22.01.2018 - 15:40 Uhr
EtzenrichtOberpfalz

Ehepaare aus dem Irak und Iran schaffen Eisskulptur in Etzenricht Vier Freunde, drei Eisbären

Gelernt ist gelernt. Das hat Faruk Kareem mit seiner Eisbärenskulptur bewiesen. Der 57-Jährige aus dem Irak ist akademischer Bildhauer. Und das ist seinem Werk anzumerken, das am Sonntag viele Blicke auf sich zieht.

Was Faruk Kareem (Zweiter von links) da vor dem Rathaus in Etzenricht geschaffen hat, ist mehr als eine Eisskulptur. Es ist ein Symbol für die Bedrohung der Tierart, erklärt der Künstler. Eifrige Helfer waren seine Frau Nigar sowie das befreundete Ehepaar Hiva und Milad Sharifi (von links). Bild: Schönberger
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Dabei handelt es sich durchaus nicht nur um die handwerklich gelungene Skulptur einer Eisbärenfamilie. Das Kunstwerk ist mehr, erklärt Faruk Kareem. Es ist ein Symbol für die Bedrohung dieser Tierart: Aufgrund der Erderwärmung haben Eisbären immer weniger Lebensraum. Trotz dieser ernsten Thematik hatten er, seine Frau Nigar (47) sowie das befreundete Ehepaar Hiva (29) und Milad Sharifi (31) jede Menge Spaß, als sie das Kunstwerk am Sonntag in stundenlanger Arbeit errichteten. Ebenso wie die Zuschauer vor dem Rathaus in Etzenricht, die ihnen dabei immer wieder mal über die Schulter schauten.

Fünf Stunden lang haben - in erster Linie - Faruk und Milad an diesem eiskalten Werk gearbeitet. "Von 11 bis 16 Uhr", sagt der 57-Jährige. Ab 20 Uhr folgte der Feinschliff. Eineinhalb Stunden lang sprühten die beiden Männer die Eisbärenfamilie mit Wasser ein. Die Eisschicht soll das vergängliche Kunstwerk so lange wie möglich vor dem angekündigten Tauwetter retten.

1988 hat Faruk schon einmal einen Eisbären aus Schnee gefertigt. Damals vor der Akademie der bildenden Künste in Sulaymania (Irak), an der er studiert hat. Anschließend war der heute 57-Jährige zweigleisig tätig: In Sulaymania betrieb er eine Kunstgalerie und schuf auch Großskulpturen. In der Stadt Arbil unterhielt er eine Firma, die auf Stuckarbeiten spezialisiert war. Zu den besten Zeiten beschäftigte er hier bis zu 20 Mitarbeiter. Auf seinem Handy hat er Bilder, die belegen, dass seine Firma den riesigen Treppenaufgang des Justizgebäudes in Arbil kunstvoll mit Stuckornamenten verziert hat.

Was ihn als erfolgreichen Geschäftsmann nach Deutschland verschlagen hat? "Ich bin Kurde", erklärt Faruk Kareem. Und er hatte in seiner Heimat auch christliche Freunde. Für sie hat er ein Relief des letzten Abendmahls nach Leonardo da Vinci gestaltet - an der Außenwand ihres Hauses. Das brachte ihm Ärger mit Salafisten ein. 2015 schließlich flüchtete er nach Deutschland. Hier leben er, seine Frau Nigar und sein jüngster Sohn Awer (17) seit acht Monaten in Etzenricht. Unter einem Dach mit Milad Sharifi, dessen Frau Moghaddan-Hiva Zebardast und deren kleiner Tochter Liana (acht Monate). Milad ist Elektroniker. Er und seine Frau stammen aus dem Iran. Trotzdem verstehen sich die beiden Familien bestens. Unterstützung erhalten sie durch den Etzenrichter Helferkreis Asyl um Willy Koegst.

Familie Kareem war davor in Eslarn untergebracht. Dort hat Faruk aus Ton die Skulptur eines Straßenfegers für die Gemeinde geschaffen. Er kann nicht ohne seine künstlerische Arbeit sein. Auch in Etzenricht ist nicht nur Vergängliches aus Eis und Schnee entstanden. Er hat hier unter anderem eine Marienfigur mit Kreuz angefertigt, die er gerne einer der beiden Kirchen vor Ort schenken möchte. "Ich möchte auch eine Skulptur für die Gemeinde Etzenricht oder für Weiden machen", sagt Faruk in gebrochenem Deutsch. Er bräuchte dafür nur einen geeigneten Platz. Falls Hilfe nötig wäre: Milad wäre sofort dabei.

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