Jeff Beer beim Forum Falkenberg
Laute Helden und stille Randgestalten

Der gesamte Körper als Instrument: Jeff Beer spielt in einem nach vorne offenen Käfig auf vielfältigen Schlaginstrumenten und eröffnet mit seinem ganzen Körper unbekannte Klangwelten. Bild: Otto
Kultur
Falkenberg
08.01.2017
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Es gibt Menschen, die man als Universalgenies bezeichnen kann. Ja, muss. Jeff Beer ist so ein Phänomen - ein Meister der bildenden Künste, Fotograf und ein vielfach ausgezeichneter Musiker. Beim Forum Falkenberg präsentiert er einen Ausschnitt seines perkussiven Werkes - der Titel: "Pollenflüge des Hörens".

Von Jörg Otto

Das Bühnenset im Tagungszentrum der Burg Falkenberg verspricht Außergewöhnliches. Hier ein Drumset, das ausschließlich aus Tom Toms zusammengestellt ist. Dort eine Art nach vorne offener Metallkäfig, in dem unterschiedlichste Schlagwerke verbaut sind.

Dazu finden sich weitere Becken, Bleche, Federn oder Glocken. Filigranes und Robustes. Auf einem kleinen Tisch sind feinsäuberlich unterschiedlichste Stöcke und Schlägel aufgereiht wie OP-Besteck. Das Zentrum der Bühne bildet ein Marimbaphon.

Dramatische Anteile

Es ist schon ein ungewöhnlicher Anblick. Aber das Setting passt in diesem Fall perfekt. Denn das Konzert hat auch dramatische Anteile. Die Instrumente setzt Beer ein wie Schauspieler. Es gibt Hauptdarsteller und Komparsen. Laute Helden und stille Randgestalten. Mit seinen Ausführungen vor jedem Stück - ausschließlich Eigenkompositionen - gibt er dem Publikum quasi seine Regie-Anweisungen an die Hand.

Perkussion als tragendes, ja einziges Element eines Konzerts also? Ja! Instrumente, die man im sinfonischen Kontext als rhythmische Begleiter kennt, bekommen hier eine Hauptrolle. Das Schlagwerk selbst generiert autonom alle notwendigen Parts einer raumfüllenden Komposition. Eine neue und lohnenswerte Perspektive, die sich hier für viele Zuhörer auftut. "Pollenflüge" ist ein Plädoyer für eine konzertant-zentrale Position der Perkussion, eine Einladung, sich mit neuen Klangwelten vertraut zu machen. Beer unterstützt dieses Einlassen auf Ungewohntes mit Einführungen zu den jeweiligen Stücken.

Den Beginn macht der Musiker mit "Nocturne", einer Komposition, die sich hörbar in die Stimmung der Raunächte einfügt. Das folgende "Syntax" _ eine Uraufführung - spielt er auf einem Drumset, das ausschließlich aus Tom Toms zusammengesetzt ist - präzise und atemberaubend schnell wie eine Nähmaschine. Das Marimbaphon, das er als Molekularmodell der Töne beschreibt bildet mit "Mira" den leichter erschließbaren Abschluss des ersten Aktes.

Nach der Pause begibt sich Beer in seinen "Käfig". Hier wird die große Palette der Rhythmen und die Klangvielfalt seiner Perkussion besonders deutlich. Zumal der Künstler nicht nur die Instrumente anspielt und schwingen lässt. Er hat eine Technik entwickelt, mit der er durch manuelles Eingreifen eine Filterwirkung erzeugt, mit der er Höhen und Tiefen isoliert herausarbeiten kann.

Trance und Meditation

Das Mittel der Isolation, des Auskoppelns wird auch bei "Sylvia atricapilla" deutlich. Die lateinische Bezeichnung steht für die Mönchsgrasmücke. Von deren Gesang ließ er sich inspirieren, ohne sie dabei kopieren zu wollen. Den fulminanten Schlusspunkt setzt er mit seiner großen Trommel. "Warka" heißt das archaische Stück, das in vielen Jahren ganz organisch gewachsen und gereift ist.

Mit zwei Zugaben und begeistertem Applaus endet das Konzert: Bei dem Stück "Dun", getrommelt auf der afrikanischen Djembé, spielt sich Beer regelrecht in Trance und lässt den Abend mit einen "Multiple-Percussion-Set-Up", bei dem die Becken nur mit einem Geigenbogen gestrichen werden, meditativ ausklingen.
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