12.01.2018 - 16:10 Uhr
EslarnOberpfalz

Geschichte des Gasthauses zum Wienerhof Von Schmiede zur Kult-Disco

Seit mehr als drei Jahren ist das Eslarner "Gasthaus zum Wienerhof" geschlossen. Nach Fasching soll sich das ändern. Wie viele andere Lokale hat das Haus auch eine bewegte Geschichte hinter sich.

Josef Xaver Bauriedl (rechts) präsentierte sich 1926 mit seinem Schwager Josef Wildenauer (Dritter von rechts), Familienangehörigen und vielen Gästen vor dem damals sehr gut gehenden Gasthaus. Repro: gz
von Karl ZieglerProfil

Das Gebäude in der heutigen Ludwig-Müller-Straße 3 gibt es seit dem 17. Jahrhundert. Es diente früher einem Schmied, Jahrzehnte später einem Schneider und in den letzten zwei Jahrhunderten einem Wirt als Betriebsstätte. Michael Bauriedl gab der Wirtstube vor 120 Jahren den Namen "Gasthaus zum Wienerhof". Das im Oktober 2014 geschlossene Lokal soll durch einen neuen Pächter wieder mit Leben erfüllt werden.

Das Anwesen im Ortsteil "Winkl" gehörte 1630 dem Schmied Hans Hörl, 1678 dem Mautner und Ungeldgegenschreiber Matheus Jesser und 1684 dem Schneider Hans-Peter Jesser. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war es nur Landesherren, Klöstern und Edelleuten auf dem Land gestattet, in Tafernen an Untertanen Wein und Bier auszuschenken. Erst 1583 durften laut Geschichtsforscher Pfarrer Josef Hanauer die pfälzischen Untertanen in Eslarn ein Wirtshaus betreiben. In schriftlichen Überlieferungen aus dem 17. Jahrhundert wird von zwei Tafernen mit der Bezeichnung "Zum Goldenen Löwen" am Marktplatz und "Zum Weißen Rößl" an der Brenner-Poststraße berichtet.

Zudem existierte in der heutigen "Mittleren Bachgasse" die uralte Bierschenke "Wirtshaus auf dem Ratschin". Das abgebrannte und später neu aufgebaute Gebäude kaufte Johann Wildenauer mit seinem Sohn Balthasar. Beide hatten die "Wirts- und Malzgerechtigkeit".

"Balthasar-Hansen-Haus"

1761 erwarb Balthasar Wildenauer durch die Eheschließung mit Maria Pauritl das Anwesen in der Regensburger-Straße 100, der heutigen Ludwig-Müller-Straße 3. Im Gebäude betrieb der Brautvater Wolf Pauritl seit 1723 eine Schneiderei und ab 1786 Sohn Johannes Wildenauer eine Tafernwirtschaft. Das im Volksmund genannte "Balthasar-Hansen-Haus" oder kurz "Balzerhaus" wurde dem Vornamen Balthasar entnommen.

1813 übergab der Eigentümer Johann Wildenauer das Anwesen an Schwiegersohn Wolfgang Adam Bauriedl und ab 1856 folgten die Söhne Johann Michael und 1878 Bräuer Johann Bauriedl. Beim Großbrand 1895 blieb auch die Gaststätte nicht verschont, brannte ab und wurde vom neuen Eigentümer und Enkel Michael Bauriedl wieder aufgebaut.

Da sich der neue Gastwirt längere Zeit in Wien aufgehalten hatte, gab er nach der Heimkehr 1898 dem Wirtshaus den Namen "Gasthof zum Wienerhof". 1926 warben Neubesitzer Josef Xaver Bauriedl und sein Schwager Josef Wildenauer erfolgreich um Gäste: "Gut eingerichtete Fremden-Zimmer, Schlächterei, gut gepflegte Biere und Weine".

Josefa und Josef Bauriedl bekamen die Tochter Gertraud Bauriedl ("Wienerhof-Traudl"), die mit ihrem Ehemann Johann Hölzl 1961 von der Rhanerbräu den seit 1664 bestehenden Gasthof "Böhmerwald" käuflich erwarb. In den gegenüberliegenden Gaststätten "Böhmerwald" und "Wienerhof" trafen sich eine Vielzahl an Musikern zur musikalischen Kurzweil und beide Lokale waren ein beliebter Treff. Im Saal im ersten Stock des Wienerhofes tanzten viele im Klang der Musiker unter Leitung von Max Schmid ("Preßl-Max") und gründeten bei den geselligen Treffs viele Freundschaften, aus denen wiederum so manche Ehen hervorgingen. 1970 kam der "Wienerhof" in den Besitz der Brauerei Bauriedl, der wie die Vorbesitzer des Gasthofs zufällig auch Bauriedl hieß.

Landesweit bekannt

Nach dem Tod von Gastwirt und Brauereibesitzer Karl Bauriedl folgte Sohn Josef Bauriedl. Der Gasthof wurde 1974 für 13 Jahre an Josef Linsmeier und anschließend einige Jahre an Hans Hoch und Michael Linsmeier verpachtet. Die zur Gaststube neu eröffnete Diskothek im ersten Stock wurde zu einer landkreisweit bekannten Kult-Gaststätte.

Mit der Renovierung erhielt das Gebäude 1988 ein neues Dach, Toiletten, Küche und wurde zur Pizzeria-Pilsstube umfunktioniert. Nach mehrjährigen Betrieb der Gaststätte und Pilsstube folgten bis zur Schließung im Oktober 2014 weitere Pächter. Nach der Faschingszeit soll in das Erd- und Obergeschoss des Gasthauses mit seiner 120-jährigen Wiener Geschichte wieder Leben einziehen.

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