Das war nicht immer so.

Die Friedhofskapelle in Eslarn mit ihrem Altar und den beiden Gedenktafeln dient seit Jahrzehnten der evangelischen Großgemeinde zur Feier der Gottesdienste. Bild: gz
von Karl ZieglerProfil

(gz) Es ist überliefert, dass am letzten Oktobertag des Jahres 1517 Martin Luther 95 Thesen an die Schlosskirche von Wittenberg nagelte. Diese Hammerschläge veränderten die Welt. Die Unruhen eskalierten 1524 in den Bauernaufständen und 1542 entschloss sich der aus Amberg stammende Pfalzgraf Ottheinrich I., in Vohenstrauß, Floß und Weiden eine evangelische Kirchenordnung einzuführen. In der schrieb er die Freiheit der Liturgie in Deutsch, die Priesterehe und das Abendmahl mit Brot und Wein in evangelischen Gottesdiensten fest.

Dies führte zur Gründung viele neuer Pfarrstellen, auch außerhalb der bestehenden in Altenstadt und Vohenstrauß. Laut dem Eslarner Geschichtsschreiber Pfarrer Josef Hanauer war in Eslarn bereits 1417 ein katholischer Pfarrer mit Namen Ulrich seelsorglich tätig. 1550 kam der erste lutherische Pfarrer Jakob Kuchenreuther nach Eslarn. In der Zeit erteilte an der Schule ein evangelischer und katholischer Pfarrer den Religionsunterricht. Der letzte katholische Pfarrer bis zur Wiedereinführung der katholischen Konfession war Thomas Schitter. So begünstigte der Oberpfälzer Statthalter Friedrich II., der spätere Kurfürst, die religiöse Neuerung.

Das Werk vollendete sein Neffe und Nachfolger Ottheinrich in den Jahren 1556 bis 1559. Ab dieser Zeit durfte in der Oberpfalz nur noch die Lehre Luthers verkündet werden und die letzten katholischen Priester mussten das Land verlassen oder zur Lehre Luthers übertreten. Laut Hanauer, der bis zu seinem Tod selbst katholischer Priester war, sollen die ersten fünf protestantischen Pfarrer von Eslarn ehemalige katholische Priester gewesen sein.

Religionsbücher verbrannt

Die Gegenreformation in Bayern führte ab 1627 durch Erlass des bayerischen Kurfürsten Maximilian I. wieder zur katholischen Konfession, so dass es ab 1628 nach Abzug der drei evangelisch gebliebenen Familien in Eslarn durchwegs nur katholische Bevölkerung gab. Die "andersgläubig" vorliegenden Religionsbücher wurden eingesammelt, verbrannt und dafür katholische verteilt, schrieb Geschichtsforscher Hans Schlemmer. Erst nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges 1648 garantierte der Westfälische Frieden die gleichberechtigte Existenz beider Konfessionen.

Ein Kirchlein am neuen Friedhof habe es laut der Geschichtsforscher schon 1612 gegeben, aber diese wurde 1682 durch einen Neubau ersetzt. Daher fanden bis 1683 die liturgischen Handlungen auch in der Friedhofskapelle statt. Eslarn hatte 1886 2225 Einwohner, davon waren 7 Protestanten.

Im Ersten Weltkrieg wurde die Kapelle stark beschädigt und 1922 als "Friedhofs- und Kriegergedächtniskapelle" neu aufgebaut. Nach der Benedizierung am 17. September 1922 ging die Kapelle in das Eigentum der katholische Kirchenstiftung über. In dem Gotteshaus befindet sich der alte Sebastian-Altar aus der Vorgängerkapelle, ein Kreuzweg, einige Glasmalereien und zwei Gedenktafeln mit den Namen der Toten aus dem Ersten Weltkrieg.

Da sich nach dem Zweiten Weltkrieg durch Zuzug zahlreicher Heimatvertriebener die evangelische Gemeinde auf rund 200 Seelen vermehrte, errichtete man ab 1945 für Eslarn und Umgebung eine evangelisch-lutherische Vikariat-Stelle. Der erste auszubildende Pastor war Rudolf Hähnel und vier Jahre Martin Bernhard. Die Gottesdienste fanden in der von der katholischen Kirchenstiftung zur Verfügung gestellten Friedhofskapelle statt.

In den Folgejahren zogen die Heimatvertriebenen berufsbedingt von Eslarn in die Städte, worauf auch die Anzahl an evangelischen Christen rückläufig war. Ab 1970 wurde das Vikariat aufgelöst und der evangelische Teil der Eslarner Bevölkerung von Vohenstrauß aus betreut.

Monatliche Gottesdienste

Heute leben von den im Altlandkreis ansässigen 1500 evangelischen Gemeindemitgliedern rund 60 Prozent in Vohenstrauß und die übrigen verteilen sich auf die Gemeinden. Die evangelische Großgemeinde bietet in 7 Orten monatliche Gottesdienste an, die für die rund 100 in und um Eslarn wohnenden evangelischen Christen in der Friedhofskapelle abgehalten werden.

Erst am Karfreitag feierte Ruhestandspfarrer Hermann Bock in der Friedhofskapelle das Heilige Abendmahl. "Die Überlassung der katholischen Sebastiankapelle am Friedhof an die evangelisch-lutherische Gemeinde ist ein Zeichen der Gastfreundschaft", stellt Pfarrer Erwin Bauer vom katholischen Pfarramt Eslarn fest.

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