10.10.2017 - 16:36 Uhr
FalkenbergSport

Ex-Bayern- und Club-Profi Dieter Frey im Interview Der Europapokal-Held im Klassenzimmer

Er war Uefa-Pokalsieger (1996) und Deutscher Meister (1994) mit dem FC Bayern München, mit Werder Bremen feierte er 1999 den Sieg im DFB-Pokal - umschwärmt, umjubelt, gefeiert.

Dieter Frey (links) beobachtet einen Zweikampf zwischen Lothar Matthäus und dem damaligen Bremer Mario Basler. Frey spielte von 1992 bis 1996 für den FC Bayern, von 2001 bis 2004 war er beim 1. FC Nürnberg. Bild: dpa
von Josef Maier Kontakt Profil

Auch im neuen Leben von Dieter Frey geht es um Leistungen, aber weniger um Titel und Triumphe. Der gebürtige Allgäuer aus Kempten ist mittlerweile Mathe- und Wirtschaftslehrer am Bertolt-Brecht-Gymnasium in Nürnberg, wohnt mit seiner Familie in Veitsbronn.

Der 44-Jährige, der außer für Bayern und Bremen für den SC Freiburg und den 1. FC Nürnberg spielte, hat den Sprung ins normale Arbeitsleben bestens bewältigt. Aber Fußball ist natürlich immer noch ein bisschen sein Leben, wie er jüngst am Rande des Burgforums in Falkenberg (Kreis Tirschenreuth) verriet. Dabei sieht der einstige U21-Nationalspieler die rasanten Veränderungen im Profigeschäft auch skeptisch.

Hallo, Herr Frey, Sie spielten beim FC Bayern, dem Club oder bei Werder Bremen, waren lange im Profifußball. Wie ist Ihr Bezug zum Fußball heute?

Dieter Frey: Derzeit bin ich nicht als Trainer aktiv, ich habe aber vor einiger Zeit die U9 des Clubs trainiert und den Fußballkindergarten gemacht. Ich war auch Co-Trainer der U16 oder U17 beim FCN.

Es war einmal zu lesen, Sie wären ganz weit weg vom Fußball. Das interessiere Sie nicht mehr ...

Im Jahr 2004, als ich mit dem Profifußball aufgehört habe, brauchte ich eine Auszeit. Da gab es schon eine Phase, in der ich nicht so interessiert war. Auch wegen meines Lehramtsstudiums. Aber ehrlich, als Fußballer kommt man dann doch nicht weg von diesem Spiel. Ich schaue mir wieder viele Spiele an.

Sie waren Meister und Uefa-Pokalsieger mit dem FC Bayern, feierten mit Oliver Kahn, Thomas Helmer oder Lothar Matthäus Erfolge ...

... auch Jürgen Klinsmann war in der Mannschaft.

Gibt es noch Kontakte zu den ehemaligen Mitspielern?

Nein, eigentlich nicht. Das ist alles weit weg. Von den Bayern habe ich noch zu Hermann Gerland Kontakt oder zu Wolfgang Gerstmeier (gehörte in den 1990er Jahren zum Kader; die Red.). So etwas verliert sich schnell. Ich habe auch in Bremen gespielt, und da habe ich ab und an Kontakt zu Marco Bode.

In den letzten Jahren hat sich der Profifußball rasant verändert. Wie sehen Sie die Entwicklung?

Es ist immer mehr Geld im Spiel, es wird immer mehr verdient. Problematisch ist, wenn viel Geld von außen dazukommt. Der FC Bayern etwa hat sich alles selbst erarbeitet, hat das selbst verdient. Dann ist es okay, wenn das Geld auch an Spieler weitergegeben wird. Wenn aber Hunderte von Millionen von außen kommen, ist das ein Problem.

Sie sind Lehrer, sprechen und diskutieren Sie mit Ihren Schülern über so ein brisantes Thema?

Es gibt schon Stunden, in die auch so eine Thematik reinpasst.

Sie waren auch beim Club. Was sagen Sie zu dieser jungen, frischen Mannschaft?

Der Club hat heuer eine sehr gute Mannschaft, eine richtig gute Mischung zwischen Jung und Alt. Und so einer wie Tim Leibold ist ja wie ein Neuzugang, er war lange verletzt. Mich überrascht nicht, dass sie oben dabei sind.

Und mit Patrick Erras hat der FCN wieder einen Strategen ...

Patrick Erras ist wirklich sehr, sehr talentiert. Er ist einer, der im Spiel unheimlich viel voraussieht und dadurch schon viel im Keim ersticken kann. Zudem hat er eine sehr gute Technik.

Wie klappt eigentlich die Wandlung von einem Europapokal-Helden zu einem normalen Studenten?

Das erste Semester war nicht so leicht, ich hatte ja damals auch schon Kinder. Auch an das Sitzen und Lernen musste ich mich erst wieder gewöhnen. Mathe zu studieren, das ist viel Stoff, anders als Mathe in der Schule. Da gab es schon Momente, in denen ich dachte: "Was machts du eigentlich hier?" Aber da kommt einem der Sport zugute. Da braucht man auch Disziplin und Durchhaltevermögen.

Warum ausgerechnet Mathematik?

Das hat mir schon in der Schule gefallen. Aber ich war jetzt auch kein Überflieger.

Der Umgang mit Zahlen kann ja auch bei Vertragsverhandlungen nicht schaden ...

(lächelnd): Da braucht man nicht so viel Mathematik. Da braucht man nur Verhandlungsgeschick.

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