05.09.2014 - 00:00 Uhr
FalkenbergOberpfalz

Museum auf Burg Falkenberg informiert über Wirken von Friedrich Werner Graf von der Schulenburg Diplomat und Friedenssucher

Er ging bei Stalin ein und aus, wollte einen Krieg zwischen Deutschland und Russland unbedingt verhindern. Friedrich Werner Graf von der Schulenburg, Eigentümer von Burg Falkenberg, bemühte sich stets um Aussöhnung. Dr. Winfried Helm zeigte am Freitag die historische Entwicklung auf - auch vor dem Hintergrund des 75. Jahrestags des Überfalls auf Polen.

Historiker Dr. Winfried Helm (rechts) zeigte wichtige Stationen im Leben von Friedrich Werner Graf von der Schulenburg auf. Der deutsche Botschafter und Falkenberger Burgherr war häufiger Gast von Diktator Josef Stalin (links). Bild: hd
von Harald Dietz Kontakt Profil

Wenn in rund einem Jahr Burg Falkenberg nach umfassender Sanierung öffnet, informiert ein musealer Bereich über Leben und Wirken von Friedrich Werner Graf von der Schulenburg. Historiker Dr. Winfried Helm erläuterte nun die Grundzüge des Konzepts.

Anlass war der Besuch von Bundestagsabgeordnetem Albert Rupprecht, der ein höchst erfreuliches Schreiben aus der Aktenmappe zog. Nach einem Bundeszuschuss von 200 000 Euro im vergangenen Jahr folgen nun weitere 250 000 Euro. Eine Aufstockung der Mittel, die Kulturstaatsministerin Monika Grütters bereits genehmigt hat.

Ohne Verzögerung

Die Falkenberger Burgbeauftragten Matthias Grundler und Roland Schraml sowie zweiter Bürgermeister Bernhard Schuller freuten sich. Das Geld könne die 950-Seelen-Gemeinde gut gebrauchen. Immerhin kostet die Burgsanierung rund 6,5 Millionen Euro. Der Zuschuss ermögliche es, die Arbeiten am Burgfelsen für Aufzug und Fluchttreppe (wir berichteten) ohne Verzögerung voranzutreiben. War diese Maßnahme ursprünglich mit 150 000 Euro kalkuliert, muss Falkenberg nun rund 400 000 Euro aufbringen. Albert Rupprecht bewunderte die Falkenberger für den Kraftakt Burgsanierung. Matthias Grundler war wichtig: "Wir haben schon Aufträge für etliche Millionen Euro vergeben - überwiegend an Firmen aus dem Landkreis oder der Region. Das ist Wirtschaftsförderung pur." Beim Gang durch die Großbaustelle Burg Falkenberg kann man sich das Museum, das die Leistungen des Grafen von der Schulenburg beleuchtet, derzeit nur schwer vorstellen. Umso wichtiger waren die Erläuterungen des Museums-Fachplaners Dr. Winfried Helm aus Passau. Hier entstehe ein Ort, der Ost und West zusammenbringe. Und das sei nicht nur auf Wissenschaftler und Historiker beschränkt. Helm spannte den Bogen bis zum Überfall auf Polen und zum Hitler-Stalin-Pakt. "Friedrich Werner Graf von der Schulenburg hat die Grundlagen für diesen Vertrag erarbeitet." Mit dem Ergebnis sei er nur nach außen hin zufrieden gewesen. "Er wollte dauerhaften Frieden mit Russland, Krieg unter allen Umständen verhindern." Der Historiker wusste: "Von der Schulenburg war bei den Russen beliebt. Er hatte Einfluss." Als sich dann "Unternehmen Barbarossa" abzeichnete, habe der Diplomat die Russen vor dem bevorstehenden Krieg gewarnt und damit praktisch Hochverrat begangen. Die Übergabe der Kriegserklärung an Russland sei wohl die schlimmste Stunde für den Menschenfreund und Friedenssucher gewesen. All das dokumentiert einmal das Museum auf Burg Falkenberg.

Forschung vorantreiben

Dr. Winfried Helm hofft, in russischen Archiven noch weiteres Material zu finden. "Wenn die Räume in der Burg fertig sind, geht die Arbeit erst richtig los."

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