Birgit Seelbinder zu Gast in Falkenberg
Europa eine Herzenssache

„Brauchen wir die EU?“ lautete das Thema, das auf Burg Falkenberg erörtert wurde. Antworten dazu hatte Dr. Birgit Seelbinder mitgebracht, die damit einer Einladung des Kreisverbandes der Europa Union Bayern gefolgt war. Bild: wro
Politik
Falkenberg
15.04.2018
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Birgit Seelbinder setzt sich seit Jahrzehnten für ein gemeinsames Europa ein. Wichtig seien besonders offene Grenzen. Bild: wro

Populismus, Streit um Flüchtlinge oder der Brexit: zuletzt war die EU öfter in den Negativschlagzeilen. Immer wieder stellt sich die Frage: Brauchen wir die Euro-päische Union überhaupt noch? Die Marktredwitzer Altbürgermeisterin Birgit Seelbinder hat darauf eine klare Antwort.

"Wir brauchen sie mehr denn je", machte sie im Kapitelsaal der Burg Falkenberg deutlich. Sie erläuterte in ihrer Eigenschaft als Präsidentin der Euregio Egrensis, welche Vorteile die Gemeinschaft mit sich bringt und wie das Vertrauen in die EU wieder gestärkt werden kann. Sie folgte damit einer Einladung des Tirschenreuther Kreisverbandes der Europa-Union Bayern.

Dass dem Angebot weniger Zuhörer gefolgt waren als erhofft, enttäuschte nicht nur die Referentin. Vorstandsmitglied Peter Gold bedauerte, dass viele Stühle leer gebliebenen waren. "Europa muss von unten entstehen. Die nachbarschaftlichen Begegnungen müssen weiter gefördert werden", betonte er mit Blick auch auf die Zusammenarbeit der beiden Nachbarländer Deutschland und Tschechien. Für alle Skeptiker fügte er hinzu: "Man kann einer Blume den Kopf abschlagen." Mit starken Wurzeln wachse sie aber weiter.

"Der Friede ist nicht selbstverständlich", erinnerte Seelbinder an die lange Periode schweigender Waffen in den überwiegenden Teilen Europas. Die Präsidentin der Euregio Egrensis, die sich in aller Deutlichkeit zum Europagedanken bekannte, ergänzte: "Ich bin nicht nur Oberfränkin und Bayerin. Ich bin auch eine Bürgerin Europas." Zugleich bedauerte sie all jene, die mit dieser Idee nur wenig anfangen können.

Offene Grenzen

Man müsse die Tatsache vermitteln, dass die EU mehr sei als das, was oft in den Köpfen stecke. "Der Begriff Europäische Union wurde mit Leben erfüllt", betonte die Marktredwitzerin nicht nur im Bezug auf die gemeinsame Währung. Mehr noch seien offene Grenzen ein Teil der Nachbarschaft, ein erweitertes Stück "Daheim". Diese förderten das Kennenlernen der Länder sowie deren Menschen und Kulturen. "Wenn es Europa in der heutigen Form nicht gäbe, hätten wir keine grenzüberschreitenden Aktionen", machte Birgit Seelbinder deutlich. Die Reise ins Nachbarland sei selbstverständlich geworden.

"Das Leben wurde vielfältiger und farbenfroher. Europa wurde erlebbar." Den erneuten Forderungen nach einer Wiedereinführung von Grenzkontrollen erteilte die Altbürgermeisterin eine Absage, denn "wir sind Nachbarn". Mit Blick auf die "Euregio Egrensis" sagte sie: "Das ist keineswegs nur ein beliebiges Netzwerk in der Region." Rückblickend erinnert sie an die gemeinsame Gartenschau vor zwölf Jahren in Marktredwitz und Eger. Weiter forderte sie eine Vorbildfunktion, die die Bürgermeister zu erfüllen hätten. "Europa muss eine Herzenssache sein."

Zudem ging sie auch auf die Fragen zum Fernverkehr ein und richtete ihren Blick auf Förder- und Beratungsmöglichkeiten. Anklingen ließ die Sprecherin auch die Ziele und Aktivitäten, zu denen Maßnahmen zur Sprachförderung in den Kindergärten oder ein zweisprachiges Praxiswörterbuch für den Rettungsdienst gehören. Die Öffentlichkeitsarbeit sei wichtig, mahnte die Referentin und fasste zusammen: "Die Euregio Egrensis ist der Mittler zwischen der EU und den Menschen in der Grenzregion."

Zeichen setzen

Kreisvorsitzender Uwe-Karsten Mühlenbeck von der Europa-Union forderte den Bezirks- und Landesverband auf, beim Bundesverband und auf Europaebene ein Zeichen zu setzen. In den letzten Jahrzehnten sei es eine wichtige Aufgabe seiner Organisation gewesen, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu fördern.

Damit seien besonders an der Grenze zum früheren Ostblock gute Entwicklungen in Gang gesetzt worden. Es zeige sich, dass ohne finanzielle Hilfen viele Projekte und Kontakte nicht weiterentwickelt werden könnten. Eine "normale Nachbarschaft" sei auf manchen Gebieten noch nicht erreicht, bedauerte er. Man bitte daher den Bezirks- und Landesverband, sich dafür einzusetzen, dass die grenzüberschreitende Zusammenarbeit auch in der nächsten Förderperiode im gleichen Umfang wie bisher unterstützt werde. "Wir brauchen diese Hilfen", betonte Mühlenbeck.

Ich bin nicht nur Oberfränkin und Bayerin. Ich bin auch eine Bürgerin Europas.Birgit Seelbinder, Präsidentin der Euregio Egrensis
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