22.02.2018 - 20:00 Uhr
Eslarn

Schwarzwild-Problem ruft Förster und Jäger auf den Plan Arbeitsgruppe auf der Jagd

Jäger und Förster werden künftig besser zusammenarbeiten, um die wachsenden Schwarzwild-Bestände in den Griff zu bekommen. Erstmals gibt es einen Runden Tisch. Die "Arbeitsgruppe Schwarzwild im Altlandkreis Vohenstrauß" einigt sich dabei auf einige gemeinsame Maßnahmen.

Nix wie weg! Jäger und Förster wollen den Schwarzkitteln verstärkt an den Kragen und arbeiten dazu einen Schlachtplan aus. Archivbild: ge
von Christine Walbert Kontakt Profil

Die steigenden Schwarzwildbestände bereiten angesichts enormer Schäden in der Landwirtschaft, aber vor allem auch hinsichtlich der Bedrohung durch die Afrikanischen Schweinepest immer größere Sorgen. Die Kreisgruppe Vohenstrauß organisierte auf Anregung von Forstbetriebsleiter Stefan Bösl vom Forstbetrieb Flossenbürg einen Runden Tisch in der Imkerhütte beim Lehrbienenstand Goldberg.

Obwohl die Abschusszahlen für das Jagdjahr 2017/2018 noch nicht vorliegen, erwartet Christian Ertl, Vorsitzender der Kreisgruppe Vohenstrauß im Bayerischen Jagdverband, eine Rekordstrecke beim erlegten Schwarzwild. Bereits im Amtsblatt vom 2. Februar 2018 sei für den Bereich des Landkreises Neustadt/WN die Schonzeit für Keiler und nichtführende Bachen aufgehoben worden. Der Muttertierschutz für führende Bachen sei jedoch weiterhin zu beachten. Bösl und Revierleiter Rudolf Stadler vom Forstbetrieb Flossenbürg, Geschäftsführer Hans Winter und Klaus Gieler vom Bayerischen Bauernverband Weiden, Behördenleiter Siegfried Kiener und Abteilungsleiter Josef Völkl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Weiden. Hegegemeinschaftsleiter Peter Wild, Thomas Schiffner, Josef Gollwitzer, Eduard Forster und Anton Schwarzmeier waren ebenso vertreten wie der gesamte Vorstand der Kreisgruppe Vohenstrauß.

Forstbetrieb und private Jägerschaft wollen die Zusammenarbeit verstärken und gemeinsame Projekte zur Schwarzwildbejagung ins Leben rufen. Forstbetriebsleiter Bösl will "alle legalen Mittel ausschöpfen" und bot den Jägern volle Unterstützung an. Die Jäger ihrerseits wollen bei Jagden im Bereich des Forstbetriebs mit brauchbaren Jagdhunden und geeigneten Schützen aushelfen. Insbesondere bei der Jagd im Sommer, bei der hauptsächlich die Vermeidung von Schäden in der Feldflur im Vordergrund steht, konnten rasch gemeinsame Vorgehensweisen erarbeitet werden. Forstbetrieb und Jagdverband vereinbarten, zukünftig ohne große Bürokratie sehr eng zusammenzuarbeiten.

Kiener und Völkl vom AELF Weiden zeigten Möglichkeiten zur Optimierung bei der Anlage von Schussschneisen und Ausbringung von Blühstreifen auf. Auch wurde die richtige Antragstellung bei landwirtschaftlichen Maßnahmen, die der Erleichterung der Bejagung von Schwarzwild dienen, vorgestellt. Die Vertreter des Bauernverbands werden die Landwirte für Maßnahmen, die der Erleichterung der Bejagung dienen, sensibilisieren. Bei der Bejagung der Schwarzkittel in den Wintermonaten verständigten sich die Teilnehmer darauf, dass man beim "Kreisen von Schwarzwild" (das heißt, anhand der Fährtenbilder im Neuschnee die Tageseinstände des Schwarzwildes ausfindig zu machen und diese anschließend mit Treibern und Hunden zum Verlassen der Einstände zu bewegen) eng zusammenarbeiten wolle.

Beim Abfährten in den Staatsjagdrevieren sollten die privaten Jäger mit eingebunden werden, so Bösl. Sollten Sauen bestätigt werden, wolle man sich bei der Jagd mit erfahrenen Schützen und Jagdhunden gegenseitig unterstützen.

Revierübergreifende Drückjagden

Sämtliche Teilnehmer der Arbeitsgruppe Schwarzwild waren sich einig, dass revierübergreifende Drück- beziehungsweise Bewegungsjagden in den Herbst- und Wintermonaten ein probates Mittel zur Bestandsregulierung des Schwarzwildes wären.

Solche Jagden sollen ab dem Herbst 2018 verstärkt in Angriff genommen werden. Die Ankündigung des Forstbetriebsleiters Stefan Bösl, dass bei diesen Jagden in den Revieren der Bayerischen Staatsforsten auch anderes Schalenwild, insbesondere Rehwild, mitbejagt werden soll, führte zu einer lebhaften Diskussion. Bösl begründete seine Einstellung mit dem hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand bei der Planung der Jagd: "Wenn man so einen Aufwand betreibt, muss man das restliche Schalenwild gleich mitbejagen."

Christian Ertl, Vorsitzender der Kreisgruppe Vohenstrauß im Bayerischen Jagdverband, gab zu bedenken, dass die Mitbejagung von Rehwild dazu führen könne, dass sich viele private Jäger und Pächter dann nicht mehr an einer revierübergreifenden Jagd beteiligten würden. Schließlich habe man ein Schwarzwildproblem, deshalb solle die Jagd ausschließlich der Reduzierung von Schwarzwild dienen.

Der Konsens: Die erste gemeinsame Jagd wird ausschließlich dem Schwarzwild gelten. Die Hegegemeinschaftsleiter erklären sich aber bereit, in ihren Bereichen zusammen mit den Revierpächtern geeignete Flächen zu benennen. In Zusammenarbeit mit dem Forstbetrieb Flossenbürg könne dann eine erste gemeinsame Jagd geplant und vorbereitet werden. (ck)

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.