05.04.2018 - 10:04 Uhr
EtzenrichtOberpfalz

Formfehler verhindert Vergabe des Etzenrichter Jagdreviers Schuss in den Ofen

"Logisch, ich bin sehr enttäuscht", seufzt Wolfgang Achtert. Drei Wochen lang war er neuer Pächter des 450 Hektar großen Jagdbogens West des Etzenrichter Reviers. Doch nun muss er fürchten, dass er doch nicht zum Zug kommt, obwohl er gar nichts dafür kann.

"Es wäre doch toll, wenn meine beiden Jungs und ich das weitermachen könnten." Zitat: Wolfgang Achtert, verhinderter Jagdpächter
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Jagdvorsteher Gerhard Riebel ist untröstlich: "Ich habe unsere eigene Satzung falsch interpretiert. Es bricht mir kein Zacken aus der Krone, das zuzugeben." Was war passiert? In der Jahreshauptversammlung der Jagdgenossenschaft Etzenricht entschieden sich am 8. März die 19 Genossen dafür, den Jagdbogen West vorzeitig zu vergeben. Er wird ab 1. April 2019 frei.

Da Jagdreviere nicht mehr so begehrt sind wie früher, dachten die Grundbesitzer daran, schon vorausschauend Nägel mit Köpfen zu machen, schließlich hatten sie gleich zwei Bewerber zur Auswahl: Dietmar Paulus, der ein Waffengeschäft in Oberwildenau betreibt, und Wolfgang Achtert, Kriminalhauptkommissar aus Etzenricht.

Die geheime Abstimmung unter der Regie von Bürgermeister Martin Schregelmann endete knapp. Zwölf Genossen votierten für Achtert, sieben für Paulus. Letzterer betreut die Jagd seit zwölf Jahren. "Immer einwandfrei", betont Riebel. Ausschlaggebend könnte das etwas lukrativere Angebot Achterts gewesen sein.

Wie dem auch sei: Der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt fiel bei der Prüfung ein Formfehler auf. Es reicht nicht die einfache Stimmenmehrheit, sondern es muss auch die Mehrheit der Grundfläche bei der Vergabe repräsentiert sein. Doch die war nicht gegeben. "Deswegen war eine Beanstandung unvermeidlich", heißt es dazu aus Neustadt.

In der Jagdversammlung war dieses Manko niemanden aufgefallen. "Wir haben die Satzung 1999 geändert. Da steht die einfache Mehrheit drin, aber die bezieht sich nur auf interne Wahlen und nicht auf die Vergabe", bedauert Riebel. Nun muss innerhalb eines Jahres erneut über die Neuverpachtung abgestimmt werden. "Es tut mir für die beiden Bewerber sehr leid", sagt Riebel, der sich bei beiden persönlich entschuldigt hat.

Ein dritter Bewerber, der im Nachhinein beklagt hatte, von der Vergabe nicht informiert worden zu sein, dürfte mit seiner Beschwerde wenig Chancen haben. "Die Tagesordnung und die Bekanntmachungsform waren aus unserer Sicht in Ordnung", teilt die Untere Jagdbehörde mit.

Also zurück auf Los: Die Vergabe des Reviers wird bald öffentlich im Neuen Tag ausgeschrieben, sagt Riebel. "Ich werde nochmal ins Rennen gehen", kündigt Dietmar Paulus an. Ebenso will es Wolfgang Achtert wieder versuchen. Er fürchtet jedoch um seine Chancen. "Das zieht jetzt größere Kreise, da wird es mehr Bewerber geben." Dabei würde er zu gern eine Familientradition fortführen. Sein Schwiegervater hatte das Revier 36 Jahre gepachtet. "Das wäre doch toll, wenn meine beiden Jungs und ich das weitermachen könnten."

Es wäre doch toll, wenn meine beiden Jungs und ich das weitermachen könnten.Wolfgang Achtert, verhinderter Jagdpächter

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