05.11.2017 - 20:00 Uhr
FalkenbergOberpfalz

Märchenstunde der etwas anderen Art Aus der wilden Oberpfalz

Märchen sind eigentlich nichts für zartbesaitete Mädchen- und Buben. "Aber sie waren ja auch gar nicht für die Kinder gedacht", betonte Agnes O. Eisenreich. In der Pause ihres literarischen Gastspiels auf der Burg Falkenberg stellte sie sich geduldig den Fragen der Oberpfalz-Medien. Mit dem Titel "Aus der wilden Oberpfalz - eine schön-schaurige Lesung in allen Klangfarben" hatte man den Abend mit der ehemaligen Fernseh- und derzeitigen Radiomoderatorin überschrieben. Märchen seien eher Gleichnisse, die von Erwachsenen für Erwachsene weitererzählt oder aufgeschrieben wurden, fügte Eisenreich erklärend hinzu. Wofür aber das große "O" in ihrem Namen steht, wollte sie nicht verraten.

Der Publikumserfolg gab dem „Forum Falkenberg“ wieder einmal Recht. Im Kapitelsaal war kein freier Stuhl mehr zu finden. Bild: wro
von Werner RoblProfil

Dudelsack und Harmonika

Seit mehreren Jahren ist Agnes O. Eisenreich gemeinsam mit zwei Musikern unterwegs, um alte Geschichten neu und auf spannende Weise zu erzählen - nicht zuletzt auch aufgrund eines heimatkundlichen Interesses. Begleitet werden die oft schaurig-skurrilen Märchen von einer recht eigenwilligen Musik, die auf sehr unterschiedlichen Instrumenten gespielt wurde. "Der Sinn der begleitenden Klänge besteht darin, die oft überraschenden, ja manchmal irritierenden, dramatischen oder einfach nur sehr lustigen Geschehnisse weiter zu erzählen", gab sie zu verstehen. Agnes O. Eisenreich merkte an, dass die Musiker Stefan Huber und Koma Lüderitz mehrere Instrumente meist gleichzeitig spielen. "Und das soll ihnen erst mal einer nachmachen", ergänzte sie und deutete auf den Dudelsack und die anderen Instrumente. Dazu zählte unter anderem auch eine Handharmonika und ein ungewöhnlich wirkendes Schlagzeug.

Der zweite Teil der Märchenstunde mit stets auswendig vorgetragenen Werken war dann den Wirtshausgeschichten gewidmet. Einige der von der Erzählerin mitgebrachten und musikalisch umrahmten Zeilen stammen aus der Sammlung von Franz Xaver Schönwerth. Fleißig trug der Oberpfälzer vor rund 150 Jahren alles zusammen, was ihm an Märchen und Sagen über den Weg lief.

Lebendige Erzählweise

Eisenreich nutzte für das Gastspiel in der Burg aber auch andere Quellen. Oft auch Bekanntes, wie die "Goldmarie und die Pechmarie", wenn auch mit einer anderen Wendung als jene, die in der "Weichspülfassung" der Gebrüder Grimm am Ende des Märchens erzählt wird. Aufmerksam lauschte das Publikum im prall gefüllten Kapitelsaal auch all den merkwürdigen Klängen, die die Musiker etwa dem Bariton-Saxofon, der Wassergeige oder der mitgebrachten Donnerbüchse entlockten. Agnes O. Eisenreich riss die Zuhörer mit ihrer lebendigen Erzählweise förmlich mit, denn sie agierte, lachte und fieberte mit den Protagonisten "ihrer" Stücke. Vielen Zuhörern stockte oft der Atem, richtig erleichtert vernahm man so manche Wendung. Eine besondere Überraschung war, als man mit Nase und Zunge probieren konnte, was denn dieser "Rosoglio" ist, dessen Duft und Geschmack von Blüten und Früchten zu Schönwerths Lebzeiten sprichwörtlich in aller Munde gewesen sei.

Das "Forum Falkenberg" hatte mit der Idee, eine Märchenstunde der etwas anderen Art auf die Burg Falkenberg zu bringen, wieder ein glückliches Händchen bewiesen.

Der Sinn der begleitenden Klänge besteht darin, die oft überraschenden, ja manchmal irritierenden, dramatischen oder einfach nur sehr lustigen Geschehnisse weiter zu erzählen.Agnes O. Eisenreich

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