01.09.2017 - 15:02 Uhr
EslarnOberpfalz

Kommunbraumeister Georg Zierer feiert 90. Geburtstag Prost auf 90 Jahre

Wenn der älteste Kommunbraumeister Bayerns 90. Geburtstag feiert, gibt es viele Geschichten zu hören. Dabei erfahren die Gäste unter anderem, wie viel Bier der Jubilar in seinem Leben schon gebraut hat.

Der 90-jährige Georg Zierer (vorne 6. von links) dankte Bürgermeister Reiner Gäbl (5. von links) und den vielen Gratulanten für die Geschenke und Glückwünsche. Bild: gz
von Karl ZieglerProfil

In unmittelbarer Nähe seiner Wirkungsstätte empfing Georg Zierer am Donnerstagabend in der Halle des 2015 eröffneten "Biererlebnis Kommunbrauhaus" zum 90. Geburtstag viele Gratulanten. Für ihn spielte die Blaskapelle "Schlossberger" auf. Ein besonderes Schmankerl hatte die "Zoiglblosn" mit der "Brauhauspolka" von Leiter Stefan Karl.

Der Jubilar wurde in Eslarn geboren und wuchs mit vier Geschwistern auf. Die Lehre bei der Brauerei Bauriedl begann für den "Fritz'n Schorsch" bereits als 15-Jähriger. Dem Gastwirtssohn des Ehepaars Fritz und Elisabeth Zierer wurde die Liebe zur Brauerei regelrecht in die Wiege gelegt. Die Älteren erinnern sich noch an die schönen Stunden im Wirtshaus am Marktplatz bei der "Fritz'n Liesl".

In Kriegsgefangenschaft

Der Zufall wollte es, dass sich Georg Zierer im Grenzland mit seiner künftigen Ehefrau Hannelore aus Nürnberg traf. Durch die Bombenangriffe auf die fränkische Metropole flohen 1942 viele Städter aufs Land, unter ihnen auch Hannelore Fischer. Das Paar heiratete 1952 in der Kreuzbergkirche in Pleystein. Aus der Ehe gingen 8 Kinder hervor und aus deren Familien wiederum 13 Enkel und Urenkel. Im Mittelpunkt der Großfamilie stand bis zum Tod am 15. März 2017 stets Hannelore.

Nach der Heimkehr aus der Kriegsgefangenschaft drückte Zierer 1949 in Regensburg die Schulbank und lernte als 22-Jähriger die praktischen Handgriffe eines Mälzers und Brauers von der Pike auf. Am 20. Januar 1951 wurde ihm das Ehrenamt eines Kommunbraumeister übertragen. In den Jahrzehnten nach dem Krieg setzte ein wahrer Brau-Boom ein und es entstanden 13 Zoiglstuben und unzählige Hausschenken. Viele brauten das naturtrübe Kommunbier. "In einer Woche brachte ich es in beiden Anstellungen auf rund 70 Stunden."

Im Marktrat war Zierer von 1978 bis 1988 vertreten. Er unterstützte viele Vereine. So kümmerte er sich als treuer TSV-Anhänger lange Jahre um einen tadellosen Zustand der Anlage am Sportzentrum. Beim Heimatfestes 2000 verlieh ihm der Markt die Bürgermedaille in Gold. Bereits sieben Jahre später wurde er zum Ehrenbürger ernannt.

Die nicht leichte Arbeit als Kommunbrauer hat den 90-Jährigen jung gehalten. Seit nunmehr 66 Jahren kümmert er sich um das historiche Handwerk und sorgt in Eslarn gemeinsam mit seinen Söhnen Hans und Georg für ein "edles Getränk": den "Rebhuhnzoigl". Gebraut wird jährlich im Frühjahr und im Herbst. Der Jahresbedarf liegt mittlerweile bei rund 900 Liter.

52 000 Hektoliter gebraut

Nach einem Trommelwirbel von Thomas Grießl ließ Bürgermeister Reiner Gäbl das Leben von Zierer Revue passieren. Den Diskussionen um das Rentenalter und die Rentenkasse setzte Zierer laut dem Rathauschef 75 Berufsjahre entgegen. Das Marktoberhaupt wies auf frühere sogenannte "braune Brauhäuser" in der Region hin, von denen heute nur noch fünf existieren. "Den Erhalt in Eslarn verdanken wir alleine unserem Schorsch." Nach den Berechnungen des Bürgermeisters habe der Kommunbraumeister in 66 Jahren insgesamt 52 000 Hektoliter gebraut.

Gäbl überraschte mit dem Bildband von Bayern vom Ministerpräsidenten, einem Schreiben vom Brauerbund und mit einer Sonderprägung zum 500. Jahrestag des Reinheitsgebotes. "Damit unser Schorsch noch weitere Rechnungen in seiner gestochenen Handschrift ausstellen kann, möchte ich ihm einen geschnitzten Kugelschreiber aus einem alten Bierfass überreichen.", fügte Gäbl im Namen der Gemeinde und Kommunbrauer an.

Der Krieger- und Soldatenverein sowie der Schützenverein 1884 gratulierten ihrem Ehrenmitglied. Glückwünsche gab es auch von der SPD, dem TSV, den Siedlern und der AWO. Der Eslarner hatte auch die Aufmerksamkeit von OTV auf sich gezogen.

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