14.04.2005 - 00:00 Uhr
EtzenrichtOberpfalz

Mantel, Etzenricht und Kohlberg verlieren bereits am 1. August ihre Hauptschulen an Weiherhammer Drei Gemeinden bleiben sitzen

von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Jetzt ist es amtlich: Die Regierung der Oberpfalz ordnet die Organisation der Schulen im Haidenaabtal zum 1. August komplett neu. Demnach wird Weiherhammer Standort einer Grund- und Hauptschule mit den Klassen eins bis neun. In Mantel, Etzenricht und Kohlberg bestehen nur noch Grundschulen weiter.

In einem fünfseitigen Schreiben begründet Regierungsvizepräsident Johann Peißl die Maßnahme. Eltern, Lehrer und Kommunalpolitiker hatten vorher jahrelang gekämpft, um Umsprengelungen zu verhindern. Unter anderem hatten sie sich gegen die Umsetzung schon zum 1. August gewehrt, die Auslagerung von Klassen in das Schulgebäude in Mantel, hohen Investitionsaufwand für eine Erweiterung in Weiherhammer, die Kosten für die künftige Schülerbeförderung und die Aufgabe intakter Schulhäuser in Mantel, Etzenricht und Kohlberg.

Auch die katholische Pfarrei in Kohlberg und die evangelische in Etzenricht befürchteten, dass die Kinder aus diesen Orten in neuen Schulen mit längeren Anfahrtswegen den Kontakt zu ihren Kirchengemeinden verlieren könnten.

Pädagogische Gründe

Die Regierung muss indes einen Landtagsbeschluss zur Einheit der Hauptschulen umsetzen. Dies machen der Geburtenrückgang und das geänderte Übertrittsverhalten im Zuge der Einführung der sechsstufigen Realschule notwendig.

Besonders in Etzenricht gehen die Schülerzahlen zurück. Das Erreichen der Mindestzahl von derzeit 15 Kindern ist in den nächsten Jahren laufend gefährdet", schreibt Peißl über die Situation in der fünften Klasse. Zudem habe die Volksschule Etzenricht mehr Stunden verbraucht, als ihr nach dem Budget zustünden - zu Lasten von anderen Schulen, wo dieses Stundenkontigent wieder eingespart werden müsse.

Hätte die Regierung alles beim Alten gelassen, hätten die Fünft- und Sechstklässler aus Etzenricht und Kohlberg nach Mantel fahren müssen, wo bereits die Weiherhammerer Kinder die Bank drücken, bevor sie in den Klassen sieben bis neun wieder in ihrem Heimatort den Unterricht besuchen. Gegen diesen längeren Schulweg liefen aber Kohlberger und Etzenrichter Eltern Sturm. So kommt jetzt Weiherhammer zum Zug. Dort erwarten die Experten langfristig acht Grund- und zehn Hauptschulklassen.

Wirtschaftliche Gründe gegen die Neuordnung, wie sie vereinzelt aus den Rathäusern kamen, weist Regensburg zurück. Peißl räumt aber ein, dass höhere Kosten für den Schulbus der Fünft- und Sechstklässler nach Weiherhammer anfallen. Das könne aber innerhalb des neuen Schulverbands kompensiert werden. Anders bei den Immobilien: "Der bedauerliche Umstand, dass die Gemeinden ihre nun teilweise leer stehenden Schulgebäude unterhalten müssen, kann nicht gegen die Organisationsänderung ins Gewicht fallen. Die pädagogischen Vorteile der künftigen einheitlichen Hauptschule wiegen stärker."

Mantel, wo die Volksschule erst vor wenigen Jahren für sechs Millionen Mark saniert worden war, bekommt als Trostpflaster wenigstens je eine ausgelagerte fünfte und sechste Klasse aus Weiherhammer, die dort keinen Platz mehr haben werden. Zwar hatte sich auch Weiherhammer bemüht, zwei weitere Klassenzimmer anzubauen, wurde aber von der Regierung zurückgepfiffen: Zentrale Baumaßnahmen sind bei Änderungen der Schulorganisationen nicht drin, wenn in der Nachbarschaft Schulhäuser leer stehen.

Nutznießer ist Mantel. Auch Etzenricht hatte sich um auszulagernde Klassen bemüht. Die Regierung gibt aber Mantel den Vorzug, da dort die Geburtenentwicklung positiver verläuft als in Etzenricht und Kohlberg. Zudem bestehen bereits Schulbuslinien von Weiherhammer nach Mantel.

"Sicherlich ein Verlust"

Letztlich müssen sich die vier betroffenen Gemeinden jedoch aber untereinander einigen. "Die Verteilung der Unterrichtsräume fällt in den Verantwortungsbereich des Schulleiters", hält die Regierung ein Hintertürchen offen. Allen recht machen kann sie es ohnehin niemand, fasst Peißl die Neuordnung zusammen: "Der Verlust der Teilhauptschulen stellt für Etzenricht, Mantel und Kohlberg sicherlich einen Verlust im gesellschaftlichen und kulturellen Bereich dar."

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